Donnerstag, 06.05.2021

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Eltern-Haltestelle in Pyrbaum soll Schule machen

Kommunale Verkehrssicherheit und die Gemeinde wollen das morgendliche Chaos verhindern - 15.04.2021 09:48 Uhr

Am Bretterzaun des Sägewerks können Eltern ab sofort ihre Schulkinder aussteigen lassen und nach Schulschluss wieder aufgabeln. Tommy Dörner, Michael Langner, Bernd Glas und Hermann Pfeifer (von links) stellten am Dienstag die neue „Hop on/Hop off“-Zone in der Pyrbaumer Ringstraße der Öffentlichkeit vor.

06.04.2021 © Foto: Günter Distler


"Hopp, raus jetzt und viel Spaß in der Schule!" Wenn sich die sogenannten Elterntaxis morgens vor den Schulen ballen, in zweiter Reihe oder an der Bushaltestelle halten, dann führt das meistens zu einem Verkehrschaos mit den üblichen Risiken. Besonders dann, wenn die Straßenverhältnisse rund um die Schule sowieso schon beengt sind.

Wie zum Beispiel in der Marktgemeinde Pyrbaum. Dort schlängelt sich die schmale Schulstraße durch ein Wohngebiet, die Kurven sind scharf, und dann steht auch noch die große Schulsanierung bei laufendem Unterrichtsbetrieb an. Der passende Zeitpunkt also für eine "Entzerrung des Verkehrs vor der Schule", sagt Bürgermeister Michael Langner.

Sein Stellvertreter Bernd Glas, der in Pyrbaum seit über 20 Jahren Schulweghelfer ausbildet und koordiniert, hat von einem Lehrgang eine Idee mitgebracht. Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz, den man im Landkreis vornehmlich als "Blitzer" kennt, hat sie in rund einem Dutzend Gemeinden schon erfolgreich umgesetzt: die "Hop on/Hop off"-Zone.

Die Eltern-Haltestelle mit dem trendy Namen, in dem das elterliche "Hopp" vorm Aussteigen mit drin steckt, befindet sich in der Ringstraße, 250 Meter Luftlinie von der Grundschule entfernt. Dort wo ein Sägewerk hinter einem Bretterzaun Holzstämme lagert, hat der Zweckverband zwei gelbe Schilder aufgestellt. Sie markieren Beginn und Ende der "Hop on/Hop off"-Zone.

Positive Nebeneffekte

Von hier aus beträgt der Fußweg zur Schule rund 400 Meter: über den nahen Zebrastreifen in der Allersberger Straße und dann eben nicht durch die Schulstraße, sondern über die parallel verlaufende Straße "Windmühle". Vor Schulbeginn und nach dem Unterrichtsende überwachen die ehrenamtlichen Schulweghelfer den Schülerstrom. "Wir haben davon viele, könnten aber immer noch weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger dafür gut gebrauchen", sagt 3. Bürgermeister Bernd Glas.

Der vielleicht zehnminütige Fußweg an der frischen Luft habe neben der verbesserten Verkehrssicherheit noch weitere positive Effekte meint Tommy Dörner, Abteilungsleiter Ruhender Verkehr beim Zweckverband. Nicht nur für die Gesundheit: "Die Kinder lernen durch ihre aktive Teilnahme am Verkehrsleben, Verantwortung für sich und auch für andere zu übernehmen."

Zeit für einen Plausch

Und auch nicht zu unterschätzen sei der Spaßfaktor, fügt Hermann Pfeifer an. "Auf dem Weg zur Schule kann man mit dem Freund oder mit der Freundin noch schön tratschen", sagt der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Neumarkt, die ebenso wie die Polizeiinspektion Neumarkt ins Projekt mit eingebunden war.

Pfeifer hofft deshalb, dass Kinder, die auf den Geschmack gekommen sind, dann auch ihre Mitschüler und deren Eltern für das neue Angebot erwärmen können. Und das dieses über den Markt Pyrbaum hinaus Schule macht, von weiteren Kommunen im Landkreis kopiert wird; vor allem dort, wo es allmorgendlich und allmittaglich eng und hektisch vor dem Schulhaus zugeht.

Kein Zwang

Die neue "Hop on/Hop off"-Zone in der Ringstraße sei selbstverständlich ein rein freiwilliges Angebot für "Elterntaxis", stellt Bürgermeister Michael Langner klar. Flyer mit genauer Erläuterung des Konzepts und einem Straßenplan, auf dem der Fußweg gekennzeichnet ist, werden bei nächster Gelegenheit in der Schule verteilt.

Die Initiatoren sind schon gespannt, inwieweit die Haltezone angenommen wird, vor allem von den Eltern aus den Neubaugebieten im östlichen Teil Pyrbaums.

NICOLAS DAMM

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