Windkraft lässt im Kreis Neumarkt Wiesen blühen

14.5.2015, 06:15 Uhr
Ein Naturidyll: Die verfallenden Schwalltore am Frauenbach zeugen noch von der Zeit, als die Bauern die Wiesen regelmäßig unter Wasser gesetzt haben.

Ein Naturidyll: Die verfallenden Schwalltore am Frauenbach zeugen noch von der Zeit, als die Bauern die Wiesen regelmäßig unter Wasser gesetzt haben. © Foto: Johnston

Der Frauenbach schlängelt sich flach durch die von gelben Blüten übersäte Wiese. Ringsherum sind Bulldogs unterwegs, um Heu einzubringen. Doch hier wartet Landwirt Andreas Zucker bis zum 15. Juni. Erst in vier Wochen fährt er mit dem Mähbalken durch das Tal. „Ich lasse die erste Mahd aus“, sagt er. Das ist eigentlich die einzige Einschränkung. Denn gedüngt wurde hier, im Wasserschutzgebiet, schon lange nicht mehr.

Doch gerade die Umstellung von drei auf zwei Mahden sind für den ökologischen Wert der Wiese wichtig. „Es wachsen dort selten gewordene Pflanzen“, sagt Projektmanagerin Elisabeth Altmann. Die Kuckuckslichtnelke zeigt sich im Mai, im Sommer sieht man Wiesenflockenblumen, Schafgarbe und Frauenmantel. Die Wiese ist nur der Teil eines 1,6 Hektar großen Flächenverbunds: Auf einem von Schafen beweideten Magerrasen etwas oberhalb finden lichtliebende Arten einen Lebensraum, eine Gehölzgruppe am Hang wird noch etwas aufgelockert.

Dabei steht ein Grundsatz fest: Alle Flächen bleiben in landwirtschaftlicher Nutzung, allerdings weniger intensiv als bisher. Das funktioniert so gut, dass es sich Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf vor Ort ansehen wollte.

Im Landkreis Neumarkt stehen 53 Windräder, 63 sind genehmigt. Ihre Betreiber zahlen einen Ausgleich für den Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild. Da es im Landkreis besonders viele Windräder gibt, ist hier auch die Summe der Ersatzgelder besonders hoch: bisher 2,4 Millionen Euro. Nur zwei Jahre steht das Geld für ökologische Aufwertungsmaßnahmen im Kreis zur Verfügung. Danach fließt es in den bayernweiten Fonds.

Das bayernweit einzigartige Ersatzgeld-Pilotprojekt läuft so erfolgreich, dass Umweltministerin Scharf (Mitte) sich vor Ort informierte.

Das bayernweit einzigartige Ersatzgeld-Pilotprojekt läuft so erfolgreich, dass Umweltministerin Scharf (Mitte) sich vor Ort informierte. © Foto: Johnston

Für die Umsetzung dieser großen Summen war die Naturschutzbehörde am Landratsamt nicht gerüstet. Deshalb strebte man die enge Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflege-Verband an, der nach Verhandlungen mit dem bayerischen Naturschutzfonds und der Bezirksregierung die Projektmanagerin Altmann auf einer befristeten Teilzeitstelle engagierte. Das zeitigte raschen Erfolg. Statt der ursprünglich veranschlagten sieben Hektar sind inzwischen über 20 Hektar Grund erworben worden. Nun hat man die Umgestaltung und Folgepflege der Flächen im Fokus. Bis 2017 ist das Pilotprojekt angesetzt.

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