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2000 Prozent mehr: Rapider Kokain-Anstieg in Nürnberg

"Astronomische Mengen" an Drogen verschiedenster Art: Polizei schlägt Alarm - 06.07.2020 15:20 Uhr

Im Jahr 2019 war die beschlagnahmte Menge an Kokain in Nürnberg um 2000 Prozent höher als 2018.

© Christian Charisius, NZ


Man glaubte kurz, sich verhört zu haben, als der Leitende Kriminaldirektor Holger Plank im Rechts- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrats die Entwicklung skizzierte. 2019 sei die beschlagnahmte Menge an Kokain in Nürnberg um 2000 Prozent höher gewesen als im Jahr 2018, sagte der Chef der Abteilung Verbrechensbekämpfung im Polizeipräsidium. Bei Marihuana lag die Steigerung der sichergestellten Menge bei 900 Prozent. Amphetamine: plus 850 Prozent. Und psychoaktive Pilze und andere psychoaktive Substanzen: plus 1000 Prozent – um nur einige Beispiele zu nennen.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Rauschgiftkriminalität Sorge bereitet, wie es Polizeipräsident Fertinger formulierte – wobei zur Wahrheit auch gehört, dass ein erhöhter Kontrolldruck durch die Polizei zu mehr Drogenfunden führt. "Doch der Markt wird immer größer", so Fertinger weiter. Nürnberg dürfe aufgrund seiner zentralen und verkehrsgünstigen Lage nicht zur Drehscheibe im Rauschgift-Handel werden, so der Polizeipräsident.

Nicht nur bei Kokain, auch bei anderen Drogen ist die Entwicklung in Nürnberg alarmierend: Bei Marihuana lag die Steigerung der sichergestellten Menge gegenüber dem Vorjahr bei 900 Prozent. Amphetamine: plus 850 Prozent. Und psychoaktive Pilze und andere psychoaktive Substanzen: plus 1000 Prozent.

© Sven Hoppe, NZ


Nach diesen Aussagen und vor dem Hintergrund der hohen Zahl an Drogentoten im vergangenen Jahr – 34 Menschen starben in Nürnberg an einer Überdosis – bekräftigte CSU-Stadtrat Rainer Nachtigall gegenüber der Stadtverwaltung, dass seine Fraktion "ein ganzheitliches Konzept erwartet und nicht eines, das auf einen Drogenkonsumraum zugeschnitten ist". Nachtigall bezeichnete einen Konsumraum als "ein Mittel von vielen, aber nicht als erste Wahl". Wie berichtet, arbeitet die Verwaltung aktuell an einem Konzept für ein Drogenhilfezentrum, dessen Ausgestaltung umstritten ist.

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SPD-Stadtrat Ulrich Blaschke nahm diesen Ball gern auf und interpretierte Nachtigalls Aussage dahingehend, dass die CSU gesprächsbereit sei, was einen Konsumraum anbelangt. Und erinnerte an Zeiten, als solche Aussagen von den Konservativen noch undenkbar waren und die CSU den Stadträten entgegenhielt: "Wir wollen kein Rauschgift-Haus."

Der Leitende Kriminaldirektor Holger Plank.


Stadtrat Blaschke betonte aber auch, dass für die SPD bei einem Drogenhilfezentrum "auch die Möglichkeit des geschützten Konsums dazugehört" – für die Menschen, die mit einer Therapie nicht mehr erreichbar seien. Und Grünen-Stadtrat Kai Küfner mahnte, dass die Stadt das Konzept angesichts der vielen Drogentoten schnell auf den Tisch legen soll.

Das Thema Drogen war nur ein Aspekt bei der Präsentation des Sicherheitsberichts durch die Polizei im Stadtrat. Insgesamt geht die Kriminalität seit Jahren zurück. So ist die Zahl der in Nürnberg erfassten Straftaten 2019 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um rund sieben Prozent auf gut 39 500 Delikte gesunken, obwohl die Bevölkerung stetig wächst.Die Aufklärungsquote ist gleich geblieben: Zwei von drei Straftaten werden von der Polizei aufgeklärt. Nürnberg sei die zweitsicherste Großstadt in Deutschland. Fertingers Ziel: Nürnberg soll auf Platz eins landen.

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