100 heiße Tage pro Jahr: So verändert sich das Klima in Nürnberg

7.8.2018, 05:46 Uhr
Wenn es in der Stadt 30 und mehr Grad hat, kann es – je nach Gegebenheiten – auf dem Land im Grünen, an Flüssen oder Seen um zwei bis 15 Grad kühler sein. So steht es im
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Stadt-Land-Temperaturgefälle

Wenn es in der Stadt 30 und mehr Grad hat, kann es – je nach Gegebenheiten – auf dem Land im Grünen, an Flüssen oder Seen um zwei bis 15 Grad kühler sein. So steht es im "Handbuch Klimaanpassung" des Nürnberger Umweltamts. © Tom Kern

Ein Grund sind
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Hitzeinseln

Ein Grund sind "Hitzeinseln", die sich im Laufe einer längeren Hitzeperiode beispielsweise in der dicht bebauten Altstadt bilden. Sie strahlen – vor allen von aufgeheizten Hauswänden und Straßen – auch nachts Wärme ab. Eine Rolle spielt zudem die durch Gebäude reduzierte Windgeschwindigkeit in Großstädten. Sie liegt um bis zu 20 Prozent unter der im Umland. Das mindert die Abkühlung und beeinträchtigt das Wohlbefinden der Menschen in den Städten zusätzlich. Vor allem, wenn der Schlaf kaum mehr erholsam ist. Das dürfte in Zukunft noch unangenehmer werden. © Horst Linke

Nürnberg hat mit acht weiteren Städten und Gemeinden an dem bundesweiten Projekt
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Mehr Tropennächte

Nürnberg hat mit acht weiteren Städten und Gemeinden an dem bundesweiten Projekt "Urbane Strategien zum Klimawandel" teilgenommen. Wissenschaftler des Deutschen Wetter Dienstes und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg stellten für die West- und für die Altstadt Klimaprognosen bis zum Jahr 2100 auf. Danach muss Nürnberg im Zuge des Klimawandels im Sommer mit deutlich mehr Hitzeperioden von über 30 Grad rechnen, so wie wir sie gerade erleben. Die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad werden sich fast auf 99 verdoppeln. Hitzetage über 30 Grad, so die Vorhersage, werden von heute zwölf auf 46 steigen. Mehr noch: Die jetzt noch wenigen Tropennächte (nachts nicht unter 20 Grad) klettern auf 33 bis zum Ende des Jahrhunderts. © Franziska Kraufmann, dpa

Experten der Geonet Umweltconsulting haben in einem Klimagutachten für das Nürnberger Umweltamt die Belastungsszenarien für Stadtteile und Altersgruppen bewertet. 16 Prozent der Siedlungsfläche in Nürnberg sind demnach
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Belastete Siedlungsgebiete

Experten der Geonet Umweltconsulting haben in einem Klimagutachten für das Nürnberger Umweltamt die Belastungsszenarien für Stadtteile und Altersgruppen bewertet. 16 Prozent der Siedlungsfläche in Nürnberg sind demnach "bioklimatisch ungünstig". Weitere 29 Prozent gelten als "bioklimatisch weniger günstig". Mit anderen Worten: 45 Prozent der Stadtfläche sind klimatisch belastet. Der stark verdichtete Stadtkern (etwa St. Lorenz, Steinbühl oder Galgenhof) mit zudem geringen Grün- und Freiflächen gilt aus klimatologischer Sicht als problematisch. Die ländlicheren Stadtteile Nürnbergs dagegen (wie Almoshof oder Herpersdorf) weisen laut Experten eine insgesamt unproblematische Lage auf. © NN-Leserfoto Daniela Skilandat

Die Fachleute haben sich mit den belasteten Gebieten zugleich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung angeschaut. Denn gerade ältere Menschen über 65 Jahren und junge Bewohner unter drei Jahren leiden besonders unter der Hitze. Manche Bereiche sind besonders dicht besiedelt und weisen zudem einen höheren Anteil der sensiblen Bevölkerung auf.
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Betroffene Bürger:

Die Fachleute haben sich mit den belasteten Gebieten zugleich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung angeschaut. Denn gerade ältere Menschen über 65 Jahren und junge Bewohner unter drei Jahren leiden besonders unter der Hitze. Manche Bereiche sind besonders dicht besiedelt und weisen zudem einen höheren Anteil der sensiblen Bevölkerung auf. © Daniel Karmann, dpa

Insgesamt 61 Distrikte/Straßenzüge sind von einem der beiden Parameter (Dichte, Altersstruktur) oder beiden betroffen. 37 (mit einer Gesamtfläche von 5,57 Quadratkilometern und 83.888 Einwohnern) weisen eine hohe Einwohnerdichte auf. Dazu gehören St. Lorenz (Jakobsplatz), Sündersbühl (Kollwitzstraße) und Guntherstraße (Isoldenstraße). 24 Distrikte/ Straßenzüge (mit insgesamt 101 808 Einwohnern und einer Größe von 5,28 Quadratkilometern) sind nicht nur dicht besiedelt, sondern haben auch einen hohen Anteil besonders sensibler Bevölkerungsgruppen. Beispiele sind Wöhrd (Rennweg), Galgenhof (Lichtenhof) und Uhlandstraße (Cranachstraße). Zusammen sind also fast ein Drittel der Nürnberger von der Klimaentwicklung stark betroffen.
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Betroffene Bereiche

Insgesamt 61 Distrikte/Straßenzüge sind von einem der beiden Parameter (Dichte, Altersstruktur) oder beiden betroffen. 37 (mit einer Gesamtfläche von 5,57 Quadratkilometern und 83.888 Einwohnern) weisen eine hohe Einwohnerdichte auf. Dazu gehören St. Lorenz (Jakobsplatz), Sündersbühl (Kollwitzstraße) und Guntherstraße (Isoldenstraße). 24 Distrikte/ Straßenzüge (mit insgesamt 101 808 Einwohnern und einer Größe von 5,28 Quadratkilometern) sind nicht nur dicht besiedelt, sondern haben auch einen hohen Anteil besonders sensibler Bevölkerungsgruppen. Beispiele sind Wöhrd (Rennweg), Galgenhof (Lichtenhof) und Uhlandstraße (Cranachstraße). Zusammen sind also fast ein Drittel der Nürnberger von der Klimaentwicklung stark betroffen. © Horst Linke

Das Klima in der Stadt wäre noch viel aufgeheizter, gäbe es nicht sieben sogenannte Kaltluftleitbahnen. Sie sorgen dafür, dass frischere und kühlere Luft in die Stadt strömen kann. Die Leitbahnen sind: Östliches Pegnitztal mit Wöhrder See; Hauptgleisanlage der Bahn in Ost-West-Richtung; die Kleingärten
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Frisch-/Kaltluftbahnen

Das Klima in der Stadt wäre noch viel aufgeheizter, gäbe es nicht sieben sogenannte Kaltluftleitbahnen. Sie sorgen dafür, dass frischere und kühlere Luft in die Stadt strömen kann. Die Leitbahnen sind: Östliches Pegnitztal mit Wöhrder See; Hauptgleisanlage der Bahn in Ost-West-Richtung; die Kleingärten "An der Eichendorffstraße", "Klingenwald I-III" und "Keslinghof"; Distrikt Großreuth bei Schweinau, Gaismannshof und Sündersbühl; Westliches Pegnitztaal; westlich des Distrikts Gartenstadt; Langwassersee. Die Experten mahnen: "Kaltluftleitbahnen sind aus klimatologischer Sicht besonders schützenswert und müssen erhalten werden." Sie sollen nicht zugebaut werden. © Eduard Weigert

Sie haben eine große Bedeutung für den Luftaustausch in den Nürnberger Siedlungsgebieten. Im Stadtgebiet sind das: das Knoblauchsland im Norden (von der Kaltluft profitieren Orte im Knoblauchsland und südlich davon), die Hangfläche zur Rednitzniederung rund um Krottenbach im Südwesten (Mühlhof, Reichelsdorf, Eibach und Röthenbach) sowie der Eibacher Forst und östlich angrenzende Waldgebiete im Südosten (Falkenheim, Langwasser, Moorenbrunn und Altenfurt).
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Grün- und Freiflächen

Sie haben eine große Bedeutung für den Luftaustausch in den Nürnberger Siedlungsgebieten. Im Stadtgebiet sind das: das Knoblauchsland im Norden (von der Kaltluft profitieren Orte im Knoblauchsland und südlich davon), die Hangfläche zur Rednitzniederung rund um Krottenbach im Südwesten (Mühlhof, Reichelsdorf, Eibach und Röthenbach) sowie der Eibacher Forst und östlich angrenzende Waldgebiete im Südosten (Falkenheim, Langwasser, Moorenbrunn und Altenfurt). © Stefan Hippel

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Maßnahmen

"Selbst kleine unversiegelte Plätze, begrünte Höfe (sogenannte Pocket Parks) und temporär genutzte Baulücken können sich als kühlere Erholungsräume eignen und die Aufenthaltsqualität im Freien tagsüber deutlich erhöhen", schreiben die Experten von Geonet in ihrem Klimabericht. Das gilt natürlich auch für private Flächen. Ab einer Größe von etwa einem Hektar tragen Grün- und Freiflächen bei günstigen Rahmenbedingungen auch zur nächtlichen Abkühlung der angrenzenden Bebauung bei. Straßenbäume sorgen ebenfalls für besseres Stadtklima. © Eduard Weigert

Empfohlen wird auch die Begrünung von Dächern und Fassaden, Stellplätzen und Tiefgaragen. Die Stadt Nürnberg versucht hier seit Jahren über Förderprogramme, mehr kühlendes Grün in die Stadt zu holen. Ein weiterer Tipp: Helle Farben und Baumaterialien steigern die Reflexion von Sonnenlicht und helfen, die Oberflächen- und Lufttemperatur zu senken. Jalousien, Sonnensegel oder Arkaden helfen, Gebäude zu beschatten. Überhaupt: Kleine Schattenplätze bieten Stadtbewohnern die Möglichkeit, der Sonne zu entfliehen.
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Maßnahmen

Empfohlen wird auch die Begrünung von Dächern und Fassaden, Stellplätzen und Tiefgaragen. Die Stadt Nürnberg versucht hier seit Jahren über Förderprogramme, mehr kühlendes Grün in die Stadt zu holen. Ein weiterer Tipp: Helle Farben und Baumaterialien steigern die Reflexion von Sonnenlicht und helfen, die Oberflächen- und Lufttemperatur zu senken. Jalousien, Sonnensegel oder Arkaden helfen, Gebäude zu beschatten. Überhaupt: Kleine Schattenplätze bieten Stadtbewohnern die Möglichkeit, der Sonne zu entfliehen. © Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Abkühlung verschaffen natürlich auch Wasserflächen wie Teiche und Seen,
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Maßnahmen

Abkühlung verschaffen natürlich auch Wasserflächen wie Teiche und Seen, "aber auch Springbrunnen und andere künstliche Wasserflächen". Wichtig: An den Standorten sollte immer ein Luftaustausch gewährleistet sein, weil es sonst schwül wird. Das wiederum kann den Organismus empfindlicher Personen belasten. Trinkwasserbrunnen bieten zusätzlich Linderung bei Hitze. © Stefan Hippel