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12. Mai 1971: Ein neues Rathaus in der Altstadt

In zwei Ausschüssen fiel die Entscheidung über den Standort des Rechenzentrums - 12.05.2021 07:00 Uhr

Das Modell vom „technischen Rathaus“ an der Theresienstraße zeigt nur, wie das Raumprogramm untergebracht werden kann, nicht die künftige Gliederung und die Gestaltung der Fassaden. „Keine Pflatschen, sondern kleine Teile“: nach dieser Devise richtet sich Baureferent Görl.

11.05.2021 © NN


Für diesen Standort im Bereich der Rathäuser und für die von der Stadtverwaltung angemeldeten Raumwünsche entschied sich gestern der Personal- und Organisationsausschuß gegen die Stimme der FDP-Fraktion. Gleichzeitig genehmigte der Bauausschuß gegen den Willen der CSU und der FDP die in mehreren Abschnitten geplante bauliche Gestaltung.

Nach dem Ausgang der Ausschußberatungen darf erwartet werden, daß am 19. Mai auch der gesamte Stadtrat zustimmt, der am 21. April noch zu keiner Entscheidung gekommen war.

Die Argumente, die sie bereits damals vorgetragen hatten, wiederholten gestern ausführlicher Baureferent Otto Peter Görl und Personalreferent Karl Widmayer. Zunächst soll an der Stöpselgasse das elektronische Verwaltungsgehirn errichtet und anschließend Zug um Zug (und wie das Geld dafür lockergemacht werden kann) die ganze Baulücke geschlossen werden.

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Das gesamte Projekt umfaßt außerdem Schulungs- und Seminarräume, Speisesaal und Küche, Parkplätze, möglicherweise auch eine moderne Telefonzentrale und Büros. Denn die städtischen Beamten und Angestellten arbeiten häufig in gemieteten Räumen und ein Teil der Mietausgaben (zur Zeit jährlich 500 000 DM) könnte gespart werden.

4.600 Quadratmeter Nutzfläche insgesamt, davon im ersten Bauabschnitt 1.390 Quadratmeter, im zweiten 1.130 und der Rest im dritten Anlauf: diese Zahlen nannte der Baureferent gestern für das „technische Rathaus“. Über die Kosten sagte er nichts. Aber in der Stadtratssitzung vor vier Wochen waren insgesamt 22 Millionen DM und 11,1 Millionen DM für den ersten Abschnitt im Gespräch gewesen.

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„Das wird sehr, sehr teuer“, seufzte der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende Erich Wildner, nachdem Oberbürgermeister Dr. Urschlechter die Debatte freigegeben hatte. Aber er bekannte, daß sich die Opposition von der Notwendigkeit überzeugt habe.

Zur baulichen Gestaltung wünschte Wildner einen Architektenwettbewerb, weil die markante Stelle in der Altstadt eine gründliche Planung und die Wahl unter mehreren Lösungen verlange.

Keine „grüne Wiese“

Ganz anders hingegen SPD-Fraktionsvorsitzender Willy Prölß. Sogar der Ausschuß für Stadtentwicklung habe keine geeignete „grüne Wiese“ gefunden, die der Stadt gehört, erklärte er und fragte: „Sollen wir Gelände kaufen und das Areal an der Theresienstraße brachliegen lassen? Verlangen wir nicht auch von den Bürgern, daß sie die Baulücken schließen?“

So gab die Mehrheit der vereint tagenden Ausschüsse grünes Licht für die weitere Bearbeitung des Projekts. Denn schließlich drängt wieder einmal die Zeit. Bis die geplanten Personen-Kennzeichen eingeführt werden, muß die Anlage stehen. Außerdem ist vorgesehen, ihr Aufgaben der künftigen kommunalen Anstalt für Datenverarbeitung zu übertragen.

Widmayers Argument war vor kurzer Zeit erst im Zusammenhang mit dem Stadionausbau zu hören: „Nur wenn es gelingt, das neue Datenverarbeitungssystem der Stadt in diese Aufgaben einzugliedern, wird Nürnberg in der Lage sein, seine Stellung als Mittelpunkt Nordbayerns auch in dieser Hinsicht zu halten.“

Karl Engelhard

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