Konzert in der Kneipenbühne

Wenn der Golly mit seiner Konservencombo rockt

26.10.2021, 15:30 Uhr

"Bluesgeziefer" heißt die neue CD von Golly Hertlein.  © Volker Kindl

Das Experiment ist geglückt: Auf der Kneipenbühne stand der Golly, bewaffnet lediglich mit einem Tenorsaxophon. Um ihn herum seine Band "Nicks Freunde", eine Konservencombo, die er vorstellte, als wäre sie leibhaftig da.

Da wurden durchaus illustre Namen aus der fränkischen Szene erwähnt: Ralf Trautner (Gitarre), Udo Schwendler (Trompete), Miller The Killer (Piano), aber auch der Oberpfälzer Wolfgang Kamm (Didgeridoo) und der Mongole Naidvartai Zett (Schlagzeug).

Sie alle hatten zu Gollys Kompositionen die passenden Musikdateien beigetragen, die von ihm im hauseigenen Studio während der einsamen Corona-Zeit verarbeitet wurden.

CD zum Jubiläum

Heraus kam pünktlich zum 40-jährigen O'wei-Jubiläum die CD "Bluesgeziefer", zu der Golly eine Unmenge an Musikinstrumenten beisteuerte: Saxophone, Viola, Gitarre, Bluesharp, Keyboard, E-Bass und einen oft vierstimmigen Gesang, auch a cappella. Klar, er hätte gerne eine Band aus Fleisch und Blut um sich geschart, das wäre weniger stressig gewesen, sagt er, weil sich aller Augen nicht nur auf einen einzelnen hätten fokussieren müssen.

Solo aus dem Jenseits

Nun, das mit der Liveband ging leider nicht: der für Golly unersetzliche Drummer ist zu weit weg, und noch unerreichbarer ist Sologitarrist Peter Schöberl, der im Sommer völlig unerwartet starb. Und so erklangen ein paar großartige E-Gitarren-Soli quasi aus dem Jenseits – in beeindruckendem Sound übrigens; und das galt für alle Beteiligten.

Die äußerst abwechslungsreichen Kompositionen sind Träger oft tragischer Geschichten: Golly schlüpft in die Rolle von Nichtsesshaften, von Ausgegrenzten, von Menschen, die aus der Kurve getragen wurden, und hebt damit den Begriff "Blues" zurück auf das Podest, das dieser wunderbaren Musik zusteht.

Zum Brüllen komisch

Dass er das in breitem Nürnberger Dialekt tut, ist ein Wagnis - und es kam gut an. Um das Publikum nicht in allzu melancholische Stimmung zu versetzen, las Golly quasi als Kontrapunkt aus seinem Fundus von Fake-Kritiken: Darin würdigt er Musiker, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, und beschreibt deren meist zur Geisterstunde stattfindende Konzerte auf eine Art und Weise, die oft zum Brüllen komisch ist.

Jedenfalls wurden die hoffentlich folgenden zweiten vierzig Jahre Kneipenbühne würdevoll eingeläutet. Die CD "Bluesgeziefer" ist in der Kneipenbühne erhältlich.

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