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"Verschwindet Metz, stirbt der Fachhandel"

Eine Umfrage unter Händlern im Landkreis Neumarkt zur Insolvenz des TV-Herstellers - 29.11.2014 10:00 Uhr

In der Realität angekommen: Metz kam gegen starke Konkurrenz aus Asien nicht an. © Mark Johnston


„Die Leute kaufen einen Fernseher, weil sie einen brauchen – nicht weil Metz pleite ist“, heißt es beim Neumarkter Laden Radio Preissler. „Mal fünf, mal zehn Metz-Geräte“ verkaufe man hier im Monat. Die Kunden schätzen vor allem den Bedienkomfort und die Tonqualität, berichtet ein Mitarbeiter.

Ähnlich sieht es auch Joachim Heiler, Juniorchef des Neumarkter Fotogeschäfts Hailer. Es vertreibt Blitzgeräte für Fotokameras. Doch während einige Händler in Nürnberg von verstärkten Käufen treuer Kunden seit der Insolvenz sprechen, merkt man hier nichts: Die Verkaufszahl (etwa 20 Stück im Jahr) habe sich bei Hailer „nicht wirklich“ verändert. „Blitzgeräte kauft man aber auch nur einmal und dann nicht mehr“, so der Junior.

Preisgefälle war zu groß

„Dann nicht mehr“ umschreibt auch die Erfahrungen des Neumarkter Tevi-Ladens: Bis vor sechs Jahren habe man laut Geschäftsführer Gerhard Künzel Metz-Fernseher angeboten. Dann nahm man sie aus den Regalen: „Das Preisgefälle zur Massenware von LG, Philips, Sony und Co. war irgendwann so groß, dass es den Kunden nicht mehr vermittelbar war.“

Nun, nach der Insolvenz, werden Erinnerungen an andere Pleiten von in Deutschland produzierenden Firmen wie Loewe oder Grundig wach: „Offenbar kann man hier nicht mehr produzieren“, bedauert der Tevi-Leiter.

Nur die Autoindustrie habe sich gegen Konkurrenz aus Fernost behaupten können. Vielleicht auch weil ein Fernseher nicht so ein Statussymbol ist wie ein Auto? „Stimmt. Da geht‘s eher um die Funktionen, wie Smart-TV oder die Anbindung an Handy und Tablet.“ Multimediale Trends wie diese habe Metz laut Künzel verschlafen – seine Alleinstellungsmerkmale verloren: „Einst konnte Metz mit integrierten Sat-Receivern und tollem Design glänzen. Jetzt bieten das alle Geräte.“

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Fränkische Tradition seit 1938: Die Geschichte von Metz

1938 begann die Geschichte des traditionsreichen TV- und Blitzgeräteherstellers Metz aus Zirndorf. Lange Zeit hielt Metz die Fahne der deutschen Elektronikhersteller hoch: Die Franken produzierten hierzulande noch Fernseher, als dies kaum ein anderer mehr tat. Seit 2015 ist das Unternehmen in chinesischer Hand.


In Neumarkts Fußgängerzone ist Metz weiterhin ein Begriff. Eine 64- Jährige erklärt: „Mir tut es Leid für das alteingessene Unternehmen, aber es ist wie überall: Die Großen fressen die Kleinen.“

Mit Service punkten

Harald Kühnlein, Metz-Fernsehgeräte-Fachhändler aus Mühlhausen, sieht bei all der Tendenz zu Fernostmarken einen wichtigen Punkt außer Acht gelassen – den Service: „Wenn beispielsweise bei Sony etwas kaputt geht, sind Sie echt aufgeschmissen; hängen ewig in Warteschleifen.“

Auch die Garantiezeit betrage bei vielen maximal drei Jahre. „Bei Metz hingegen sind es bis zu fünf Jahre und zusätzlich dazu gewährleistet Metz für zehn Jahre und länger, dass Ersatzteile lieferbar sind. Bei anderen haben sie diesen Service zum Teil nicht mal in der Garantiephase.“

Ein Loblied, dass nicht nur Kühnlein auf Metz singt: „Auch meine Kunden stehen zur Marke.“ – Obwohl sich das nicht an aktuellen Verkaufssteigerungen ablesen lasse. Die Zukunft an den Verkaufszahlen ablesen, kann hingegen Fachhändler Günter Breindl aus Pavelsbach: „60 Prozent meines Umsatzes mache ich mit Metz-Geräten. Verschwindet Metz wirklich von der Bildfläche, wird auch der Fachhandel sterben.“ Denn der Service zeichnet ihn seit jeher aus: „Reparatur statt Wegschmeißen“, lautet das Motto von Metz, das damit bewusst auch auf Nachhaltigkeit setzt.

Doch viele Kunden sehen das nicht und argumentieren so wie ein 31-Jähriger in der Neumarkter Fußgängerzone: „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu den anderen Marken passt einfach nicht mehr.“ Der Tevi-Geschäftsführer Künzel bringt es auf den Punkt: „Irgendwo ist eben jeder von uns auch Endverbraucher – und wir alle wollen viel für kleines Geld.“ – Auch wenn es zulasten des Produktionsstandortes Deutschland, der Einzelhändler und der Umwelt geht. 

ALEXANDRA HADERLEIN

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