Herzogenaurach: Eigenstrom vom Dach ist nun Pflicht

Edith Kern-Miereisz
Edith Kern-Miereisz

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2.6.2020, 06:00 Uhr
Viele Bürger haben schon längst PV- und Solarthermieanlagen auf ihre Dächer montiert, wie hier in Steinbach. Nun soll dies für neue Baugebiete verbindlich vorgeschrieben werden.

Viele Bürger haben schon längst PV- und Solarthermieanlagen auf ihre Dächer montiert, wie hier in Steinbach. Nun soll dies für neue Baugebiete verbindlich vorgeschrieben werden. © Archivfoto: Matthias Kronau

Das Vorhaben, bereits im Planungsausschuss vor der Corona-Pandemie diskutiert, unter anderem auf Anregung des Arbeitskreises Energie und als Teil des European Energy Awards, musste noch den Stadtrat passieren, nun in neuer Besetzung.

Es sieht vor, künftig in Bebauungsplänen, die Wohngebiete mit Einzel-, Doppel- oder Reihenhausbebauung festsetzen, eine Verpflichtung zur Installation einer Photovoltaik (3 kWp Leistung, etwa 1500 Euro Kosten) oder Solarthermieanlage (Deckung von 15 Prozent des Wärmebedarfs des Gebäudes, etwa 1000 Euro Kosten) festzulegen. In Ausnahmefällen könne abgewichen werden.

80 Prozent ohnehin mit grünem Strom

Beim Geschosswohnungsbau und in gewerblichen Flächen könne der Einzelfall geprüft werden. Ziel ist die Erhöhung des Anteils lokal erzeugter Energie. Eine Installation an der Fassade ist möglich. Betroffen sind von rund 8000 Gebäuden in der Stadt etwa ein Prozent.

Konrad Körner (JU) argumentierte gegen das Vorhaben: "Ein Grundsatzbeschluss ohne Grund. Am Nordhang in Niederndorf hätte man das machen müssen." Neubürgern würden Kosten aufgebürdet und Neubaugebiete benachteiligt. Es solle sich um eine "Empfehlung" handeln, so sein Änderungsantrag.

Bürgermeister German Hacker führte hingegen den Klimaschutz ins Feld: "Das ist kein Selbstzweck." Die Zeit, Anreize zu setzen, sei vorbei. Einschränkungen ergäben sich auf vielen Feldern, sei es bei Abgaswerten oder Handystrahlen. "Die Festlegung auf eine bestimmte Technologie behagt mir auch nicht", räumte Michael Dassler (FDP) ein, doch "Umweltschutz werden wir nicht umsonst bekommen. Man muss die Leute ein Stück weit zwingen."

Zwang zu grünem Strom?

"Gute Konzepte brauchen keinen Zwang", meinte hingegen Birgit Süß (Freie Wähler) und fragte nach der Kosten-Nutzen-Berechnung. Beim Schutz des Klimas sollte man dies nicht hinterfragen, erwiderte Hacker. Auch im Bauausschuss gehe es ständig um Auflagen und Vorschriften.

Holger Auernheimer (SPD) rechnete vor, bei 700 000 Euro Baukosten für ein Eigenheim seien dies 0,5 Prozent der Baukosten. Bei 80 Prozent der Neubauten werde es ohnehin realisiert, ergänzte Curd Blank (SPD).

Mark Deavin (Grüne) fragte nach dem Vergleich mit anderen Städten. Die Leiterin des Stadtplanungsamts, Anja Wettstein, informierte, auch in Erlangen und zahlreichen weiteren Gemeinden in Bayern existiere eine solche Vorschrift.

Wege der Förderung

In der Nähe von Einzeldenkmälern müsse es mit der Gestaltungssatzung in Einklang gebracht werden. Über das BAfA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) die KfW, das 1000-Häuser-Programm oder das CO2–Minderungsprogramm gibt es Förderung.

Franz-Josef Lang (CSU) versuchte zu vermitteln, "bevor es zu sehr in Polemik abdriftet: Photovoltaik ist wichtig und angekommen bei der Bevölkerung."

 

Direkt an Konrad Körner wandte sich Peter Simon (Grüne): "Die CSU hat 16 Jahre in Bund und Land regiert und Vorschriften erlassen. Dazu wolltest du noch Bürgermeister werden."

Der Änderungsantrag wurde abgelehnt.

Im nichtöffentlichen Teil wurde ein einstimmiger Beschluss gefasst, der der Kommandantenversammlung der Freiwilligen Feuerwehren folgte. Angeschafft werden Pumpen, die für verschiedene Ortsteilfeuerwehren eingesetzt werden. Die Firma Albert Ziegler aus Giengen/Brenz wird mit der Lieferung von sechs Tragkraftspritzen für 92 760 Euro beauftragt.

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