Beers Bitte: „Gebt dem Futsal eine Chance“

17.7.2013, 10:58 Uhr
Das Hallenfußballtor hat ausgedient, jetzt kehrt das Handballtor zurück: Weil sich die Torfläche dadurch fast halbiert, befürchten Futsal-Kritiker einen starken Treffer-Rückgang.

© Zink Das Hallenfußballtor hat ausgedient, jetzt kehrt das Handballtor zurück: Weil sich die Torfläche dadurch fast halbiert, befürchten Futsal-Kritiker einen starken Treffer-Rückgang.

Auf Druck der Fifa hat der DFB die Vorgabe, Futsal zu fördern, an seine Landesverbände weitergegeben. In Bayern hat das BFV-Präsidium dem „Druck von oben“ nachgegeben. Bei den Bayerischen Hallenmeisterschaften stellt somit der BFV im kommenden Winter auf Hallenfußball nach Fifa-Regeln um.

Laut Ludwig Beer sei „die parallele Organisation bisher mit nicht unerheblichen finanziellem und organisatorischem Aufwand verbunden gewesen“. Der BFV-Vorstand habe deshalb seit einiger Zeit bereits darüber beraten, welcher Hallenfußballvariante für die offiziellen Meisterschaften des Verbandes der Vorzug gegeben werden solle, so Beer weiter.

Nun habe man im Verbandsvorstand beschlossen, dass in Zukunft in Bayerns Hallen Fußball nach Fifa-Regeln gespielt wird. Auf diese Weise fördere man den Nachwuchs noch mehr und den Zuschauern biete man mit dieser „attraktiveren Art des Fußballs“ mindestens genauso viel Spannung wie bisher beim klassischen Hallenfußball.

Futsal, das im Rest der Bundesrepublik bereits gängige Hallenfußball-Praxis sei, fordere von den Spielern bessere Ballbehandlung und mehr Technik, das Spiel werde schneller als beim klassischen Hallenfußball.

Einen weiteren positiven Punkt der Neuerung betont Ludwig Beer: „Für die Spieler besteht aufgrund des Reglements weniger Verletzungsgefahr. Grätschen sind in Zukunft nicht mehr erlaubt, und da ohne Bande gespielt wird, kann man sich hier auch nicht mehr verletzen.“

Der langjährige Bayernliga-Spielleiter und Gegner der Hallenfußball-Reform Armin Klughammer hingegen, der den Aufschwung des Hallenfußballs in den vergangenen 35 Jahren maßgeblich begleitet hat, will Konsequenzen ziehen und seine Ämter abgeben.

Teure Bande und viel Publikum

Kreisspielleiter Anton Pfahler macht nach Bekanntwerden der neuen Vorgaben aus München ebenfalls keinen glücklichen Eindruck: „Viele Gemeinden haben viel Geld für eine Rundum-Bande ausgegeben, die jetzt nicht mehr gebraucht wird. Unser Hallenfußball war, im Gegensatz zu Futsal, bis zuletzt ein Zuschauermagnet. All das hat offenbar keine Rolle gespielt.“

Die Entwicklung des Futsals in Bayern will Alexander Roth, früherer Bayernliga-Spieler des SV Seligenporten und heutiger Spielertrainer des Kreisklassisten SV Moggast, ganz genau verfolgen. „Die Möglichkeit, über die Bande den einen oder anderen Trick auszuprobieren, macht für mich den besonderen Reiz des klassischen Hallenfußballs aus.“

Für die technisch weniger gut ausgebildeten Teams auf Kreisebene befürchte er, dass das Spiel auf kleinere Tore und ohne Bande nicht sehr schön anzuschauen sei und es oft Unterbrechungen gebe. „Und Verletzungen gibt es oft genug auch ohne Fremdeinwirkung, da muss das Verbot für Grätschen noch nicht viel bedeuten“, fährt Roth fort.

Die Resonanz der Fußball-Liebhaber auf dem Amateurfußballportal www.fupa.net ist gespalten. Der eine ruft zum Boykott auf: „Hoffentlich haben endlich einmal genügend Vereine den Mut und sagen Nein.“ Ein anderer fragt: „Wie bitte sollen F-Jugendliche mit den Regeln zurechtkommen?“

Einzig „Hulk19“ will Futsal eine Chance geben: „Schon mal daran gedacht, dass beim Futsal weniger Verletzungsgefahr für die Spieler besteht? (...) Also Daumen nach oben für Futsal!“

Neben all dem Widerhall wird man abwarten müssen, welche Früchte die erste Futsal-Wintersaison tragen wird. „Nach einem Jahr wird der Aufschrei gewiss nicht mehr so laut sein“, gibt sich Bezirksspielleiter Ludwig Beer zuversichtlich.

Betroffen von der Fifa-Offensive sind sowohl Jugendturniere als auch Herrenturniere. Wer das Fifa-Diktat umgehen will, muss eben ein Privatturnier veranstalten. So wie der SV Seligenporten seit 21 Jahren sein „Hallenmasters“, das auch in diesem Winter mit Rundumbande alten Hallenfußball bieten wird. „Das ist schnell und macht allen Spaß“, meint Karlheinz Wild, Fußballabteilungsleiter des SV Seligenporten.

Und von wegen gefährlich – in all den Jahren habe es nie Schwerverletzte gegeben, so Wild. „Wie so viele Entscheidungen der Fifa ist auch dieser Beschluss an den Vereinen vorbei gefällt worden.“ Es habe schon seine Gründe, warum sich Futsal in Bayern nicht durchgesetzt habe.

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