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22. Mai 1969: Jubiläumsprogramm fürs Dürer-Jahr vorgestellt

Stadt ließ sich das Jubiläm 4,4 Millionen Mark kosten - 22.05.2019 11:10 Uhr

Vor 50 Jahren stellte der damalige Kulturreferent Hermann Glaser (links) den Stadträten in der Kaiserstallung an einem Modell das "Noricama"-Konzept vor. © Foto: Friedl Ulrich


Davon liegen zwei Millionen bereits auf der hohen Kante. Der Rest soll in den Haushaltsplänen 1970 und 1971 bereitgestellt werden. Ein großer Teil der Investitionen soll über das Dürer-Jahr hinaus in Museen und Kunstsammlungen Früchte tragen. Kulturreferent Stadtrat Dr. Hermann Glaser zitierte zu Beginn seines Sachvortrages Albrecht Dürer: „Das müßte ein gar spröder Verstand sein, der nicht den Mut hat, etwas Neues zu erfinden, der immer auf der alten Bahn bleibt und nicht den Mut hat, weiter zu denken.“

Nun, Neues wurde wahrlich erfunden. Beginnen wir bei der Attraktion für Touristen und solche, die weder Museen noch Einzelveranstaltungen besuchen. Für sie wird in der Kaiserstallung eine Multi-Media-Ausstellung mit dem Titel „Noricama“ eingerichtet. Hinter dieser geheimnisvollen Bezeichnung verbirgt sich die Idee, die Geschichte der Stadt mit den Mitteln des Bildes, des Tones und der Farben unter Zuhilfenahme technischer Tricks so darzustellen, daß der Besucher mitmacht, mitgerissen wird und bleibende Erinnerungen aufnimmt. Dieses Verfahren, das keineswegs auf guten Geschmack verzichten will, wurde schon in England, Kanada und in der Schweiz, aber noch nie in Deutschland angewandt.

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Am Modell erläuterte Stadtrat Dr. Glaser „Noricama“ vor der Sitzung im Festsaal der Kaiserstallung. Der Besucher betritt das Labyrinth des Nürnberger Waldes bei elektronischer Musik. Er erlebt die Sigena-Szene, betrachtet das Modell der Stadt, betritt einen Handelshof, in dem es nach Gewürzen riecht, bewegt sich wie die Kurfürsten beim Männleinlaufen am Kaiser vorbei und sieht dann Nürnberg, als Stadt der Künste.

Der Weg führt ins Dürer-Haus, ins Hans-Sachs-Haus und in den Chor der Lorenzkirche. Nächste Station ist Nürnberg als Stadt der Politik. Aus dieser Abteilung wurde als Beispiel für ein Schlüsselereignis eine Szene vorgespielt: das Friedens-Feuerwerk von 1650, ein buntes Lichterspiel hinter Silhouetten der Stadt, die auf feine Drahtgeflechte projiziert werden. Dazu hörte man vom Band das barocke Kley-Gedicht zu diesem Feuerwerk. Die Schau endet mit der Darstellung der Industriestadt Nürnberg und ihres Wiederaufbaues nach der Zerstörung. Die Kosten für diese bleibende Ausstellung – eine Million Mark – sollen durch Eintrittsgelder wieder hereinkommen.

Stadtrat stimmte zu

Der Kulturreferent erläuterte sodann die geplanten Ausstellungen – insgesamt sind es sieben im Lauf des Jahres – sowie das Programm der Städtischen Bühnen mit auf die Dürer-Zeit bezogenen Werken, einer Auftragsoper, Gastspielen und Konzerten. Auf dem Programm stehen weiter eine Vortragsreihe, ein Essay-Wettbewerb für die akademische Jugend, ein Malwettbewerb für Kinder, sogenannte „Höhepunktveranstaltungen“ und das Bestreben, bedeutende Kongresse im Dürer-Jahr nach Nürnberg zu ziehen. Es ist ferner vorgesehen, das Dürer-Haus und das Altstadtmuseum baulich zu verbessern, den Grundstock für eine neue städtische Kunstsammlung zu erwerben und das Institut für moderne Kunst auszubauen.

Die SPD – Stadtrat Hübner – stimmte dem Programm des Kulturreferats ohne Einschränkung zu und bedankte sich bei Planern für ihre mühevollen Vorarbeiten. Die FDP – Stadtrat Flach – war nach einer Rückfrage zur finanziellen Seite ebenfalls einverstanden. Die CSU – Stadtrat Dr. Rost – hatte einige Bedenken. Sie bemängelte, daß noch kein Terminplan aufgestellt sei und meinte, daß deshalb die Übersicht fehle.

"Wir haben kein Mißtrauen"

Zu diesem Punkt konnte Dr. Glaser der CSU bereits verbindliche Auskunft geben: von April bis Oktober 1971 stünden wöchentlich nicht mehr als drei Veranstaltungen auf dem Programm. Die Opposition glaubte jedoch auch, sich über zu wenig „Teilhabe“ bei der Auswahl der Redner zum Dürer-Jahr beklagen zu müssen. Mit „Teilhabe“ spielte Dr. Rost ganz offensichtlich auf das Motto des Nürnberger Gesprächs 1969 an.

Die Diskussion zwischen der Rechten und der Linken wurde etwas hintergründig, blieb aber betont freundlich. So sagte Stadtrat Prölß: „Ihr Mißtrauen gegen Dr. Glaser ist unbegründet“. Darauf Stadtrat Holzbauer: „Wir haben kein Mißtrauen, höchstens eine zunehmend intensivere Kenntnis von der Psychologie des Schul- und Kulturreferenten.“

Oberbürgermeister Dr. Urschlechter fand die Kompromißformel: Weitere wichtige Einzelfragen werden im Schul- und Kulturausschuß beraten. So will der Stadtrat eines Sinnes das Dürer-Jahr 1971 zur Ehre des großen Meisters und zum Besten der Stadt Nürnberg vorbereiten. 

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