1. Juni 1969: Haydn in der Ruine

1.6.2019, 07:00 Uhr
Noch ist kein Handstreich gemacht worden. Zur Premiere aber soll sich das Kirchenschiff mit einem festen Pflasterhof präsentieren und im Kirchchor soll noch eine Bühne angelegt werden.

Noch ist kein Handstreich gemacht worden. Zur Premiere aber soll sich das Kirchenschiff mit einem festen Pflasterhof präsentieren und im Kirchchor soll noch eine Bühne angelegt werden. © Archiv

Rund 800 Einheimische und Gäste können dabei sein, wenn zum ersten Male nach der Zerstörung in der Katharinenkirche wieder Musik erklingt, besser in den Mauern, die stehengeblieben sind. Roderik Brydon aus London, ein Name von europäischem Klang, wird bei der Premiere am 15. Juli Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ dirigieren.

Das Programm erscheint heuer zum zweiten Male unter dem Titel „Sommer in Nürnberg“. Schul- und Kulturreferent Dr. Hermann Glaser bekannte: „Wir haben gute und schlechte Erfahrungen mit Räumen, Themen und Jahreszeiten gemacht und versucht, daraus zu lernen. Das diesjährige Programm ist das Ergebnis unseres Lernprozesses.“ Dr. Glaser sieht in ihm die Hauptprobe für das Dürerjahr, „in dem Nürnberg den Gästen aus aller Welt Gültiges und künstlerisch wie organisatorisch Ausgereiftes bieten muß“. 1970 wird sich die Generalprobe anschließen.

Heuer sollen in erster Linie auch neue Räume erprobt werden. Das Kulturamt sah seine Aufgabe darin, auch im Gemeinschaftshaus Langwasser wirksam zu werden. Eine Abendmusik und Hans-Sachs-Spiele sind fest eingeplant

Konzerte auf der Burg

Interessant ist der Versuch, die Ruine der Katharinenkirche als Freilicht-Aufführungsstätte umzugestalten und so bis zum Wiederaufbau der Kirche als Konzertsaal eine Art „Bad Hersfeld en miniature“ zu schaffen. 80.000 DM müssen ausgegeben werden, damit der Kirchenraum einen festen Pflastersteinboden und der Chorraum eine Bühne erhält.

Die „Kaiserburgkonzerte“ – die Festivalensembles der Kammermusik verpflichten – sind nach dem Erfolg des Vorjahres auf drei Abende ausgedehnt worden. Fünf bis sieben Abende im Dürer-Jahr werden angestrebt. „Diese Konzerte sind nur möglich, weil die Stadt in einem Verlag – „Verlag Nürnberger Presse“ – und einer Konzertagentur Partner fand, die bereit sind, solche Veranstaltungen mitzutragen“, betonte der Schul- und Kulturreferent.

Dr. Glaser wies obendrein darauf hin, daß das Sommerprogramm Teil des fränkischen Programms „Die fränkische Stadt“ ist und vermerkte am Rande: „Es ist weitgehend in Mitwirkung des Nürnberger Kulturreferates entstanden.“ Die Ausstellung „Künstler sehen fränkische Städte“ vom 21. November bis 6. Januar im Künstlerhaus wird zeigen, ob das Geld gut investiert worden ist.

Der Kulturreferent schloß seinen Vorbericht mit dem alljährlichen ceterum censeo: „Hoffen wir auf gutes Wetter!“ Und von dem hängt letzten Endes auch der Erfolg des „Sommers in Nürnberg“ auf kulturellem Bereich ab.

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