Neumarkter hat Vision über Ursprung des Universums

11.11.2018, 09:55 Uhr
Die Ähnlichkeit ist frappierend: Gjafer Etemi mit einer Aufnahme von CERN, die den Nachweis des „Gottesteilchens“ im Teilchenbeschleuniger zeigt, und einer Zeichnung, die Gedanken über ein Zwillingsuniversum aus Materie und Antimaterie zusammenfasst.

Die Ähnlichkeit ist frappierend: Gjafer Etemi mit einer Aufnahme von CERN, die den Nachweis des „Gottesteilchens“ im Teilchenbeschleuniger zeigt, und einer Zeichnung, die Gedanken über ein Zwillingsuniversum aus Materie und Antimaterie zusammenfasst. © Foto: Sonja Och

"Ich bin ein Visionär", sagt Etemi. Visionär im doppelten Sinne: Weil er sich traut ungewöhnlich zu denken. Und weil er diese Gedanken am besten in Bildern und Zeichnungen darstellen kann. Seit seiner Kindheit in Jugoslawien beschäftigt sich der 51-Jährige, der wegen des Kosovo-Kriegs nach Deutschland flüchtete, mit den Sternen und dem Ursprung unseres Universums.

Die Idee traf ihn wie ein Blitz, als er eine Aufnahme aus dem CERN sah, der europäischen Organisation für Kernforschung. 2012 wurde dort das sogenannte "Gottesteilchen" entdeckt. Es bleibt beim Zusammenstoß von Materie und Antimaterie neutral, die Kollision ergibt ein symmetrisches Bild.

"Genau so hat es sich beim Urknall auch zugetragen", ist sich Etemi sicher. In den ersten Nanosekunden haben sich Materie und Antimaterie getrennt und wurden auf festgelegte Bahnen geschleudert, so Etemi. Laienhaft ausgedrückt bewegen sie sich in einer verzerrten Rotationsbahn gegeneinander, dehnen sich dabei mit doppelter Lichtgeschwindigkeit aus. Nach etwa 14 Milliarden Jahren führen die Bahnen wieder zum Ausgangspunkt, Materie und Antimaterie verdichten sich, treffen zusammen und der "Big Bang" wiederholt sich. So hat es der künstlerisch begabte Neumarkter per Bild dargestellt — schon vor der Entdeckung des "Gottesteilchens".

"So muss es gewesen sein", ist Etemi überzeugt. Mit seiner Theorie hat er sich an verschiedene internationale Institutionen gewandt, von der NASA bis hin zur ESA, erhielt aber nur mehr oder weniger verklausulierte Absagen.

Bei der nationalen Kontaktstelle Raumfahrt fand er nun Gehör. Per seitenlangen E-Mails tauschte Etemi sich aus mit Manfred Gaida, zuständig für Raumfahrtmanagement und Extraterrestrik beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bonn. Der zeigte sich zwar skeptisch, wies auf mögliche Schwächen von Etemis Präsentation hin.

"In jedem Fall wäre die Widerspruchsfreiheit Ihrer Theorie in Bezug auf bisher validiertes Wissen anhand von Messungen zu überprüfen", so Gaida. Derartige kosmologische Messungen erfordern allerdings viel Zeit und Geld, weil sie sich in einem messtechnisch hochempfindlichen Bereich bewegen und dazu in der Regel weltraumtaugliche Messapparate hergestellt werden müssen, die außerhalb der Erde in den entsprechenden nicht-sichtbaren Wellenlängen operieren. Das übersteigt natürlich bei Weitem die Möglichkeiten eines Privatmannes. Ebenso die mathematische Beweisführung. "Ich habe nicht die notwendige Ausbildung, sehe mich als Ideengeber", sagt er. Umso dankbarer ist er für einen Hinweis Gaidas: Dieser empfahl ihm, mit Rolf Landua, dem Leiter der CERN-Abteilung für öffentliche Fortbildung, seine Hypothesen zu diskutieren.

Geburtstagsgabe für CERN?

Darauf setzt Etemi nun große Hoffnung. Sein Traum: Dass sich, zum 70. Geburtstag von CERN, im Jahr 2024 seine Idee als wissenschaftlich belegte Tatsache herausstellt.

Ob Etemi am Ende Recht hat? Er weiß es selbstverständlich nicht. "Die Beweislage wird viel Zeit in Anspruch nehmen", meint er. Er wünscht sich zunächst einmal, dass die Menschheit von seiner Idee erfährt und eine Diskussion entsteht. "Die bringt uns dann hoffentlich voran bei dieser großen Frage des Ursprungs des Universums."

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