Wenn Heuschrecken auf Karpfen losgehen

29.10.2009, 00:00 Uhr
Mit dabei beim Szenen-Dreh zum «Schrei des Karpfen» vor dem Rathaus (v.l.): Edith Jager, Werner Schramm, Pia Hackenberg, Marek Stefanek Peter Ott und Georg Römer.

© privat Mit dabei beim Szenen-Dreh zum «Schrei des Karpfen» vor dem Rathaus (v.l.): Edith Jager, Werner Schramm, Pia Hackenberg, Marek Stefanek Peter Ott und Georg Römer.

Die Lage ist ernst. Dekan Kilian Kemmer warnt von der Kanzel aus vor dubiosen Geschäftemachern, die Höchstadts Weiher in eine rentable «Eventlandschaft» verwandeln wollen. Wellness und Fischburger soll es geben. Der «Schrei des Karpfens» ertönt. Und wer aus etwas Entfernung hinschaut, der sieht in der Kirche die Kamera und das Mikrofon stehen.

Die flammende Predigt im Gotteshaus ist eine Szene in Werner Schramms neuem Heimatfilm. Und, wie sollte es anders sein, er dreht sich um den Karpfen, das Wahrzeichen Höchstadts. Dieses Wahrzeichen aber ist bedroht durch einen Groß-Investor aus Polen, der aus einer zweifelhaften Fischzucht-Anlage Setzlinge nach Höchstadt bringen will.

«Ein Denkmal setzen»

Das Ziel des Regisseurs: «Ich will alarmieren.» Es könnte wirklich so weit kommen, «dass wir den Karpfen gegen die Heuschrecken verteidigen müssen», meint Werner Schramm. Deshalb hat er im Frühjahr 2009 das Skript für Höchstadts Premiere auf der Leinwand verfasst. «Ich wollte außerdem Fischmeister Konrad Böckl ein Denkmal setzen, der in Höchstadt einst eine Schule für Fischzucht gegründet hat, die bis heute ihresgleichen sucht.»

Pia Hackenberg spielt im Film Böckls Enkelin. Sie verteidigt das Erbe ihres Großvaters gegen die Privatisierungspläne aus dem Osten. Hilfe bekommt sie dabei von Fritz Endres vom Fischereiverein, von der Stadtkapelle, von der Theatergruppe der WAB Kosbach und einer engagierten Journalistin (Edith Jager).

Alle Beteiligten haben vor der Kamera die Dialoge frei entwickelt. Werner Schramm, der auch Kamera führte, hat in seinem Skript nur den groben Rahmen der Handlung vorgegeben. «Je nachdem, wer Zeit hatte, mit dem haben wir dann gedreht.» Zwei bis fünf Schauspieler waren immer am «Set.» «Problematisch waren die Massenszenen», sagt Schramm.

Manche haben das Filmteam aber auch spontan unterstützt. «Als wir eine Protestszene auf dem Marktplatz drehten, sorgte eine Gruppe Radler spontan für Applaus, als wir ihn brauchten», sagt Schramm. Überhaupt hätten alle «hinreißend mitgemacht.» Neben Kemmer, Hackenberg und Endres waren unter anderem Roland Holzfuß, Marek Stefanek und Gerry Schlosser beteiligt. Letzterer spielt den Leiter der Fischereibehörde Fritz Unterle.

Nachdem alle Szenen im Kasten waren, hat Werner Schramm den 90-minütigen Spielfilm sorgfältig zusammengeschnitten. «Gar nicht so einfach.» Alle haben geholfen, Filmfehler zu vermeiden.

So musste beispielsweise die Uhr am Storchenrathaus mehrmals abgefilmt werden, damit die angezeigte Zeit zu den Dialogen passte. Oder die Gemeinde, die im Film Dekan Kemmer bei seiner Warn-Predigt lauscht: Sie besuchte in der «realen Welt» eigentlich den Erntedankgottesdienst.

Saubere Tücher?

Bei so viel Dreh-Stress gerät natürlich manche Szene auch mal durcheinander. Und Werner Schramm wollte dem Kinobesucher natürlich auch die lustigen Versprecher nicht vorenthalten und zeigt sie am Ende des Films. Unter anderem geht es dabei um die Frage: Ist die Sache jetzt in sauberen Tüchern, oder doch in trockenen? Den Heimatfilm «Der Schrei des Karpfens» gibt es bald auf Leinwand zu sehen.

Die ersten öffentlichen Aufführungen finden am Dienstag, 3. November, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 8. November, um 16 Uhr im Filmtheater, Haus der Vereine, statt.