Emskirchen will einen solaren Biotopverbund

31.12.2019, 16:35 Uhr
Auf Freiflächen kann mit Photovoltaikanlagen Strom erzeugt werden. Sie können zusätzlich aber auch als Biotope dienen.

© Privat Auf Freiflächen kann mit Photovoltaikanlagen Strom erzeugt werden. Sie können zusätzlich aber auch als Biotope dienen.

Bei der Bürgermeisterdienstversammlung im Neustädter Landrats-amt stellten Bürgermeister Harald Kempe und Johannes Maibom von der Reuthwind Verwaltungs GmbH das noch weit entfernte Projekt vor. Verwirklicht werden könnte es aufgrund der Verordnung für Photovoltaik (PV)-‐Freiflächenanlagen. Damit hat Bayern als eines der ersten Bundesländer die Voraussetzungen geschaffen, dass sich PV‐-Projekte auf Acker‐ und Grünlandflächen in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten an den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur beteiligen können. Wie Hermann Popp vom Landratsamt sagte, gehöre nahezu der gesamte Landkreis zu diesen Gebieten, wobei die Kommunen alles selbst in der Hand hätten, weil PV-Anlagen nicht privilegiert seien.

PV-Freiflächen sind nach Ansicht von Kempe politisch gewollt, wirtschaftlich interessant und neben der Windkraft kostengünstigster Strom. "Ohne Freiflächen-PV-Anlagen werden wir nicht klarkommen", ist sich Kempe sicher. Nicht zuletzt deswegen, weil Windkraft derzeit politisch kaum durchsetzbar ist. Deshalb müsse eine PV-Akzeptanz bei der Landwirtschaft, in der Gesellschaft und in der Politik geschaffen werden.

Die Solaranlage könnte sich, wie das Grüne Band an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, durch die Landschaft ziehen und miteinander vernetzt werden. Genau für ein solches Projekt – ein Solarbiotopverbund in der Gemarkung Mausdorf, Pirkach und Hagenbüchach – soll nun die Firma Reuthwind aus Emskirchen ein Konzept bis Ende 2020 erstellen. Dabei geht es um die Verbesserung der Biodiversität, die durch die langfristige Anlage (mindestens 25 bis 30 Jahre) von artenreichen und vernetzten Flächen erreicht werden kann, die Umnutzung von landwirtschaftlichen Flächen in Energielandschaften, die auskömmliche Marktpreise für landwirtschaftliche Produkte sichert oder um die extensiv genutzten oder beweideten Flächen, die die Nitratbelastung des Grundwassers reduzieren. Durch die Vernetzung in der Gemarkung könne jeder Landwirt mit seinen Flächen an der Energielandschaft beteiligt werden. Die Kombination von Artenschutz, Grundwasserschutz, Energiegewinnung und gesellschaftlicher Akzeptanz trage zur Einsparung von Flächen bei. Die Förderung des Artenschutzes könne über den Strompreis direkt an den Stromkunden weitergegeben werden, statt sich aus Steuermitteln, Kultur- und Landschaftsprogrammen zu finanzieren.

Geschaffen werden soll eine Energielandschaft mit Artenschutz. Die Energiewende sei so eine Chance für die Natur und Umwelt mit Solarfeldern als Trittsteinbiotope. Bei Windkraftanlagen werde oft von einer Verspargelung der Landschaft gesprochen, bei PV-Anlagen wolle man nicht, dass von einer Verspiegelung gesprochen wird, was bei dem geplanten Solarbiotopverbund aufgrund der Anordnung der Module auch nicht der Fall sei. Bei der Konzepterstellung geht es natürlich auch um die Kosten, sprich um die Frage, welche Einspeisevergütung notwendig sei, um Projekte dieser Art zu realisieren, oder welcher Kostenausgleich zu finanzieren sei. Kreisrat Christian von Dobschütz hält das Projekt für sehr spannend und ist sich sicher, dass es für das Mehr an Kosten eine politische Lösung geben wird.

In der Bürgermeisterdienstversammlung gab es auch Informationen über Freiflächenanlagen am Beispiel von Markt Bibart. Die Vorsitzende des Bundes Naturschutz, Karin Eigenthaler, stellte die ökologische Bedeutung von Anlagen im Landkreis vor.

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