Freitag, 15.11.2019

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Rettet die Bienen: Artenschutz im eigenen Garten

Pflanzenauswahl ist entscheidend - Tipps der Landschaftsarchitektin Christine Orel - 04.03.2019 13:57 Uhr

Naturnähe im Designgarten – das schließt sich nicht aus. Wie „die eigene Kulisse“ mit vielfältigen Pflanzen gestaltet werden kann, zeigten die Landschaftsgärtner bei diesem preisgekrönten Garten in Erlangen. © Archivfoto: NN/Orel + Heidrich


Was soll das überhaupt sein, ein Designgarten? Fast jeder Trend hat eine Vorgeschichte. Die Bauhausarchitektur fußte auf der marokkanischen Kasbah, der Designgarten ist eine Reminiszenz auch ans Bauhaus.

Der ungetrübt grüne Rasen als Passepartout für ein blühendes Blumenbeet – dieses als formvollendet geltende Bild setzte sich, medial vielfach propagiert in Köpfen fest: Wildheit, Spontaneität, "unaufgeräumte" Ecken, natürliche Sukzession – all dieses schließt ein Designgarten offenbar aus.

Dagegen ist auch eine zweite Strömung bei der privaten Gartengestaltung intensiv: das eigene Paradies in Form eines Bauerngartens oder der Nachahmung eines englischen Landschaftsgartens mit Blickachsen zu schaffen – je nach Charakter des Gartenfreundes.

Buchs, Bambus und Birke gelten als Dominanten in oftmals einfallslosen Gärten. Dabei sei es auch möglich, Formalität mit Naturnähe zu verbinden, sagt Christine Orel, deren Büro Landschaftsarchitekten Orel + Heidrich aus Herzogenaurach schon eine Vielzahl kreativer Gärten gestaltete.

In Herzogenaurach unter anderem auch die Stadteingänge und den Sainte-Luce-Brunnen an der Realschule.

Ein Plädoyer für insektenfreudige Pflanzen: Landschaftsarchitektin Christine Orel beim Gespräch in der NN-Redaktion. © Foto: André De Geare


Was fehlt, das sei oftmals das Wissen, hat die Landschaftsarchitektin erfahren. Ihr Rückblick: Landesgartenschau in Würzburg im Herbst 2018. Bunt und vielfältig strahlten die Herbstblüher. Vereinzelt indes flogen die Insekten, erschreckend wenige angesichts der Blütenvielfalt.

"Es war niederschmetternd", erinnert sich Christine Orel. Dass gegen das Artensterben jedermann und jede Frau aktiv werden kann, teils schon bei der Gartenplanung, machen die Vorschläge der Landschaftsarchitektin deutlich.

Muss der Weg von der Straße zum Haus extrabreit sein? Kann die Garage nicht direkt an der Straße stehen, um Flächenversiegelung zu vermeiden? Eine Terrasse lässt sich auch mit Fugenabstand planen, damit das Wasser abläuft.

Warum nicht Gießwasser auffangen und Regenwasser in der Zisterne? Warum schon vor dem Winter die Büsche niederschneiden und die Gärten von jeglichem Laub befreien?

Für jede Jahreszeit könnten Gartenbesitzer von Insekten, Hummeln und Wildbienen geliebte Pflanzen in ihren Garten setzen. Mit ganzjährigen Blühpaketen, von Experten zusammengestellt, bei kundigen Gartenbaubetrieben zu kaufen oder auch im Internet, könne man passende Blumen und Pflanzen finden.

Im Frühling der Krokus, im April die immergrüne Schleifenblume, dann der Kaukasus-Storchenschnabel, ein hellblauer Blüher, der Wiesensalbei im Mai in Lila, Weiß und Rosa bis November, die Prachtscharte im Juni, die Pyrenäenaster bis in den Spätsommer, der rote Sonnenhut und die große Fetthenne – dies wäre so ein Ganzjahres-Blühpaket mit wiederkehrenden Blumen.

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"Es soll nicht entmutigend sein", meint Christine Orel, das riesige Wissensgebiet der Pflanzenkunde und Botanik sei immerhin nicht so einfach zu erschließen.

Bei dem Wunsch, "die eigene Kulisse, die Verlängerung des Wohnzimmers zu schaffen", wie Christine Orel die Gartengestaltung nennt, seien viele Mischformen zwischen Designgarten-Elementen und Naturnähe ebenfalls möglich. Auch könne man im Garten Zonen schaffen: Hier wird nicht gemäht, hier wird später gemäht, um Vielfalt zu erzeugen. "Mähmanagement kann auch ästhetisch sein", ermutigt sie auch zum Experimentieren. Ihr Rat: "Man darf es nicht wegschimpfen."

Selbst in Städten – etwa in Nürnberg, Düsseldorf und Stuttgart – wurden dauerhafte Staudenflächen von ihr gestaltet. In vielen Fällen stehen hochmotivierte Gärtner dahinter.

Edith Kern-Miereisz E-Mail

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