Standortsuche der Bahn

ICE-Werk bei Pyrbaum: BN warnt vor massiven Folgen

27.9.2021, 11:55 Uhr

© Bund Naturschutz Pyrbaum/Postbauer-Heng

Maik Stüben, neu gewählter Schatzmeister der Bund Naturschutz Ortsgruppe Pyrbaum/Postbauer-Heng, und Beiratsmitglied Gabriele Bayer informierten an einem Infostand am Marktplatz in Pyrbaum über die gravierenden Eingriffe für den möglichen ICE-Standort zwischen Pruppach und Harrlach.

Bis zu 144 Hektar braucht die Bahn für den Bau des ICE-Werkes. Etwa 100 Hektar Bannwald müssten für diesen Standort gerodet werden, so Gabriele Bayer. Die Bannwälder sind gemäß Artikel 11 des Bayerischen Waldgesetzes gesetzlich geschützt und unersetzlich. Sie haben eine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima in der Nürnberger Region, den Wasserhaushalt und die Luftreinhaltung und müssen deshalb in ihrer Flächensubstanz erhalten werden. Jeder Eingriff wäre ein Rechtsbruch.

Massive Erdbewegungen

Aufgrund der Topographie wären zwischen Pyrbaum und Harrlach massive Erdbewegungen und Auffüllungen erforderlich. Die jahrelang andauernden Bauarbeiten und der Bau erforderlicher Zubringerstraßen allein würden einen starken Lkw-Verkehr nach sich ziehen und neben der A9 für weitere Lärm- und Feinstaubbelastung in der Region sorgen. Auch nach der Bauphase ist durch die Ver- und Entsorgung mit einer massiven Verkehrsbelastung zu rechnen.

Hoher Wasserverbrauch und starke Bodenversiegelung würden die Folge dieses ICE-Werkes sein. Das gesamte vorgesehene Bahngebiet dient derzeit als Wassereinzugsgebiet für das angrenzende Wasserschutzgebiet. Bei einer Versiegelungsfläche von bis zu 144 Hektar fließt das Wasser erheblich schneller ab. Hinzu kommt die Versiegelung durch das nebenan liegende, neu ausgewiesene, große Industriegebiet West bei Allersberg.

Viel Wasser nötig

Außerdem wären erhebliche Mengen Wasser für die Reinigung der Züge und den Betrieb des ICE-Werkes nötig. Es sei völlig unklar, wie diese Wassermenge und die künftige Trinkwasserversorgung in der Region bei gleichzeitiger hinreichend bekannter Abnahme der Grundwasserbildung abgedeckt werden sollen, so Maik Stüben.

Massive, weit schallende Lärmbelästigung durch den Betriebslärm, vor allem aber durch die Huptests von 24 Zügen täglich, sieben Tage die Woche im 24-Stunden-Betrieb sei zu erwarten. In der Spitze beträgt die Lautstärke der Hupen 130 dB. Dieser Lärm werde auch in einigen Kilometern Entfernung noch deutlich zu hören sein.

Suchprozess neu starten

Der Bund Naturschutz fordert deshalb, dass die Bahn den Suchprozess für den Standort neu startet und eine Industriebrache in Deutschland wählt. Leider sei der Waldpreis deutlich niedriger als Industriebrachen. Wenn der Bund hier nicht ordnungspolitisch eingreife, sei bald kein Wald mehr sicher vor derart riesigen Projekten.

Ingolstadt habe ein passendes Gelände angeboten, da hier extrem große Bahnflächen zur Verfügung stehen. Die Bahn habe wohl wegen geringfügig längerer Fahrzeit diesen Standort abgelehnt. Außerdem fordert die Bund Naturschutz Ortsgruppe Pyrbaum/Postbauer-Heng eine Bürgerinformationsveranstaltung der Marktgemeinde und die Offenlegung des Planungsstandes und möglicher Zusagen gegenüber der Bahn. "So ein Thema gehört öffentlich diskutiert, damit Bürgerinnen und Bürger sowie Presse informiert werden", moniert Gabriele Bayer, zugleich Bezirksrätin und Markträtin in Postbauer-Heng.

Verwandte Themen


Keine Kommentare