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13. August 1969: Ein Cafehaus und Leseterrassen an den Ufern

Auch an Pfahlbauten, Pavillons und Verkaufsstände ist gedacht - 13.08.2019 07:00 Uhr

Die Nordseite des Pegnitztales, wie sie die Nürnberger kennen: der Turm des Sebastianspitals spitzt über die Bäume, daneben steht das Fritz-Hintermayr-Heim, an das sich wiederum das Eisenwerk Tafel mit seinen mächtigen Schlöten anschließt. Das Gelände davor – links ist noch ein Teil des alten Pulversees zu erkennen, rechts steht die Brücke der Bundesbahnstrecke nach Bayreuth – wird den Untersee aufnehmen, auf dem die Segler und Ruderer, aber auch private Wassersportler ihr Steckenpferd reiten können. © Kammler


So bleibt der Untersee, der vom Talübergang bis zum Viadukt reicht, den Seglern überlassen, während auf dem Obersee – die Flußstraße bildet seine Ostgrenze – die Kanuten und Ruderer ihr Steckenpferd reiten dürfen. Mehr nicht, denn: für internationale und nationale Wettkämpfe sind 2000-Meter-Bahnen die vorgeschriebene Norm.

Obwohl die Chance ungenutzt bleibt, in den achtziger Jahren in Konkurrenz mit Duisburg-Wedau oder dem Balteney-See in Essen treten zu können, hat das Stadtplanungsamt einen Leitplan für den See und seine Ufer ausgearbeitet, den der Stadtrat nach den Sitzungsferien begutachten muß. Mit Sicherheit wird er die vielen darin enthaltenen "Schmankerln" mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen.

Und so sieht der Wöhrder See, der im Westen vom Talübergang und im Osten von der Flußstraße begrenzt wird, in der Planung aus. Deutlich sichtbar teilt ihn die Eisenbahnbrücke in einen Unter- und einen Obersee. Die Spitzmarken lassen erkennen, wie sich das Gartenbauamt die Ausgestaltung der beiden Ufer vorstellt: Liege- und Leseterrassen am Talübergang, ein Luft- und Sonnenbad neben dem Altenheim und eine eigene Insel für die Wassersportvereine an der Ostseite des neuen Gewässers. © Kammler


"Die vielen Erholungsuchenden sollen unter dem sportlichen Manko nicht leiden müssen", betont Gartenbaudirektor Theo Friedrich. Mit vorsichtigem Optimismus er weiß, daß schon zu oft ein Loch in der Haushaltskasse die schönsten Pläne verzögerte – sagt er voraus, daß der wasserbautechnische Teil 1975 vollendet sein wird. Weitere zwei Jahre sind für die Endbegrünung der Ufer nötig, die in seinen Amtsbereich fällt.

Die nackten Zahlen – der Stausee wird drei Kilometer lang und 150 Meter breit, die Seefläche umfaßt 50 Hektar, 45 Hektar Uferflächen müssen begrünt werden – verraten nur wenig, welch ein Paradies an der Pegnitz geschaffen wird, die 27,5 Millionen in der Kalkulation – zwei Millionen kostet der Grunderwerb, zehn Millionen der Wasserbau, weitere 7,6 beziehungsweise 7,9 Millionen müssen für Kanäle und Grünflächen ausgegeben werden –, lassen es nur ahnen.

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Im Flächennutzungsplan aber ist alles schon genau fixiert. Die Wassersportvereine erhalten im Obersee eine bebaubare Insel, auf der auch Parkplätze nicht fehlen werden. Überhaupt sind an beiden Ufern zahlreiche Abstellflächen vorgesehen, damit die Bürger dicht an den See heranfahren können.

Am Untersee sollen nicht nur die Segel für Wettfahrten gesetzt werden; ein großer Bootsverleih soll Erwachsenen und Jugendlichen fröhliche und erholsame Kurzweil auf dem Wasser ermöglichen. Sogar an die Kleinen ist mit einem Wasserspielplatz gedacht, auf dem sie ungefährdet Piraten mimen dürfen.

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Seine besondere Note aber soll der See an seinen Ufern erhalten. Theo Friedrich denkt hier an ein Cafehaus an der Südseite des Untersees, an eine Liege- und Leseterrasse direkt neben dem Talübergang, an ein Luft- und Sonnenbad neben dem Fritz-Hintermayr-Heim, an Pfahlbauten, Pavillons, Verkaufsstände entlang der Ufer und an viele andere zweckdienliche und musische Einrichtungen, die den Spaziergänger Urlaubsfreuden am Chiemsee und Tegernsee vergessen lassen.

"Die Stadt allein wird das nicht alles schaffen können. Man darf gespannt sein, inwieweit sich die private Hand an diesem zukunftsträchtigen Projekt beteiligen wird", stellt Direktor Friedrich fest. Er versichert schon heute, daß die vielen Rasenflächen nicht mit Schildern: "Betreten verboten" versehen werden. "Die Bevölkerung soll auf den Auenwiesen Erholung finden." Nach seinen Vorstellungen sollen auch überwiegend Pappeln, Weiden und Erlen gepflanzt werden, Bäume also, die sich vor Jahrhunderten selber angesiedelt hatten. 

R. P.

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