Vergewaltigt und erstochen: Kripo Amberg rollt Mordfall Kalweit neu auf

9.2.2019, 10:48 Uhr
Eine Originalaufnahme des Tatorts im Stadtgraben in Amberg, wo sich das Verbrechen ereignete.

Eine Originalaufnahme des Tatorts im Stadtgraben in Amberg, wo sich das Verbrechen ereignete. © Kriminalpolizeiinspektion Amberg

Das Verbrechen geschah in der Nacht des Donnerstags, 20. März 1980, also vor nun gut 39 Jahren: Die damals 38-jährige Gertrud Kalweit ging, wie die Ermittlungen später ergaben, gegen 23.10 Uhr alleine und zu Fuß vom Kreisverkehr kommend auf dem oberen Alleeweg neben dem Kurfürstenring in Richtung Wingertshofer Tor. Etwa auf Höhe der Firma Deprag dürfte sie vom Täter überwältigt und in den Stadtgraben gezogen worden sein. Dort verging sich der Unbekannte an der Frau und fügte ihr unter anderem Schlag- und Stichverletzungen zu, denen sie erlag.

Ein Passant fand die leblose Frau am Freitag gegen 6.30 Uhr in einem Gebüsch im Stadtgraben am Kurfürstenring zwischen dem Nabburger Tor und der sogenannten Stadtbrille auf und verständigte die Polizei.

Ermittler der Kriminalpolizeiinspektion Amberg versuchen nun erneut, auch auf Basis der neuesten wissenschaftlichen und kriminaltechnischen Möglichkeiten, mit der eigens im Oktober 2018 gegründeten Ermittlungsgruppe "EG Stadtgraben" die Tat doch noch aufzuklären. Für Hinweise ist zwischenzeitlich eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt.

Trotz personal- und zeitintensiver Ermittlungen, unmittelbar nach Entdeckung der Tat und weiteren umfangreichen Recherchen in den Jahren danach war es nicht gelungen, das Gewaltverbrechen aufzuklären. Die Kriminaler der "EG Stadtgraben", die beim Kommissariat 1, zuständig für die Bearbeitung von Tötungsdelikten, angesiedelt ist, erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Kommissariat 7, Spurensicherung und Spurenauswertung, bereits ein intensives Studium der Fallakten, die zwischenzeitlich über zehn große Ordner füllen.

Am frühen Morgen fand ein Passant in der Nähe der Stadtbrille in Amberg die ermordete Gertrud Kalweit.

Am frühen Morgen fand ein Passant in der Nähe der Stadtbrille in Amberg die ermordete Gertrud Kalweit. © Stadt Amberg

Hilfreiche Unterstützung erfahren die Beamten dabei auch von ehemals mit dem Fall befassten Ermittlern. Bei einem Treffen Mitte Januar 2019 mit sechs ehemaligen Kollegen zeigte sich, dass diese immer noch detaillierte Erkenntnisse und Eindrücke von der lange zurück liegenden Tat hatten. Mit ihren Erklärungen und Einschätzungen versuchten die bereits verrenteten Kollegen, ihr Möglichstes zur Klärung des Falles beitragen.

Neue Fragen aufgetaucht

"Bei der wiederkehrenden Fallbetrachtung und dem Aktenstudium ergaben sich neue Fragen, die wir klären wollen. Neben erneuten Befragungen und Vernehmungen sollen auch die neuesten wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten, aber hoffentlich auch Hinweise aus der Bevölkerung Antworten liefern", sagt Kriminaloberrat Gerhard Huf, der Leiter der Kripo Amberg.

Eng begleitet werden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Amberg, die unter anderem Anordnungen für aufwendige Untersuchungen an dem noch vorhandenen Spurenmaterial erlassen hat.

Das bayerische Landeskriminalamt hat für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, eine Belohnung von 10 000 Euro ausgelobt. Auch wenn die Tat bereits viele Jahre zurück liegt, hoffen die Ermittler auf neue Ermittlungsansätze oder Informationen aus der Bevölkerung.

Wichtig sei dabei, heißt es bei der Kripo, dass alle Wahrnehmungen, auch solche vom Hörensagen und wenn sie noch so unwichtig erscheinen, an die Ermittler herangetragen werden. Die Kripo Amberg nimmt Hinweise unter Telefon 09621/890-0 entgegen.

Der Fall Kalweit ist bereits der zweite Altfall, den die Kripo derzeit noch einmal aufrollt: Versucht wird derzeit auch, das Verschwinden von Monika Frischholz aus Flossenbürg doch noch zu klären. Das zwölfjährige Mädchen ist vor 42 Jahren verschwunden. Bei der Kripo heißt es allerdings, dass man sich in der Oberpfalz nun nicht speziell noch einmal aller solcher Altfälle annehme: Der Fall Kalweit sei eigentlich nie geschlossen gewesen, sagt ein Kripo-Sprecher in Regensburg: Doch mit dem Schritt an die Öffentlichkeit wolle man nun noch einmal versuchen, hier doch den Täter zu ermitteln.


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