310Klinik: Arbeitete mutmaßlicher Hochstapler nachts als Arzt?

RESSORT: Lokales..DATUM: 24.03.19..FOTO: Michael Matejka  MOTIV: Portrait / Mitarbeiterportrait Karin Winkler ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Karin Winkler

Lokalredaktion Nürnberg

E-Mail

9.4.2019, 05:40 Uhr
In der 310Klinik in Schafhof war der 45-Jährige als Verwaltungsdirektor beschäftigt. Jetzt gibt es Hinweise, dass er dort auch ärztlich tätig gewesen sein könnte.

© Karin Winkler In der 310Klinik in Schafhof war der 45-Jährige als Verwaltungsdirektor beschäftigt. Jetzt gibt es Hinweise, dass er dort auch ärztlich tätig gewesen sein könnte.

Der 45-Jährige war sechs Wochen lang als persönlicher Referent des Vorstandes für Medizin und Entwicklung am Klinikum Nürnberg ausschließlich mit allgemeinen Verwaltungsaufgaben betraut. Als Zweifel an seiner akademischen Vita lautwurden, forschte das Klinikum nach. Es stellte sich heraus, dass die vorgelegten Unterlagen, die ihn als Arzt ausweisen sollten, gefälscht waren.

Zweifel an der Kompetenz

Auf unseren Artikel hin meldeten sich nun mehrere ehemalige Mitarbeiter der 310Klinik und berichteten, dass der mutmaßliche Betrüger dort nicht nur als Verwaltungsleiter, sondern auch ärztlich tätig gewesen sei. Er habe als Bereitschaftsarzt und häufig nachts gearbeitet. Er sei auch im Operationssaal aufgetaucht. Die Mitarbeiter äußerten gegenüber der Redaktion, dass sie schon damals starke Zweifel an seiner ärztlichen Kompetenz gehabt hätten. Sie hätten es aber nicht gewagt, dies gegenüber dem damaligen Geschäftsführer zu äußern, weil dieser eng mit dem Betroffenen zusammenarbeitete.

Eine Anfrage der Redaktion über eine mögliche ärztliche Tätigkeit des 45-Jährigen beantwortet die Klinik ausweichend. "Die Geschäftsleitung unseres Hauses nimmt die öffentlich gewordenen Vorwürfe gegen den ehemaligen Verwaltungsdirektor unseres Hauses sehr ernst", so die Sprecherin der 310Klinik, Ecem Ucar. Zur "konsequenten und lückenlosen Aufklärung" habe man einen Anwalt hinzugezogen und die Staatsanwaltschaft Nürnberg eingeschaltet.

Geschäftsführung distanziert sich

Der Betroffene war bis November 2018 als Verwaltungsdirektor bei der 310Klinik tätig. Insgesamt habe er "etwa vier Jahre" dort gearbeitet, teilweise auch als Freischaffender. Über die Gründe, die zur Kündigung durch den neuen Geschäftsführer Holger Koch führten, äußert sich das Haus nicht. Man distanziere sich aber ausdrücklich sowohl vom ehemaligen Geschäftsführer wie auch vom Ex-Verwaltungsdirektor.

Insider berichten, dass in dem 59-Betten-Haus das blanke Entsetzen über die jüngsten Enthüllungen unserer Zeitung herrsche. Der neue Geschäftsführer habe ein Akten-Chaos vorgefunden und sich gemeinsam mit Experten in den letzten Tagen durch Berge von Verwaltungsunterlagen gearbeitet.

Ein falsches Dokument vom Bundespräsidenten

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg bestätigte auf Nachfrage der Redaktion, dass der Anwalt der 310Klinik am Freitag Kontakt aufgenommen und Kooperation signalisiert hat.

Das Klinikum hat den 45-Jährigen bei der Polizei angezeigt. Der ehemalige persönliche Referent sagte von sich, er sei Arzt und Diplom-Jurist. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe ihn zum Professor für Rechtsmedizin und zum Direktor des Bundeskriminalamtes ernannt. Eine entsprechende Urkunde, die der damalige Geschäftsführer der 310Klinik per Mail an einen großen Verteiler verschickte, liegt der Redaktion vor. Das Bundespräsidialamt kennt sie nicht: "Das von Ihnen übermittelte Dokument hat im Bundespräsidialamt nicht vorgelegen. Es handelt sich nicht um eine hier angefertigte Urkunde", teilte Tobias Scheufele, Sprecher des Bundespräsidialamtes, auf Anfrage mit.

Urkunden gefälscht

Die Doktorarbeit des 45-Jährigen war nicht in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet, stellte sich bei Nachforschungen des Klinikums Nürnberg heraus. Die Promotions- und die Approbationsurkunde sind gefälscht. "Die auffällige Selbstdarstellung - zum Beispiel als Leibarzt der Queen tätig gewesen zu sein - ist bei der Einstellung selbstverständlich nicht bekanntgewesen", meint Vorstandsvorsitzender Prof. Achim Jockwig.

Der Personalabteilung und den einstellenden Personen sei kein Vorwurf zu machen. Nach ersten Verdachtsmomenten habe die Aufklärung nur wenige Tage gedauert. Für die Aufgabe als Referent des Vorstandes für Medizin und Entwicklung war die Qualifikation als Arzt nicht erforderlich.

3 Kommentare