1. August 1968: Vorstoß bis in zehn Meter Tiefe

1.8.2018, 07:00 Uhr

© Launer

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt sind beachtlich: von 24,7 Millionen Mark entfallen auf den Hafen 16,7 und auf den Kanal acht Millionen Mark. Zwei Jahre lang schien es keinen rechten Sinn zu haben, wenn Bäume gefällt, Stöcke gerodet, Straßen gebaut und Versorgungsleitungen verlegt wurden. Jetzt haben die Arbeiten „Hand und Fuß“ bekommen; auch die Warnschilder mit der Aufschrift: „Vorsicht, lebensgefährlich!“ Denn Gefahr droht allen unvorsichtigen Spaziergängern in dem drei Quadratkilometer großen Gelände, das bequem die gesamte Altstadt aufnehmen könnte.

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65 Tonnen schwere Doppelmotorenscraper, wegen ihres grünen Anstrichs scherzhaft auch Laubfrösche genannt, brausen „wie die Feuerwehr“ durch die Gegend, schlucken den Boden wie gefräßige Ungeheuer in Gruselfilmen und schlichten ihn zu riesigen Depots auf. 545.000 Kubikmeter Humus, 1,8 Millionen Kubikmeter Sand und die 2,1 Millionen Kubikmeter Keuper und Sandstein werden später wieder benötigt; der Humus für die Begrünung der Böschungen und des Industriegeländes, Sand, Keuper und Sandstein, um das Gelände nahe der alten Hafenstraße, auf dem einmal die Betriebe stehen werden, sechs Meter anzuheben. Diese Schüttung ist erforderlich, weil die Fläche niedriger liegt als das Hafenbecken.

Alle Erwartungen erfüllen 14 neugebohrte Brunnen, deren ertragreichster 35 Meter tief ist, und der Entengraben. Mächtige Pumpen haben den Grundwasserspiegel im gesamten Baugebiet auf den Pegel der Beckensohle abgesenkt, der Entengraben führt das unerwünschte Naß zur Rednitz ab. Dadurch können die Bagger in jeder Tiefe im Trockenen arbeiten. Mächtig gewachsen sind unweit des Hafens die Brückenbauwerke 37 und 38 die 5,2 Millionen Mark kosten und wichtige Bindeglieder der neuen Verkehrsführung von Eibach zum Finkenbrunn in der Gartenstadt sind; „BW“ 37 überquert später einmal die Großschiffahrtstraße, „BW“ 38 die neue Schnellstraße.

Noch tiefer muß die Stadt für das Bauwerk 40 in die Tasche greifen, das an der Maiacher Straße entsteht. Es kostet 8,8 Millionen Mark und wird den Rhein-Main-Donau-Kanal und die Südwesttangente der von der Minerva- und Nopitschstraße kommenden Schnellstraße überspannen. Weil ein Widerlager genau in die Maiacher Straße eingebracht werden muß, sind die Autofahrer seit einigen Tagen gezwungen, sich in S-Kurven an der Baustelle vorbeizuschlängeln. Spätestens in zwei Jahren soll das Band zu dem 300 Meter langen Viadukt durchschnitten werden.

Inzwischen sind einige Eibacher Geschäftsleute Nutznießer dieser gewaltigen Bauvorhaben geworden. Die Arbeiter kommen zum Mittagessen in die Vorstadt und kaufen auch andere Konsumgüter ein. Man braucht keine prophetische Begabung, um festzustellen, daß auf Eibach eine „Konjunkturwelle“ zurollen wird, wenn im Hafengelände erst einmal die volle Mannschaftsstärke erreicht ist.

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