Erdogan-Kritiker Ünsal Arik lässt sich nicht verbiegen

19.8.2016, 06:00 Uhr

© F.: Pfrogner

„Ich habe soeben einen Anruf aus der Türkei von meiner Anwältin erhalten. Wegen meinen Äußerungen gegenüber dem türkischen Präsidenten werde ich, sobald ich in die Türkei einreise, verhaftet“, schreibt der 35-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Mit bis zu vier Jahren Haft drohe ihm die türkische Staatsanwaltschaft.

Gestern teilte Ariks Management den NN mit, dass der Boxer für eine Anhörung verhaftet werde, sobald er türkischen Boden betritt. „Anscheinend wurde unser Sportler wegen Beleidigung des Präsidenten angezeigt.“

Ünsal Arik ist aktuell Weltmeister der Verbände WBU und GBU im Leichtmittelgewicht. Neben seiner sportlichen Karriere ist er sozial engagiert und setzt sich für krebs- und herzkranke Kinder ein, etwa als Botschafter der Stiftung KinderHerz. Auch plant er den Aufbau einer Boxhalle „für jedermann“ in Neumarkt.

Und die politischen Ereignisse in der Türkei lassen Arik ebenfalls nicht kalt: So hat er in den vergangenen Monaten immer wieder gegen die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdoganund dessen Regierungspartei AKP protestiert.

Und das auch bei Übertragungen seiner Kämpfe im türkischen Fernsehen. So geriet er nun – wenig überraschend – ins Visier der türkischen Staatsanwaltschaft.

„Ich kann mit Stolz sagen, dass ich der einzige türkische Sportler bin, der Recep Tayyip Erdogan und seinen Anhängern die Meinung sagt“, so Arik im Internet. Er stehe für die Ideologie des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk, „für Demokratie und Menschenrechte“.

Keine Angst vor Gefängnis

Für seine klaren Worte musste Ünsal Arik bereits Opfer bringen, seine türkischen Sponsoren sprangen ab.

Große Sorgen um die eigene Person macht sich der Boxer nicht: „Ich schlafe nachts ruhig und wache morgens zufrieden auf. Mit dieser Zufriedenheit, Stolz und Ehre könnte ich zehn Jahre hinter Gitter verbringen und würde es niemals bereuen.“

Denn eines Tages würden Menschen über jene Zeit in der Türkei sprechen „und erwähnen, dass es einen Sportler gab, der sich trotz allen Schwierigkeiten nicht verbiegen ließ“.

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