Schon das Wetter sorgt für viel Abwechslung

29.6.2017, 18:30 Uhr

© Foto: Rainer Groh

Wie wichtig ist die Wettervorhersage für den Waldkindergarten?

Caroline Sell: Die Wettervorhersage ist nur insofern von Bedeutung, dass die Eltern ihre Kinder dem Wetter entsprechend anziehen können. Nach dem Motto: "Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung!"

Für uns als Leitungsteam sind lediglich extreme Wetterwarnungen, wie Sturm oder Schneebruchgefahr von wesentlicher Bedeutung, denn dann können wir unmöglich mit den Kindern in den Wald gehen. Zur Not haben wir die Möglichkeit, in Räume der Gemeinde Hemhofen auszuweichen.

Was macht man im Waldkindergarten bei Regen, wie am Donnerstag?

Sell: Die Kapuzen aufsetzen. Sind die Kinder dem Wetter entsprechend gut angezogen, haben unsere Wurzelzwerge auch bei Regen ihren Spaß. So machen der Matschberg und die Matschküche ihrem Namen alle Ehre. Auch die ein oder andere Pfütze wird zum großen Erlebnis für unsere Wurzelzwerge.

Warum ist "ständig draußen" besser als "vorwiegend drinnen"?

Sell: Ständig draußen, immer auf Achse, viel in Bewegung an der frischen Luft beugt Haltungsschäden vor, reguliert den Appetit und den Schlaf, schärft die Sinne und härtet ab. Unsere Wurzelzwerge sind weniger krank und können sich, wenn es darauf ankommt, sehr gut konzentrieren.

Es gibt in "normalen" Kitas ja so viele schöne Lernspielzeuge. Verzichtet man vor diesem Hintergrund im Waldkindergarten nicht auf pädagogische Möglichkeiten, etwa die Feinmotorik auszubilden mit Malen, Ausmalen Ausschneiden z. B.?

Sell: Auf keinen Fall. In unserem Waldkindergarten stehen Basteln, Malen, Schneiden fast täglich auf dem Programm. Auch Brettspiele, Bausteine, etc. können bei Bedarf aus dem Bauwagen geholt werden. Wir sind sehr darauf bedacht, dass unsere Wurzelzwerge bis zum Schuleintritt ihre motorischen Fähigkeiten erlernt und gefestigt haben um im nächsten Lebensabschnitt – der Schule – einen guten Anschluss zu finden. Rund 50 Kinder haben wir bis zum Schuleintritt in den letzten zehn Jahren begleitet, und durch Rückmeldungen der Eltern bekommen wir sehr erfreut mit, dass viele unserer Sprösslinge den Übertritt auf das Gymnasium geschafft haben. Das macht uns sehr stolz und gibt uns die Gewissheit, dass unser Konzept gut durchdacht ist.

Was ist anders an der Aufgabe der Erzieher/Innen im Waldkindergarten im Vergleich zu "normalen" Kitas?

Sell: Anders ist, dass wir bei Wind und Wetter unseren Tagesablauf organisieren. Die verschiedenen Witterungsbedingungen lassen unsere Tage nicht langweilig werden. Die Erziehung zur Selbstständigkeit hat bei uns einen hohen Faktor. Die Kinder lernen schnell, sich mit den einfachsten Dingen zu beschäftigen und das fordert sowohl bei den Kindern, als auch bei uns Erwachsenen die Kreativität, die unsere Tage erfüllt. Anders als in einer normalen Kita ist bei uns der geringere Geräuschpegel, der sich bei den Kindern und bei uns Erwachsenen positiv auswirkt. Auch wir Erzieherinnen sind weniger krank. Durch das Arbeiten in der Natur sind wir abgehärtet und weniger anfällig für Erkältungskrankheiten.

Braucht man Zusatz-Qualifikationen, wenn ja, welche?

Sell: Nein, eine Zusatzqualifikation braucht man im Waldkindergarten nicht. Zusätzlich zur Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin oder Kinderpflegerin sollte man großes Interesse am Wald und an der Natur mitbringen. Denn nur so können die Schätze der Natur an unsere Wurzelzwerge weitergegeben werden.

Denn nur, was die Kinder in ihren jungen Jahren schätzen und lieben lernen, werden sie als Erwachsene schützen.

Keine Kommentare