Der Klärschlamm wird weit weg kompostiert

29.1.2011, 00:00 Uhr
Ein Blick in die Kläranlage Schönmühle. Zumindest die nächsten zwei Jahre noch muss der Klärschlamm bis nach Könnern in Sachsen-Anhalt transportiert werden, wo er kompostiert und in Braunkohlegruben verfüllt wird.

© Etzold Ein Blick in die Kläranlage Schönmühle. Zumindest die nächsten zwei Jahre noch muss der Klärschlamm bis nach Könnern in Sachsen-Anhalt transportiert werden, wo er kompostiert und in Braunkohlegruben verfüllt wird.

Günstigster Bieter war, berichtete Werner Schütt am Donnerstagabend dem Stadtrat Neumarkt, die Firma Vebiro aus Könnern in Sachsen-Anhalt. Die Klärschlammentsorgung für die 74000 Kubikmeter (nass), was 2590 Tonnen Trockenmasse entspricht, hatte europaweit ausgeschrieben werden müssen. Als einziges Unternehmen lag Vebiro mit knapp 971000 Euro unter einer Million. Schütt versicherte, dass die Firma Referenzaufträge und die vorhandene technische Ausrüstung nachweisen könne.

Einzige Möglichkeit

Der Klärschlamm müsse über weite Strecken transportiert werden, räumte Schütt ein, doch momentan sei dies die einzige Möglichkeit. Er werde in Sachsen-Anhalt kompostiert und erst danach in Form von Erde verfüllt. Das sei zugegebenermaßen unbefriedigend, denn Klärschlamm enthalte Phosphat, ein Düngemittel, dass endlich sei. In 80 Jahren werde es keine natürlichen Vorkommen mehr geben. Lothar Braun (SPD) mahnte den Mut an, den Bürgern zu sagen, dass es ökologisch und finanziell sinnvoll sei, den Klärschlamm an Ort und Stelle zu trocknen und zu verbrennen.

Dieser Gedanke sei nicht neu, versicherte OB Thomas Thumann. Aber: Bei einer Bürgerversammlung in Holzheim, als das damals noch westlich des Kanals geplante Biomasseheizkraftwerk vorgestellt wurde, hätten ihm die Bürger schon das Versprechen abgerungen, dort keine Klärschlammbehandlung zuzulassen.

„Ich bezweifle“, fügte er an, „dass es Oberbürgermeister und Stadtrat durchstehen würden, wenn den 8000 Menschen in Altenhof und in der Kohlenbrunnermühle erklärt werden müsste, dass in ihrer Nähe Klärschlamm getrocknet und verbrannt werden soll.“ Deshalb sei man, wie andere Kommunen im Landkreis auch, dankbar dafür, dass sich die Firma Bögl mit ihrem in Sengenthal geplanten Biomassekraftwerk dieses Problems annehmen wolle.

Billiger als gedacht kommt die Stadt mit dem Bau einer Prozesswasserbehandlungsanlage für das Klärwerk Schönmühle davon. Das Angebot der Firma Kraus und Co. aus Neukirchen liegt mit knapp einer halben Million Euro 23000 Euro unter dem Kostenvoranschlag. Enttäuschende dagegen die Nachricht aus München: Die Stadt Neumarkt hatte sich für das Pilotvorhaben „Deammonifikation auf Kläranlagen“ beworben. Das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit hat sich jedoch für die Zentralkläranlage Ingolstadt entschieden.