19. November 1970: Autobahn nach Neumarkt ist frei

19.11.2020, 07:00 Uhr
Es ist so weit: „Scherenschnitt-Profi“ Georg Leber hat in routinierter Manier das Band durchtrennt. Die Strecken bis Neumarkt und Alfeld sind frei. Das Mikrofon des Rundfunks fängt sogar das Scherengeräusch ein. Mit lächelnder Miene stehen dabei (von links): Regierungspräsident Karl Burkhardt, Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Dr. Otto Schedl und Innenminister Dr. B. Merk. Im Hintergrund ist unter den „Schlachtenbummlern“ der Nürnberger SPD-Abgeordnete Leonhard Heiden zu sehen. Altdorfer „Wallensteiner“ assistierten.

Es ist so weit: „Scherenschnitt-Profi“ Georg Leber hat in routinierter Manier das Band durchtrennt. Die Strecken bis Neumarkt und Alfeld sind frei. Das Mikrofon des Rundfunks fängt sogar das Scherengeräusch ein. Mit lächelnder Miene stehen dabei (von links): Regierungspräsident Karl Burkhardt, Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Dr. Otto Schedl und Innenminister Dr. B. Merk. Im Hintergrund ist unter den „Schlachtenbummlern“ der Nürnberger SPD-Abgeordnete Leonhard Heiden zu sehen. Altdorfer „Wallensteiner“ assistierten. © NN

Die offizielle Freigabe des neuen Nürnberger Autobahnkreuzes und der zwei Teilstücke von Nürnberg nach Neumarkt und nach Alfeld sorgen für schnelleren und gradlinigeren Autobahnverkehr.

Seit gestern 16 Uhr liegt die Oberpfälzer Stadt Neumarkt nur noch 24 Autobahnkilometer von Nürnberg, dem Herz des mittelfränkischen Ballungsraumes entfernt. Das Teilstück Nürnberg – Neumarkt der künftigen Autobahn Nürnberg – Regensburg wurde noch vor Einbruch des Winters bei typischem Novemberwetter dem Verkehr übergeben.

Es führt vom Nürnberger Autobahnkreuz in südöstlicher Richtung über das Autobahnkreuz Altdorf und erreicht das Tal der Neumarkter Schwarzach. Die Anschlußstelle Neumarkt ist durch eine zwei Kilometer lange Zufahrtsstraße mit dem übrigen Straßennetz verbunden, weitere Anschlußstellen sind bei Altdorf, Burgthann und Oberölsbach entweder fertiggestellt oder noch im Bau.

Ebenfalls freigegeben wurde für die künftige Autobahnroute Nürnberg – Amberg – Prag der 19 Kilometer lange Streckenabschnitt Altdorfer Kreuz bis zur Anschlußstelle Alfeld im Kreis Hersbruck. Offiziell rollt nun auch der Autoverkehr über das neugestaltete Nürnberger Kreuz.

Es wurde – wie bereits ausführlich berichtet – so umgebaut, daß die Hauptverkehrsrichtung Frankfurt – Würzburg – München durchgehende Fahrbahnen erhielt; der sommerliche Urlauberstrom aus dem Westen wird mit dem aus Berlin kommenden Autoverkehr nicht mehr kollidieren, da sich der „Berliner Betrieb“, der erfahrungsgemäß eine weit schwächere Frequenz aufweist, in den Hauptstrom einfädeln muß. Für den Umbau des Kreuzes wurden 34 Hektar Waldfläche in Anspruch genommen, vier Überführungen und zwei Unterführungen gebaut und drei Unterführungen verlängert.

Summa summarum: sechs Kilometer Autobahn wurden für das Kreuz neu gebaut oder umgestaltet. Somit ist das bayerisch-fränkische Autobahnnetz um knapp 50 Kilometer länger geworden, durchziehen den Landkreis Nürnberg weitere Autobahnkilometer. Der Landkreis Nürnberg war sowieso schon der Kreis in Bayern mit den meisten Autobahnkilometern.

Aber erst Ende 1971 werden beide Autobahnlinien, Nürnberg – Regensburg und Nürnberg – Amberg, durchgehend betriebsbereit sein. Es fehlen noch die letzten Glieder in dieser Betonkette: das ist der 27 Kilometer lange Abschnitt von Neumarkt bis Parsberg und der 24 Kilometer lange Abschnitt Alfeld – Amberg – beide mit Hochdruck im Bau.

Erst im nächsten Herbst werden damit zwei Ziele erreicht, die besonders von der Wirtschaft, der Industrie und dem Fremdenverkehr Ostbayerns seit vielen Jahren unablässig angestrebt werden.

Was die Schließung dieser Autobahnlücken von Nürnberg in die oberpfälzischen Industriestädte bedeutet, kann keiner besser beurteilen als das Millionenheer der Autofahrer, das seit Jahren wahrhaftige Hindernisrennen auf den für den Verkehr des siebenten Jahrzehnts unzulänglichen Bundesstraßen 8, 14 und 85 ohne Schaden an Gesundheit und Gut überstanden hat.

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