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Corona hält Neumarkter Juramed in Atem

Die Firma kann derzeit noch Beatmungsgeräte liefern, weil sie "gebrauchte" Medizintechnik aufkauft - 03.04.2020 18:00 Uhr

Eine Krankenschwester prüft ein Beatmungsgerät auf einer Intensivstation in Schwerin. Viele deutsche Krankenhäuser bereiten sich auf einen Anstieg von Corona-Fällen vor. Deswegen suchen sie händeringend nach Beatmungsgeräten und Schutzausrüstung. © Foto: Jens Büttner/dpa


Ein Beispiel ist die Juramed Medizintechnik GmbH, seit 13 Jahren in Reichertshofen ansässig, davor war sie in Neumarkt zu Hause. Das Unternehmen gibt es schon seit Jahrzehnten, aber eine derartige Nachfrage hat Curtis Bauer auch noch nicht erlebt. Fast schon rund um die Uhr hält die Pandemie den Juramed-Geschäftsführer und seine Mitarbeiter auf Trab. "Und die Spitze ist noch längst nicht erreicht", schätzt er.

Lange Wartezeiten

Ganz oben auf der Wunschliste vieler Krankenhäuser stehen derzeit Beatmungsgeräte für Intensivstationen. Noch nicht in Deutschland, aber in vielen Ländern der Welt, die vom Coronavirus stark betroffen sind, sind sie zur Mangelware geworden – und entscheiden dort nicht selten über Leben und Tod. Allein in New York sollen aktuell zehntausende Beatmungsgeräte fehlen.

Verpackt zum Abtransport: Vor kurzem lieferte Juramed diese Beatmungsgeräte nach Ingolstadt.


"Auch die Bundesregierung hat neue bestellt", sagt Bauer. "Das Problem ist, dass die Geräte erst in einem halben Jahr geliefert werden können." Juramed hingegen ist in der glücklichen Lage, die Nachfrage schon eher bedienen zu können – dank des Geschäftsmodells: Die Firma kauft "gebrauchte" medizinische Geräte auf, die in Kliniken nicht mehr benötigt werden. Entweder weil Krankenhäuser geschlossen oder neu ausgestattet wurden.

Die aufgekaufte Medizintechnik wird gewartet und dann weltweit weiterverkauft. Viele Kliniken wären derzeit heilfroh, wenn sie eine solche "Secondhand"-Technik für ihre Intensivstationen erwerben könnten.

So gingen Beatmungsgeräte aus Reichertshofen zuletzt zum Beispiel an Kliniken in der Region, aber auch nach Hamburg. Erst in dieser Woche machte sich eine Lieferung auf den Weg nach Ingolstadt.

 Jagd nach Schutzmaterial

Dort wurde eine regionalen Führungsgruppe Katastrophenschutz eingerichtet, die in der Region ein Hilfskrankenhaus mit bis zu 200 Betten errichten soll. Indessen ist im Landkreis Neumarkt derzeit kein Hilfskrankenhaus geplant.

Noch gibt es hierzulande mehr Intensivplätze für Covid-19-Patienten als benötigt. "Doch die Krankenhäuser möchten vorbereitet sein", sagt Curtis Bauer. Bei Schutzbekleidungen, Mundschutz und Desinfektionsmitteln ist der Mangel jetzt schon akut. "Das kommt fast alles aus China. Da werden wir laufend angefragt, ob wir was haben." Selbst Spender für Desinfektionsmittel sind extrem rar geworden. "Wir zapfen unsere Kanäle an und versuchen, etwas herzubekommen."

NICOLAS DAMM

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