Wie Katastrophenschutz funktioniert

Nach Hochwasser in Höchstadt: Hätte früher gewarnt werden können?

21.7.2021, 12:11 Uhr
In Höchstadt an der Aisch kam die Flut im Morgengrauen. Gegen 4.30 Uhr am Samstag vor einer Woche ging der erste Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr ein.

In Höchstadt an der Aisch kam die Flut im Morgengrauen. Gegen 4.30 Uhr am Samstag vor einer Woche ging der erste Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr ein. © Paul Neudörfer, NN

In Höchstadt an der Aisch kam die Flut im Morgengrauen. Gegen 4.30 Uhr am Samstag vor einer Woche ging der erste Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr ein. Wenige Kilometer flussaufwärts, an der Mühle bei Sterpersdorf, mussten zwei Menschen ins Trockene gebracht werden. Kurze Zeit später standen auch in Höchstadt die Altstadt sowie die B470 unter Wasser.

Die örtliche SPD findet, dass Höchstadt von der Flut "überrascht wurde", und führt das Beispiel einer betagten und alleinstehenden Anwohnerin in der Hirtengasse an. Sie sei erst durch Lärm der Einsatzkräfte gegen 7 Uhr auf das Hochwasser aufmerksam geworden. Hätte die Bevölkerung früher und besser gewarnt werden können?

Das wollen die Genossen nun in einer außerordentlichen Stadtratssitzung klären. Sie fragen, ob Warnungen nicht rechtzeitig an die Stadt weitergegeben wurden, oder innerhalb des Rathauses nicht verarbeitet wurden. Aber wie funktioniert der Katastrophenschutz im Landkreis Erlangen-Höchstadt überhaupt?

Wie die Meldekette abläuft

Bleiben wir beim Beispiel des jüngsten Hochwassers. Amtliche Flutwarnungen spricht in Bayern der Hochwassernachrichtendienst aus, die beim Landratsamt als zuständige untere Katastrophenschutzbehörde per Fax ankommen. Von dort aus werden die betroffenen Kommunen informiert. "Da gibt es vorgefertigte Meldewege", sagt Stefan Löffler, der beim Landratsamt Erlangen-Höchstadt für die öffentliche Sicherheit zuständig ist. Ihm zufolge sei die Warnung des Nachrichtendienstes am Freitagvormittag eingegangen und "kurz vor der Mittagszeit" an die Kommunen durchgereicht worden.

Noch am selben Tag hätte zudem die landkreisweite Sandsacklogistik in Bubenreuth ihren Betrieb aufgenommen. Hinzu trat nicht weit davon entfernt, in Baiersdorf, ein Stab aus Feuerwehr-Führungskräften und technischem Hilfswerk zusammen. Außerdem hielt Löffler den Kontakt zur "Katastrophenschutzbehörde eins drüber", wie er selbst sagt: "Am Freitag habe ich von daheim mit der Regierung von Mittelfranken telefoniert."

Auch an die Bevölkerung wurde die Warnung noch am Freitagnachmittag weitergegeben: Einerseits über die sozialen Medien wie Twitter, Instagram und Facebook sowie der Landkreis-Website, aber auch über die ERH-App sowie spezielle Warn-Apps. "Da ist schon die Zukunft", sagt Löffler über die Smartphone-Anwendungen, von denen es inzwischen einige gibt (siehe Text unten). Doch auch klassische Sirenen sind für ihn "auf jeden Fall sinnvoll und zu empfehlen". Schließlich würden diese die Menschen zu jeder Uhrzeit "hellhörig machen" - ganz im Gegensatz zu einer App auf dem Smartphone, das bei vielen nachts im Flugmodus schlummert.

Rückbau von Sirenen?

Aber: "Die letzten Jahrzehnte sind ja oft Sirenen rückgebaut worden", wie Löffler sagt. Wo es sie im Landkreis noch gibt, weiß er nicht, denn über ihre Aktivierung entscheidet nicht er, sondern die örtliche Einsatzleitung auf Ebene der jeweiligen Kommune.

Gleiches gilt für Warnungen per Lautsprecher, die von durch die Straßen fahrenden Feuerwehrautos aus ausgesprochen werden. Die Höchstädter SPD bemängelt, dass es diese zwar im benachbarten Adelsdorf gegeben habe, nicht aber in Höchstadt.

Was sagt der Höchstadter Bürgermeister Gerald Brehm dazu? Rückblickend spricht er von einer "gewissen Blauäugigkeit": "Wir haben nicht damit gerechnet, dass das Wasser so schnell zu uns kommt." Am Freitagnachmittag, nachdem ihn die Warnung erreicht hatte, habe er die Feuerwehr zwar informiert, aber nicht alarmiert. "Der Feuerwehr kannst du keinen Vorwurf machen, die wären bereit gewesen."

Bürgermeister übernimmt Verantwortung

Er übernehme daher "selbstverständlich" die politische Verantwortung - und kündigt Konsequenzen an: Zukünftig werde er in solchen Fällen einen gemeindeeigenen Krisenstab aktivieren, der aus Feuerwehr, dem Bauunterhalt, der Geschäftsführung und ihm selbst besteht. Außerdem wolle er im Bereich der Badgasse einen "dauerhaften Hochwasserschutz" umsetzen.

Ob es nun, wie von der SPD gefordert, zu einer außerordentlichen Stadtratssitzung kommt, will Brehm gemeinderechtlich prüfen lassen. Für nötig hält er sie aber nicht, da am kommenden Montag sowieso die nächste reguläre Sitzung ansteht.

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