"Bin dann mal weg"

Altschauerberg atmet auf: Der Drachenlord ist ausgezogen

Tobi Lang
Tobi Lang

Redakteur

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1.3.2022, 09:45 Uhr
In diesem Haus in Altschauerberg lebte der Drachenlord viele Jahre lang, streamte aus Mittelfranken seine Videos in Netz. 

© Julia Ruhnau In diesem Haus in Altschauerberg lebte der Drachenlord viele Jahre lang, streamte aus Mittelfranken seine Videos in Netz. 

Es ist der Tag, auf den die 42 Einwohner von Altschauerberg sehnsüchtig gewartet haben. Seit Jahren leiden sie unter dem Netzphänomen Drachenlord, täglich pilgern sogenannte Hater des YouTube-Streamers in das kleine Dorf bei Emskirchen. Sie machen Lärm, legen sich mit Rainer Winkler, wie der Mann hinter der Kamera bürgerlich heißt, an, sorgen für Massenaufläufe und Polizeieinsätze. Erstmals gibt es nun die Hoffnung, dass eben jener Albtraum endgültig vorbei ist.

Nach Informationen unserer Redaktion hat der Drachenlord Altschauerberg verlassen. Am Montag machten sich Gemeinde und Polizei vor Ort ein Bild des Gebäudes, in dem Winkler lebte. Den Auszug bestätigen die Behörden zwar nicht, tatsächlich sollen aber bereits Schlösser ausgetauscht und die Schlüssel übergeben worden sein.

In einem am Montagabend veröffentlichten Video bestätigt der Drachenlord selbst seinen Auszug. "Ich bin dann mal weg" heißt der Clip, der etwa 35 Minuten lang ist. Darin spricht Winkler über die Gründe, seine Odys­see eine neue Wohnung zu finden und über seine weiteren Pläne.

"Erleichtert, dass es sich in neue Richtung entwickelt"

Tatsächlich sei der Wegzug aus Altschauerberg bereits für den 5. Januar geplant gewesen. "Eigentlich wollte ich vor Weihnachten abhauen", sagt Winkler. Aus verschiedenen Gründen habe sich aber alles verzögert. "Offiziell war ich wohnungslos." Die Gemeinde, die das Gebäude gekauft hatte, duldete den Streamer - auch, weil sie keine Ersatzunterkunft für ihn finden konnte.

"Ich bin erleichtert, dass es sich jetzt in eine neue Richtung entwickelt", sagt Winkler in dem am Montag veröffentlichten Video. Er lebe zwar seit 32 Jahren hier, Altschauerberg sei seine Heimat. "Aber ich bin froh." Ob er weiter streamen wird, ließ der Drachenlord offen. Das sogenannte Drachengame, also der Zwist zwischen dem YouTuber und seinen Kritikern, könnte tatsächlich enden. Für immer.

Ist der Drachenlord auf Deutschland-Reise?

Wo sich Winkler derzeit aufhält, bleibt unklar. In einem Video kündigte er erst kürzlich an, durch Deutschland reisen zu wollen. "Es ist so, dass ich jetzt wirklich vorhabe, eine bestimmte Route abzufahren." Monatelang bemühten sich Behörden in ganz Bayern um eine neue Unterkunft für Winkler. Beinahe wäre er in Nürnberg gelandet, daraus wurde allerdings nichts. Einige aussichtsreiche Angebote lösten sich wegen der Angst der Vermieter aber auf - sie fürchten die Hater-Community, die den Drachenlord verfolgt.

Spätestens am 23. März wird Winkler zurück in Franken sein müssen. Dann beginnt sein Berufungsprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Ihm droht wegen Gewalt und Beleidigungen eine mehrjährige Haftstrafe. Der Ex-Altschauerberger hofft dabei auf ein milderes Urteil als im Oktober letzten Jahres. Damals brummten ihm die Richter am Neustädter Amtsgericht eine zweijährige Haftstrafe auf. Dem Streamer droht tatsächlich das Gefängnis.