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19. Juli 1969: 1,5 Zentner Rauschgift im Gepäck

Kripo zog den Schlußstrich unter die spektakuläre Haschisch-Affäre - 19.07.2019 07:00 Uhr

Zahlreiche Kartons, die in dem Auto von Douglas C. gefunden wurden. Dabei hatten die Beamten noch kleinere Mengen Rauschgift entdeckt, die der Zivilamerikaner vermutlich zu seinen zahlreichen amerikanischen und deutschen Abnehmern bringen wollte. © NN


Damals hatten die Beamten eine internationale Haschisch-Party in einem Appartement in der Essenweinstraße auffliegen lassen, einen Zentner der „heißen“ Ware beschlagnahmt und elf US-Soldaten, drei Zivilamerikaner und zwei Deutsche festgenommen.

Hauptanführer der Bande ist der 22jährige Douglas C., der nach anfänglichem Leugnen jetzt ein Geständnis abgelegt hat. Er besorgte sich aus Pakistan und der Türkei den begehrten „Stoff“, organisierte die wiederholt zusammengetretene Haschischrunde und verkaufte für teures Geld die Rauschgift-Platten.

Neben der 16köpfigen Bande laufen noch Ermittlungsverfahren gegen 25 weitere Personen, die oft Gäste in der Essenweinstraße gewesen waren und mit Hilfe von Fotos identifiziert werden konnten, die in der Wohnung gefunden wurden. Zu diesem Kreis zählen auch zehn Mädchen zwischen 16 und 22 Jahren aus Nürnberg – alles Oberschülerinnen und Hausangestellte.

Was die Nürnberger Kripo mit Unterstützung von Interpol Ankara, London, Washington und Kopenhagen an Fakten zusammentrug, machte Douglas C. gesprächig. „Ich habe das Zeug mit dem Flugzeug und Auto herbeigeschafft“, erzählte er bereitwillig. Auch die Abnehmer gab er preis: „In erster Linie US-Soldaten und amerikanische Touristen.“

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Den größten Coup Iandete der 22jährige Zivilamerikaner, der als Berufsbezeichnung Student und Fotograf angibt, in Pakistan. Dort kaufte er für zehn Dollar je Kilogramm einen Zentner Haschisch, den er mühelos in zwei Reisetaschen nach Deutschland einschleuste. Sein Trick: um bei der Kontrolle auf dem Flughafen keine Schwierigkeiten zu bekommen, steckte er einen Arm in eine Schlinge, stützte sich mit der anderen Hand auf einen Stock und beauftragte einen Gepäckträger, seine persönliche Habe durch den Zoll zu bringen. „Niemand schöpfte Verdacht“, wunderte sich später Douglas C.

Dazu die Kripo: „Obwohl er drei Dollar für jedes Kilogramm Haschisch mehr bezahlt hatte als es im Durchschnitt üblich ist, war es ein Geschäft.“ Denn der Händler setzte in der Bundesrepublik das Gramm für 6 Mark ab. Allerdings stand ihm das Glück nicht immer zur Seite. In Istanbul drehte ihm ein Betrüger sechs Kilogramm Haschisch an, das sich als Farbpulver entpuppte. Ebenfalls in der Türkei besorgte er sich für 10.000 Mark 15 Kilogramm, von denen er zunächst nur die Hälfte geliefert bekam. Auf den Rest wartet er heute noch.

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Trotz gelegentlicher Mißerfolge war es Douglas C. möglich, ein flottes Leben zu führen. Er wollte sogar einen Schlußstrich unter seine dunklen Geschäfte ziehen und seine zweifelhafte Rauschgift-Karriere beenden. Bei den Verhören sagte der Zivilamerikaner: „Mein Ziel war es gewesen, einen Zentner Haschisch in die Staaten zu schmuggeln. Dabei hätte ich einen Profit von etwa 400.000 Mark gemacht – genug, um damit für den Rest meines Lebens finanziell ausgesorgt zu haben.“

Einen Teil der Ware hatte Douglas C. – wie berichtet – bereits versandfertig gemacht: er baute den Motor seines Plattenspielers aus, füllte das Loch mit Haschisch auf und wollte das Grammophon per Luftfracht an eine Deckadresse in die USA schicken. Als Versteck für den „Stoff“ diente ihm ferner der Lautsprecher einer Stereoanlage. Weil die Kripo einen Tag vor seiner geplanten Abreise über den großen Teich zuschlug, fiel den Beamten der größte Teil des Rauschgifts in die Hände. 

NN

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