Eltern wundern sich

Warum gibt es im Neumarkter Freibad keine privaten Schwimmkurse mehr?

Hauke Höpcke
Hauke Höpcke

Neumarkter Nachrichten

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23.6.2021, 09:33 Uhr

"Was spricht gegen eine Gruppe von fünf oder sechs Kinder, die zehn Tage lang täglich für eine Stunde zum Schwimmtraining ins Freibad kommen?", fragt Christian Will aus Sengenthal. Er hat schon versucht, seinem Sohn das Schwimmen selbst beizubringen. Aber er sei halt kein ausgebildeter Schwimmlehrer. "Durch die mangelnde Kompetenz, war dieses Vorhaben leider zum Scheitern verurteilt."

Aber die Vereine seien erst ab 18 Uhr im Bad. Da werde es zu spät für seinen sechsjährigen Sohn. Weshalb also gibt es keine anderen Kurse? "An den zahlreichen privaten ausgebildeten Schwimmlehrern würde es auch nicht scheitern, die nur darauf warten endlich loslegen zu dürfen."

Die sechs Enkelkinder von Manfred Steidle haben alle im Freibad Neumarkt ihre Schwimmkurse absolviert. "Der Vorteil bei privaten Anbietern ist: diese Kurse laufen täglich." So konnten alle Kinder in den Ferien Seepferdchen, Bronze, Silber und Gold absolvieren, wenn sie bei den Großeltern in Postbauer-Heng zu Besuch waren.

"Die Vereine können der Nachfrage nicht gerecht werden"

Die im Wochenrhythmus angebotenene Kurse der Vereine könnten der Nachfrage gar nicht gerecht werden, so Steidle. Er befürchtet, ein nicht erheblicher Teil von Kindern könne in diesem Jahr keinen Schwimmkurs machen, weil sie keinen Platz bekommen werden.

Es ist ein Haftungsfrage, so lässt sich die Position der Stadtwerke zusammenfassen. Für das neue Schlossbad wurden die Regelungen geprüft, die im Freibad galten. "Die Prüfung erfolgte hierbei auch unter fachkundiger, externer Beratung", schreiben die Stadtwerke auf eine Anfrage der Neumarkter Nachrichten.

Die Stadtwerke als Badbetreiber haften

Ein Punkt waren die Schwimmkurse. Diese fanden im Freibad durch Privatpersonen statt, ohne dass die Stadtwerke eingebunden waren. "Grundsätzlich entstehen aber durch diese Kurse zahlreiche haftungstechnische Probleme, da die SWN als Betreiber des Frei- und Hallenbadbereiches des Schlossbades in letzter Konsequenz für etwaige Vorkommnisse verantwortlich gemacht werden können, bis hin zu einer persönlichen Haftung der verantwortlichen Mitarbeitern."

Deshalb wurden die privaten Schwimmkursangebote im Bad gestrichen. Mit den Vereinen gebe es gemeinnützige Institutionen, die Schwimmkurse anbieten. Durch die nicht unerheblichen Einnahmen der Kursgebühren würden die Vereine in ihrer für die Gemeinschaft wichtigen Tätigkeiten auch finanziell unterstützt. so die SWN.

Das derzeitige Kursangebot der Vereine werde aktuell weiter zeitlich ausgebaut. So soll es nach Möglichkeit auch untertags und während der Sommerferien Kurse geben. Wo dies durch die Vereine nicht geleistet werden kann oder das Angebot der Vereine nicht ausreichen sollte, planen die SWN, etwaige Lücken selbst zu schließen. "Dies soll jedoch die Ausnahme bleiben, da die SWN nur ergänzend zu den Vereinen tätig werden wollen", heißt es aus der Ingolstädter Straße.

Es musste schnell gehen

Doch weshalb gibt es nicht schon jetzt ein Angebot, das der Nachfrage entspricht? Es musste schnell gehen, um überhaupt ein Kursangebot zu ermöglichen. Die Lockerung der der Pandemie-Bestimmungen kamen überraschend für Stadtwerke und Vereine. Bis dahin waren alle Schwimmkurse untersagt. Geplant war die Umsetzung der neuen Regelung erst mit der Eröffnung des Hallenbad.

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