Run auf Solaranlagen

Goldgräberstimmung in Sachen PV-Anlagen im Landkreis Neumarkt

12.6.2021, 23:43 Uhr
Symbolfoto PV-Anlage

Symbolfoto PV-Anlage © Hans-Joachim Winckler, NN

Auch in der Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt beobachtet er eine verstärkte Nachfrage, sagt Werner Brandenburger, Bürgermeister in Sengenthal, "eine Art Goldgräberstimmung". Für seine Gemeinde - Sengenthal ist auch ein Windkraft-Standort - wertet er die Möglichkeit zum einen als Chance, einen weiteren Beitrag für die Energiewende zu leisten. Auf der anderen Seite gelte es, auch in Sachen Natur- und Landschaftsschutz das richtige Maß zu finden. Er habe daher einen Kriterienkatalog ausgearbeitet, den der Gemeinderat mit kleinen Veränderungen auch beschlossen hat.

Darin sind für künftige Freiflächen-PV-Anlagen genaue Vorgaben aufgelistet: So ist etwa die maximale Fläche, die für PV zur Verfügung gestellt werden könnte, auf maximal drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Gemarkung limitiert, außerdem gilt eine Obergrenze von maximal zehn Hektar. Außerdem sind Abstände vorgegeben von 300 Metern zur nächsten Wohnbebauung in Sengenthal und von 500 Metern zur nächsten Wohnbebauung, sofern die Anlage direkt einsehbar ist.

Eine PV-Anlage muss umgrünt und von einem Fahrweg von drei Metern Breite umgeben werden, nennt Brandenburger ein weiteres Kriterium, außerdem dürfen keine Freileitungen errichtet werden. Des weiteren werden Projekte bevorzugt, bei denen die Sengenthaler Bürger etwas von der Wertschöpfung abbekommen können. Vorrangig sollen Flächen mit geringeren naturschutzmäßigem Wert Standort für PV-Anlagen werden, etwa vorbelastete Brachen.

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung waren zwei Voranfragen in Bezug auf PV-Anlagen Thema. "Ein Projekt fiel aufgrund der Kriterien klar raus, ein anderes im Bereich des Ortsteils Forst erfüllt die Kriterien, das könnte was werden." Vorher seien aber noch einige rechtliche Schritte notwendig, ehe das Planungsverfahren beginnen könnte. Für eine dritte Anlage am Winnberg habe es eine informelle Anfrage gegeben, die müsse erst noch konkretisiert werden.

Für die Energiewende seien PV-Anlagen wichtig, sagt Brandenburger. Es gebe immer wieder Widerstand auch gegen Freiflächenanlagen. "Aber irgendeinen Tod muss man sterben, wenn man weiterhin den Wohlstand und die Versorgungssicherheit haben will", gibt er zu bedenken. "Windräder verspargeln die Landschaft und erzeugen Infraschall, Atomkraftwerke verstrahlen die Umgebung, und PV-Freiflächenanlagen verspiegeln einen Teil der Landschaft", zählt er auf. Er sei sehr froh, dass die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen und Kernkraft abgelöst werden, und plädiert dafür, Kompromisse zu finden.

Auch im Berchinger Stadtrat steht für die Sitzung am kommenden Dienstag. 15. Juni, um 19 Uhr in der Kulturhalle eine lange Reihe von Anfragen auf Freiflächen-PV-Anlagen auf der Tagesordnung, In Seubersdorf gab es Anfragen für Anlagen, die insgesamt eine Fläche von 160 Hektar umfassen würden. Von PIlsach bis Pyrbaum über Deining und Lauterhofen - das Thema betrifft viele Kommunen im Landkreis.

Auch Michael Gottschalk, Referent für Kreisentwicklung, sieht die Notwendigkeit, Strom vor Ort zu erzeugen und gleichzeitig klug mit den Flächen zu haushalten. "Wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, müssen wir noch mehr Strom importieren", sagt er. Wenn es sich dann um Atom- oder Braunkohlestrom aus dem Ausland handle, sei das auch keine gute Lösung. Gegensteuern kann man nur mit eigener Erzeugung - und dazu könne viel helfen. Freiflächenanlagen in der Natur und auf landwirtschaftlich nutzbaren Feldern hält Gottschalk nicht für die große Antwort, aber schon für einen Baustein.

Positiv merkt er an, dass die Gemeinden sich untereinander abstimmen und, etwa mit Kriterienkatalogen, die Entwicklung lenken - "so entsteht kein Wildwuchs". Auch auf Hausdächern und an Fassaden gebe es, so Gottschalk, für PV noch viel Potenzial. Dort sei die Frage der Einspeisung und der Anschlüsse auch nicht so schwierig, denn dafür "sind intelligente Lösungen gefragt",, sagt er. Mancherorts "liegt in jedem Feldweg ein Bündel Kabel."

Wie die Strom-Infrastruktur mit immer mehr Energiemengen zurande kommen soll, sei auch eine wichtige Frage, so Gottschalk weiter. Im Landkreis Neumarkt seien die bestehenden größeren Umspannwerke in Neumarkt, Parsberg und, schon im Nachbarlandkreis, bei Ludersheim bereits an der Kapazitätsgrenze.

Abhilfe könnten Speichermedien in größerem Stil schaffen. Dazu gibt es bisher keine belastbare Technologie, aber der Landkreis wolle sich weiter engagieren, wenn es etwa um Pilotprojekte in diesem Bereich gehe.

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