So erkennen Sie Fälschungen

Täuschend echter 20-Euro-Schein: Vorsicht vor diesem Falschgeld in Franken

Stefan Blank

Region/Bayern

E-Mail zur Autorenseite

19.1.2023, 10:27 Uhr
Auf den ersten Blick nur schwer zu unterscheiden: Welcher 20-Euro Schein ist echt und welcher Falschgeld?

© Stefan Blank Auf den ersten Blick nur schwer zu unterscheiden: Welcher 20-Euro Schein ist echt und welcher Falschgeld?

Beim Bäcker, im Supermarkt, am Volksfest oder in der Therme: Bezahlvorgänge sind absoluter Alltag. Schein aus dem Geldbeutel, rübergereicht, rein in die Kasse. Doch was ist, wenn sich unter den Geldnoten Falschgeld befindet? Immer wieder tauchen - wie unlängst in Bad Windsheim - täuschend echte Scheine auf, unter anderem "Movie Money".

"Movie Money" steht unter der Europa-Fahne oben links am Schein - bei diesem handelt es sich um eine Fälschung.

"Movie Money" steht unter der Europa-Fahne oben links am Schein - bei diesem handelt es sich um eine Fälschung. © Stefan Blank

123.300 Euro-Falschnoten wurden 2021 in Deutschland aus dem Verkehr gezogen, berichtet das Bundeskriminalamt. Der Nennwert: elf Millionen Euro. Im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelfranken kam es laut Pressesprecher Robert Sandmann in den Jahren 2019 und 2020 zu einem starken Anstieg der Anzeigen wegen Falschgeldes, vor allem im Bereich "Movie Money", aktuell sei der Trend aber "eher rückläufig".

Mehr oder weniger auffällig

Bei der Fälschung von Geldnoten unterscheiden die Experten zwischen klassischen Falsifikaten und sogenannten Veränderten Banknotenabbildungen, kurz VBNA. Diese Reproduktionen echter Banknoten sind mit zusätzlichen textlichen oder bildlichen Veränderungen versehen. "Sie können mehr oder weniger auffällig sein", heißt es vom Bundeskriminalamt in dem im Juni 2022 veröffentlichten Bundeslagebild Falschgeldkriminalität für das Jahr 2021.

Banknoten-Reproduktionen seien Falschgeld, "wenn sie mit echtem Geld verwechselt werden können und als echt in den Verkehr gebracht werden oder werden sollen". Das BKA macht klar: VBNA sind kein Spielgeld. Wichtig ist dabei die Einschätzung der Falschgeld-Analysestelle der Deutschen Bundesbank. Die in Franken aufgetauchten "Movie-Money-Scheinen" stuft die Analysestelle als "zur Täuschung im Zahlungsverkehr geeignet" ein, sie "sind daher Falschgeld nach dem Strafgesetzbuch".

Fünfziger am häufigsten

Am beliebtesten bei Kriminellen sind 50-Euro-Scheine, das zeigt die Statistik des BKA für registrierte Euro-Falschnoten und festgestellte Falsifikate. Von den 123.300 sichergestellten Scheinen 2021 waren 32 Prozent, also 39.513, Fünfziger. Es folgen Zwanziger (28,7 Prozent), Zehner (12,4), 100er (9,0), 200er (8,5) und 500er (8,0). Interessant ist dabei die Entwicklung: Während alle Beträge unter 100 Euro, bei dem das Minus von 38,7 Prozent am größten ist, gegenüber 2020 zurückgingen, ist die Anzahl der falschen 200-Euro-Scheine um 98,8 Prozent und der 500-Euro-Scheine um 35,6 Prozent gestiegen.

Auch die Rückseite des anscheinend schon öfters benutzten Falschgeld-Scheines sieht einem Original sehr ähnlich.

Auch die Rückseite des anscheinend schon öfters benutzten Falschgeld-Scheines sieht einem Original sehr ähnlich. © Stefan Blank

Doch wie unterscheiden sich "Movie-Money"-Banknoten von Originalen? Charakteristisches Merkmal sei laut Sandmann der Aufdruck "This is not legal: It is to be used for motion props" in Versalien auf der Vorderseite, wie Robert Sandmann erklärt. Prägend sei zudem der "Movie Money”-Schriftzug anstelle der Unterschrift des Präsidenten der Europäischen Zentralbank und der Schriftzug "EURO-PROP-EBPO" anstelle von "EURO-EYPO-EBPO", wie es auf den Originalen zu finden ist. "Die Herstellung dieser Falsifikate erfolgt im Offsetdruckverfahren", erklärt Sandmann. Die Noten würden aber in der Regel keine Imitation der Sicherheitsmerkmale aufweisen und sollten daher durch die Prüfmethode "Fühlen-Sehen-Kippen" als falsch identifiziert werden können.

Eigentlich für Filmdrehs gedacht

Die Fälschungen "Movie Money", auch "Theater-Geld" oder "Prop Copy" genannt, nehmen laut BKA seit 2019 zu. "Ursprünglich wurden diese Geldscheine als Filmrequisiten hergestellt, können aber den echten Banknoten zum Verwechseln ähnlich sehen und werden daher zur Täuschung im Zahlungsverkehr genutzt", heißt es im Lagebericht. Herstellung, Verbreitung und das Einbringen in den Zahlungsverkehr ist strafbar. 2021 haben diese Varianten 45 Prozent der Gesamtmenge von in Deutschland im und außerhalb des Zahlungsverkehrs festgestellten Falsifikate ausgemacht, im Vorjahr waren es 49 Prozent.

Original Euro-Scheine sind mit verschiedenen Sicherheits-Merkmalen versehen.

Original Euro-Scheine sind mit verschiedenen Sicherheits-Merkmalen versehen. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Insgesamt bilanziert das BKA aber für 2021 einen "rückläufigen Trend", die Fälle von Falschgeldkriminalität seien um 16,7 Prozent auf 38.234 gesunken. Die Zahl der aufgeklärten Fälle wird mit 3.902 angegeben, ein Minus von 18,1 Prozent im Vergleich zu 2020. Deutlich nach oben ging der Nennwert der Falschgeld-Scheine, das Plus beträgt 11,5 Prozent. Während in den meisten Bundesländern weniger Delikte registriert wurden, steige die Zahl in Bayern, Berlin und Brandenburg jedoch an.

Bestellungen im Darknet

Immer öfter kommt das Falschgeld aus dem Internet. Laut BKA nehmen Angebote auf frei zugänglichen Seiten sowie im Darknet zu. "Polizeilichen Schätzungen zufolge wird mittlerweile mehr als die Hälfte des in Deutschland festgestellten Falschgelds im Internet beziehungsweise Darknet verkauft", so die Einschätzung der Experten. "Herstellungsequipment, Druckvorlagen und Handlungsanleitungen sind ebenfalls zunehmend im Clear- beziehungsweise Darknet verfügbar." Das BKA geht davon aus, dass Vertriebswege über Darknet-Handelsplattformen, verschlüsselte Messengerdienste und soziale Netzwerke bei Falschgeld-Delikten auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden.

Oft würden auch Veränderte Banknotenabbildungen mit minderer Fälschungs-Qualität aus dem Verkehr gezogen - mit ähnlicher Farbgebung, identischem Design und derselben Größe wie echte Euro-Banknoten, aber ohne Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Hologrammstreifen oder Smaragdzahl. Produziert werden diese meist in China. Im Juni 2021 konnte die Polizei Hamburg auf Hinweis des BKA bei einem Internet-Händler beispielsweise mehr als 1100 gefälschte Banknoten mit dem Nennwert von 123.100 Euro, 8000 US-Dollar und 3300 Britischen Pfund sicherstellen.

Fühlen, Sehen, Kippen

Doch wie können Bürgerinnen und Bürger Falschgeld erkennen? Laut BKA seien "mit der gebotenen Aufmerksamkeit und durch die Überprüfung mehrerer Sicherheitsmerkmale die meisten Banknotenfälschungen auch von Laien zu erkennen". Die Zauberformel: Fühlen, Sehen, Kippen. Bei der Haptik seien Griffigkeit und Festigkeit des Papiers wichtig sowie fühlbare Elemente auf Vorderseite wie das Druckbild als Relief. Mit dem Auge erkannt werden können Wasserzeichen als Schattenbild und das Porträt-Hologramm sowie ein Sicherheitsfaden. Einige Sicherheits-Elemente werden beim Kippen deutlich. So verändert sich die Farbe von Wertzahl und Euro-Symbol, auch gebe es regenbogenfarbige Veränderung auf dem Hologrammstreifen, Farbwechsel bei Smaragdzahl und Glanzstreifen auf der Rückseite.

Beim Nebeneinanderlegen ist die Fälschung dann doch zu erkennen.

Beim Nebeneinanderlegen ist die Fälschung dann doch zu erkennen. © Stefan Blank

Wer Falschgeld erkennen will, müsse das echte Geld kennen, sind sich die Experten einig. "Prägen Sie sich die Banknoten und deren Sicherheitsmerkmale gut ein", rät das BKA. Auch wenn es manchmal schwierig sei und andere genervt reagieren können, sollte man sich Zeit für die Prüfung nehmen und mehrere Sicherheitsmerkmal kontrollieren. Oft sei es sinnvoll, eine zweifelsfrei echte Banknote zum Abgleich danebenzulegen. "Im Zweifelsfall lassen Sie das Bargeld bei dem nächstgelegenen Kreditinstitut oder einer Filiale der Deutschen Bundesbank überprüfen", heißt es vom BKA.

Was tun, wenn doch Falschgeld im Geldbeutel liegt?

Wenn im Eifer des Gefechtes doch eine Falschgeld-Note, beispielsweise mit dem Schriftzug "Movie Money" angenommen wurde, bleibt derjenige auf dem Schaden sitzen. Eine Entschädigung gibt es nicht, erklären die BKA-Experten. "Und wer Falschgeld wissentlich weitergibt, macht sich strafbar." Bei Falschgeldverdacht sollte deshalb stets die Polizei informiert werden.

Keine Kommentare