Die Bahn hat entschieden

Aufatmen in Postbauer-Heng: ICE-Werk in der Lach ist vom Tisch

3.9.2021, 13:48 Uhr
Neben dem Postbauerer Friedhof hatten die Gegner des geplanten ICE-Werkes eine Bürgerinitiative gegründet: Sie hatten jetzt Erfolg.

Neben dem Postbauerer Friedhof hatten die Gegner des geplanten ICE-Werkes eine Bürgerinitiative gegründet: Sie hatten jetzt Erfolg. © Wolfgang Fellner

"Ich habe als erstes 1. April gedacht", sagt ein aufgeräumter Bürgermeister Horst Kratzer in Postbauer-Heng. Gestern Abend erst hatte er dem Projektentwickler der Bahn eine Mail geschickt.

Der hatte ihm zusagt, dass es bis Ende August eine Antwort gebe, ob die geplante Umgehung von Postbauer-Heng und das ICE-Werk miteinander vereinbar seien. "Da kam aber bisher nichts."

Was kam, war eine Mail des Pyrbaumer Bürgermeisters Langner heute morgen: Die hatte der Kollege aus dem nahen Nachbarort von der Bahn erhalten mit dem Inhalt, das Postbauer-Heng aus dem Rennen sei, Allersberg/Pyrbaum aber zu den möglichen Standorten zähle. Das ICE-Werk in der Enge zwischen Ezelsdorf, Oberferrieden und Postbauer zu bauen, sei ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, sagt Kratzer.

"Wo kommt denn der große Bahnhof hin"

"Wo kommt denn der große Bahnhof hin", hatte gestern Nachmittag ein Kind von ihm wissen wollen, das bei der Bürgermeister-Ferien-Radtour durch die Gemeinde dabei war. Er hat es den Kindern gezeigt. "Jetzt bleibt der Wald stehen", freut sich Horst Kratzer.

Dass sich der Wind für Postbauer-Heng gedreht hat, hatte schon ein Schreiben aus der Staatskanzlei zu Beginn der Woche ahnen lassen, das an Jürgen Rupprecht von der BI gegen das ICE-Werk gegangen war. "Da schau einer an", sagte eine völlig überraschte Gabriele Bayer, ebenfalls Sprecherin der BI, beim Anruf der Neumarkter Nachrichten.

Aus den Fehlern im ICE-Werk Köln-Nippes wollen die Verantwortlichen der Deutschen Bahn lernen und sie am neuen Standort nahe Nürnberg vermeiden.

Aus den Fehlern im ICE-Werk Köln-Nippes wollen die Verantwortlichen der Deutschen Bahn lernen und sie am neuen Standort nahe Nürnberg vermeiden.

Um sogleich um zu disponieren: "Dann werden wir jetzt unsere Aktivitäten nach Pyrbaum verlagern, denn auch dort soll viel Wald gefällt werden", sieht sie die Arbeit der BI noch nicht als beendet an. Der Standort Pyrbaum sei genauso schlecht wie alle anderen in der Region Nürnberg, sagt Bayer, 3. Bürgermeisterin in Postbauer-Heng und Bezirksrätin.

Es sei ein Fehler der Bahn gewesen, sich von Anfang an auf die Metropolregion zu konzentrieren und die Schutzgüter Mensch und Natur hintan zu stellen. Die BI plädiere nach wie vor dafür, eine Industriebrache zu suchen und das Werk dort zu bauen. "Aber wenn man nur aufs Geld schaut, kommt so was raus", sagt sie. Es sei einfach die falsche Priorisierung gewesen. Jetzt gelte es, Pyrbaum aus dem Rennen zu nehmen. "Hat sich unser Einsatz doch gelohnt", sagt sie.

Der Standort Allersberg/Pyrbaum, direkt an der ICE-Strecke Nürnberg-München und der A9, tangiert den westlichen Zipfel der Marktgemeinde Pyrbaum. Der Ort Pruppach sei rund 1,8 Kilometer entfernt, sagt Pyrbaums Bürgermeister Michael Langner. Die Meinung zum möglichen Standort in seiner Gemeinde sei bisher gespalten: "Es gibt Befürworter, die den Bau des ICE-Werks mit Blick auf die Energiewende für nötig halten, wenn es sein muss, dann halt auch in Allersberg."

Je näher am möglichen Standort, desto größer werde die Ablehnung, sagt Langner, in den Orten Pruppach, Straßmühle und Birkenlach. Dort gebe es auch Bürger, die sich jenseits der Bezirksgrenze in der BI Harrlach engagierten. Dass Allersberg/Roth nach der Vorauswahl noch im Rennen ist, habe ihn nicht überrascht, sagt Michael Langner. "Gewundert hat mich hingegen, dass zu Beginn des Raumordnungsverfahrens von ursprünglich neun nur noch drei Standorte im Rennen sind."

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