Münchaurach: Die Kälte hindert den Spargel am Wachsen

9.4.2021, 06:00 Uhr
Natascha Anders verkauft Spargel im Hofladen von Konrad Kreß.

Natascha Anders verkauft Spargel im Hofladen von Konrad Kreß. © Foto: Jeanette Seitz

Schaden tue der Kälteeinbruch dem Spargel zwar nicht direkt, aber für ihn als Landwirt sei es trotzdem ein großes Problem. Denn die Spargelstangen werden nun eben nicht lang genug, um sie ernten zu können. Und das ausgerechnet zu Beginn der Saison, wo die Leute regelrecht nach Spargel gieren. "Wir sind einigermaßen frustriert."

Dabei hatte die Saison recht vielversprechend begonnen. Am 1. April ging im Kreß’schen Hofladen in Münchaurach der erste Morgentau-Spargel über den Ladentisch. "Die Leute warten ja sehnsüchtig darauf", weiß Konrad Kreß. Schließlich ist das "weiße Gold" aus der Region nur rund drei Monate im Jahr zu haben.

"Vor dem 1. April hatten wir fünf warme Tage mit viel Sonnenschein", erklärt Kreß. Und vor allem die Sonne sei der wichtige Faktor, denn durch die intensive Einstrahlung erreiche man unter der Folie die Temperaturen, die es braucht, damit der Spargel wächst.

Temperatur im Boden wichtig

Wichtig ist dabei die Temperatur im Boden, in etwa 40 Zentimetern Tiefe, wo die Wurzeln sind. "Da müssen es mindestens zwölf Grad Celsius sein", so Kreß. Durch den Temperatursturz am Ostermontag aber habe sich der Boden wieder auf acht Grad heruntergekühlt. "Und da hat der Spargel keine Lust mehr zu wachsen." Ernten aber könne man den Spargel erst, wenn die Spitze gerade so aus der Erde herausschaue.

Sicher: "Wenn es wieder wärmer wird, wächst der Spargel ansatzlos weiter." Dazu brauche es aber "drei, vier Tage mit intensiver Sonneneinstrahlung". Kreß hofft, dass das bald der Fall sein wird.

Nicht mehr aufholbar

"Das ist halt die Natur", sagt der Landwirt achselzuckend. Aber was ihm jetzt fehle, könne er nicht mehr aufholen. Denn die Saison endet unwiderruflich rund um Johanni am 24. Juni. "Danach braucht der Spargel die langen Tage, um wieder Reserven für die nächste Saison zu bilden."

Unter Folie wartet das „weiße Gold“ auf die Ernte. Doch noch sind viele Stangen nicht lang genug, der Boden ist zu kalt.

Unter Folie wartet das „weiße Gold“ auf die Ernte. Doch noch sind viele Stangen nicht lang genug, der Boden ist zu kalt. © Foto: Jeanette Seitz

In den vergangenen Jahren jedenfalls sei die Ernte zu dieser Zeit "auf Hochtouren" gelaufen, sagt Konrad Kreß. "Heuer werden wir ausgebremst." Dennoch sind seine Saisonarbeitskräfte und seine Familie im Einsatz und ernten täglich wenigstens ein bisschen Spargel – natürlich coronabedingt mit umfassendem Hygienekonzept. "Die Erträge sind zwar im Moment nicht wirtschaftlich, aber die Leute warten ja drauf."

Der wenige Spargel allerdings wird nur im Hofladen verkauft. "Wir haben momentan noch nicht die Mengen, um auch die Verkaufsbuden bestücken zu können." Davon gibt es zwei in Herzogenaurach, zwei in Nürnberg, eine in Neustadt/Aisch und eine in Buckenhof. Ob es auch wieder einen Lieferservice mit der TSH wie im vergangenen Jahr geben wird, steht noch in den Sternen.

Geschmacklich überzeugende Sorten

Was aber ist das Besondere am Morgentau-Spargel? "Das wichtigste ist: Er kommt aus der Region", meint Kreß. Durch die kurzen Transportwege seien die Stangen sehr frisch, außerdem baue er auf seinen 15 Hektar keine Sorten an, die nur besonders ertragreich seien, sondern solche, die vor allem geschmacklich überzeugten. "Wir wollen ja, dass die Kunden wiederkommen."

Zudem sei sein Landwirtschaftsbetrieb nachhaltig und energieeffizient. Kreß nennt da etwa die Hackschnitzelheizung, die modernen Kühlräume, Wärmerückgewinnung oder die langlebigen, recyclebaren Folien. Konrad Kreß weiß: "Qualität und Service spielen natürlich eine große Rolle, aber die Kunden wollen auch, dass der Hintergrund passt."

Und wie schmeckt nun der perfekte Spargel? "Er darf eine gewisse Süße haben, nicht zu bitter und ohne dumpfe Noten, aber vor allem muss er den spargeltypischen Eigengeschmack aufweisen. Und die Frische sollte wahrnehmbar sein."

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