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Moscheen: Seehofer will Einfluss aus dem Ausland verhindern

50 Gemeinden sollen bei der Öffnung unterstützt werden - 15.11.2019 16:30 Uhr

Prunkvoll, machmal aber verschwiegen: Deutschlands Moscheen sollen an die Gesamt-Gesellschaft herangeführt werden © Boris Roessler/dpa


Nicht einmal ein Bundesminister kann an zwei Orten gleichzeitig sein. Genau das hätte aber Horst Seehofer hinbekommen müssen, wenn er die in Nürnberg vorgesehene Veranstaltung "Moscheen für Integration" hätte besuchen wollen. Bis in die Morgenstunden musste der Minister nämlich gestern in Berlin sein, um vor dem Haushaltsausschuss um den Etat des Innenressorts zu kämpfen. Da müsse man "sehr ehrfürchtig auftreten, um das zu bekommen, was man will", verriet er.

Deswegen machte man es anders: Der Termin des Nürnberger Bamf wurde kurzfristig in die Hauptstadt verlegt. Nun musste zwar der unabkömmliche Seehofer nicht mehr reisen, aber knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten ihre Pläne kurzfristig zu ändern, damit der Minister wenigstens eine knappe Stunde dabeisein konnte.

"Muslimisches Leben noch stärker heranführen"

Nach der Klärung der Ortsfrage konnten sich dann alle wieder der eigentlichen Frage widmen. Der Bund wird in den kommenden drei Jahren sieben Millionen Euro (vornehmlich in Sachmitteln) ausgeben, um einzelnen, ausgesuchten Moscheegemeinden in Deutschland zu helfen, sich auf verschiedenste Art und Weise mit ihrer Nachbarschaft zu vernetzen. Es sei das Ziel, so Horst Seehofer, "das muslimische Leben noch stärker heranzuführen an die Gesamtgesellschaft".

Horst Seehofer mit Hans-Eckhard Sommer, dem Leiter des Bamf. © Jörg Carstensen/dpa


Hans-Eckhard Sommer, der Präsident des Bamf, wird das Projekt mit seinem Bundesamt von Nürnberg aus betreuen. Theoretisch kämen über 2300 muslimische Gemeinden in Frage, die es in Deutschland gibt. Vorerst sollen es aber nur 50 von ihnen sein, die Unterstützung für ihre Projekte erhalten. Ausgewählt werden sie von einem eigens dafür eingerichteten Beirat.

Einfluss aus dem Ausland verringern

Fachlich zuständig ist die Abteilung Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Bamf. Deren Leiterin Uta Saumweber-Meyer gab den Teilnehmern der Konferenz einige Beispiele dafür, was mit dieser "Mikroförderung" alles gemeint sei. So könne den Gemeinden zum Beispiel geholfen werden, eine Internetseite zu erstellen und damit Einblicke in ihr Innenleben zu erlauben.

Horst Seehofer ist angetan von der Idee. Zu seinen erklärten Zielen zählt es, "den ausländischen Einfluss" auf die Moscheegemeinden zu reduzieren. Insbesondere von Seiten der Türkei geschieht das häufig - nicht zuletzt über die Imame, die islamischen Geistlichen. Auch die sollten zunehmend in Deutschland ausgebildet werden, sagte er.

Versuch gab es bisher noch nicht

Mit solchen Öffnungen nach außen sei allen Beteiligten geholfen, so der Innenminister. Den Nachbarn, die weniger Angst hätten, was in der Moschee in ihrer Umgebung alles geschehe. Und den Muslimen, die von dieser "Vertrauensbildung in der Bevölkerung" profitierten.

Für die Betreuung und Begleitung der Projekte hat das Bundesamt etliche Einrichtungen gewonnen, so zum Beispiel die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, das Goethe-Institut und den Paritätischen Gesamtverband. Vertreter dieser Organisationen trafen gestern in Berlin auf Mitglieder der Islam Konferenz und konnten sich mit ihnen austauschen.

Einen solchen Versuch, direkt bei der Förderung der lokalen Moscheegemeinden anzusetzen, gab es bisher noch nicht. Die Idee dahinter ist, dass es dort bisher schon vielfältiges ehrenamtliches Engagement gibt und dieses dringend unterstützt werden sollte. Im Laufe der Zeit könnten die Muslime vor Ort dann "selbstverständlicher dazugehören und als Teil der Nachbarschaften und Stadteile sichtbar und anerkannt werden". Die nächsten drei Jahre gelten als Pilotphase. Anschließend wird entschieden, ob das Projekt fortgesetzt werden soll.

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