23. Dezember 1969: Per Interview und Tonband

23.12.2019, 07:06 Uhr
Diskussion mit den Preisträgern: von links Herbert Carl Traue, Monika Kraußer, Dr. Glaser, Christa Rudloff.

Diskussion mit den Preisträgern: von links Herbert Carl Traue, Monika Kraußer, Dr. Glaser, Christa Rudloff. © Ulrich

Vielleicht lag es daran, daß Nürnbergs Kulturdezernent Dr. Hermann Glaser seine Übergabe vorn bürokratischen Odium befreite: Nicht mehr im Rathaus, nur vor Stadträten, bei obligatorischem Weihnachtsampelschein, wurde der Förderungspreis 1969 überreicht, sondern, am kulturträchtigen Ort: in der Kunsthalle, vor jedermann, bei einem Rundgespräch zwischen Glaser und den Preisträgern.

Und sie alle, die Pianistin Monika Weiß-Kraußer aus Bayreuth, die Malerin und Graphikerin Christa Rudloff, der Werbegraphiker Herbert Carl Traue, beide aus Nürnberg, sie „empfanden den Förderungspreis der Stadt Nürnberg als Ansporn“. Literat Uwe Brandner, der wegen Grippe nicht teilnehmen konnte, gab telefonisch an uns durch: „Ich bedauere es besonders, gleich bei der Verleihung des ersten Preises an mich, krank zu sein.“ Den Besuch in Nürnberg will er in Kürze nachholen.

Die Preisbedingung, mit Franken verbunden zu sein, erfüllen sie alle nur noch durch die Geburt – nicht mehr durch ihr Werk. Der „Fränkische Künstler“ ist tot für sie, Frankens Umwelt und Atmosphäre schlägt sich nicht mehr in ihrer Arbeit nieder. Malerin Rudloff: Kunst kann weder bayrisch noch deutsch sein. Brandner per Tonband: „Meine Literatur hat nichts mehr mit Franken zu tun“; der Heimatschriftsteller ist passé.

Glasers Frage: Ob künstlerische Arbeit hier in Franken „ein schweres Brot“ sei? Antwort der drei: Die Resonanz sei gut. Nur: ohne Konzessionen (Traue) und Zubrot durch pädagogische Unterweisung (Weiß-Kraußer am Städtischen Konservatorium, Rudloff an der Modefachschule) könne man nicht leben. Brandner studiert Theaterwissenschaft, hat drei Romananfänge fertig, möchte einen Film machen und meint: „Kunst für die Vielen ist eine Unmöglichkeit.“

Wie sie selbst ihr Werk deuten? Für Traue ist seine Kunst (nicht seine Werbegrafik) Entspannung vom Arbeitsalltag, für Christa Rudloff ist sie Kunst: Schrift und Typografie sind ihr „bildnerisches Medium“, Formensprache – nicht mehr lesbar, nur noch gestaltbar. Kostproben ihres und Traues Talents standen (und stehen) zur Besichtigung an. Und da scheint uns, als habe Nürnberg seine Förderungspreisdotation von je 2000 DM gut und richtig verteilt. Auch das scheint uns geglückt: Glasers unkonventionelle Art und Weise, Preise an Künstler und unter das Volk zu bringen. Da blieb Oberbürgermeister Dr. Urschlechter nicht viel mehr zu tun, als Urkunde und Scheck freundlichst zu überreichen.

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