Storchenalarm in Franken: Nest legt Brauerei in Uehlfeld lahm

20.7.2020, 15:21 Uhr
Die Brauerei Zwanzger in Uehlfeld  hat derzeit mit einem kuriosen Problem zu kämpfen. Auf dem  Brauereischlot haben Störche ein Nest gebaut und legen damit seit einigen  Wochen den Braubetrieb lahm.

Die Brauerei Zwanzger in Uehlfeld hat derzeit mit einem kuriosen Problem zu kämpfen. Auf dem Brauereischlot haben Störche ein Nest gebaut und legen damit seit einigen Wochen den Braubetrieb lahm. © Christian Zwanzger

Wenn im Frühjahr und im Sommer Reisegruppen im Brauerei-Gasthof Zwanzger übernachten, gibt es hin und wieder Diskussionen wegen der Verteilung der Zimmer. Bis auf einen Raum bieten nämlich alle Zimmer einen guten Blick auf die zahlreichen Storchennester im Ort. Ist das Haus ausgebucht, muss jemand eben mit dieser einen, weniger geliebten Übernachtungsmöglichkeit vorlieb nehmen.

Angesichts dieser Gratiswerbung durch die fliegenden Sympathieträger wartet Zwanzger nun geduldig darauf, dass der Nachwuchs des Storchenpaares flügge wird. Dann kann der Brauer den Horst ein wenig versetzen und den Braukessel wieder anheizen. „Wenn es gut läuft, sind die Jungvögel Mitte oder Ende August weg“, sagt der Gastronom, der sich generell über die Anwesenheit der Tiere freut – locken sie doch viele Touristen nach Uehlfeld.

33 Storchenpaare nisten im Ort

Die 3000-Seelen-Gemeinde im Kreis Neustadt/Aisch - Bad Windsheim gilt als die Storchen-Hochburg schlechthin in Bayern. Aktuell wohnen 33 Paare auf den Dächern der Kommune im Zentrum des Aischgrundes, durch den Ort verläuft der sieben Kilometer lange „Storchen-Lehrpfad“, der auf Schautafeln Wissen rund um den Weißstorch vermittelt. Die Gegend mit ihren Fischweihern und Flussauen bietet Meister Adebar einen idealen Lebensraum.

Wenn die zwei Altstörche und die drei Jungstörche auf dem Dach der kleinen Traditionsbrauerei ihre Zelte abbrechen, muss Christian Zwanzger wohl einige Überstunden einlegen, um den derzeitigen Produktionsausfall auszugleichen. Immerhin hat der 40-jährige Gastronom, der den im Jahre 1639 gegründeten Betrieb bereits in der zwölften Generation führt, noch eine kleine Anlage im Garten stehen, mit der er im Sommer regelmäßig braut. Damit kann er das mögliche Aus seiner Biervorräte noch ein wenig hinauszögern.

Biergarten ist wegen Corona oft verwaist

Zudem ist die Nachfrage nach den Produkten der Zwanzger-Brauerei, die konventionelle Sorten aber auch Craft Beer mit so exotischen Zutaten wie Holunderblüten, Honig oder Chili herstellt, wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht ganz so ausgeprägt. Normalerweise reiht sich in dieser Jahreszeit Veranstaltung an Veranstaltung, doch oft ist der Biergarten neben dem Brauereigebäude auch ziemlich verwaist.

Zwischendurch spaziert immerhin einer der Störche zwischen den Tischen herum, was Zwanzger gerne auf Facebook postet. Ganz frech habe sich heute früh der erste Gast reingeschlichen, schreibt der Brauer unter die Fotos und erhält viele Likes dafür.

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