4. Juni 1969: Franken im Stadtbild

4.6.2019, 07:00 Uhr
Charakteristisches im fränkischen Stadtbild zeigt dieses Blatt, das um 1600 zu einer Bau-Eingabe gehörte und die Pegnitzseite der Kaiserstraße darstellt: einfaches Fachwerk, Höfe und die Dachtraufe meist der Straßenseite zugewandt.

Charakteristisches im fränkischen Stadtbild zeigt dieses Blatt, das um 1600 zu einer Bau-Eingabe gehörte und die Pegnitzseite der Kaiserstraße darstellt: einfaches Fachwerk, Höfe und die Dachtraufe meist der Straßenseite zugewandt. © Privat

Zugleich zeigt er die Unterschiede zwischen der fränkischen und der bayerischen Stadt und die Entwicklung, die die Nürnberger Wohnhäuser im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht haben.

Archivdirektor Dr. Fritz Schultheiß (r.) und Dr. Wilhelm Schwemmer, der die Ausstellung gestaltet hat, vor einer der Vitrinen im II. Stock des Stadtarchivs.

Archivdirektor Dr. Fritz Schultheiß (r.) und Dr. Wilhelm Schwemmer, der die Ausstellung gestaltet hat, vor einer der Vitrinen im II. Stock des Stadtarchivs. © Kammler

Am Anfang – so erinnert die Ausstellung – gab es die manchmal umfangreichen Wohnanlagen der Großbürger, die dem im Geviert angelegten fränkisch-mitteldeutschen Bauernhof ähneln. Dieser Großhof, aus dem sich als Sonderform auch das Patrizierschlößchen entwickelt hat, wandelt sich im 15. Jahrhundert zum Kaufmannshof. Dagegen stehen die Häuser der Handwerker, ein- bis dreigeschossig, meist aus Fachwerk, mit einem kleinen Hof. Der bürgerliche Mittelstand aber wohnt in Bauten von zuweilen beachtlicher Größe, wie das Pilatushaus beweist. Einen weiterentwickelten Typ mit Steinsockel stellt das Albrecht-Dürer-Haus dar.

Der Historiker Dr. Schwemmer begnügt sich jedoch nicht damit, das Fränkische an Nürnberg hervorzukehren. Er zeigt im Vergleich dazu die „bayerische Stadt“, bei der die Häuser ihre Giebelseite der Straße zuwenden und für die Lauf an der Pegnitz ein gutes Beispiel gibt. In Ostfranken aber liegt die Traufseite an der Straße. So entsteht ein „ruhiger“ Eindruck von der Straßenflucht, die sich aber dennoch durch eine phantasievolle Gestaltung auszeichnet. Der gerade daraus entstehende romantische Einschlag im Stadtbild war es schließlich, der Franken berühmt gemacht hat.

Die Ausstellung im Stadtarchiv zeigt noch viele andere Merkmale: beispielsweise die Schlichtheit des Nürnberger Fachwerks, wie es noch an den Sieben Zeilen sichtbar ist, gegenüber dem verzierten anderswo. Vervollständigt wird sie durch mannigfache Bauzeichnungen aus früheren Jahrhunderten und durch Stücke wie die Kopie des Altstadt-Modells von 1540, auf dem deutlich zu sehen ist, daß damals noch nicht alle Burg-Bastionen errichtet waren.

Bei der Eröffnung gestern nachmittag kündigte Stadtarchiv-Direktor Dr. Fritz Schultheiß – sicher zur Freude der vielen Altstadt-Freunde – an, daß die Gedanken, von denen einige in der Schau anklingen, in absehbarer Zeit veröffentlicht werden. Dr. Wilhelm Schwemmer schreibt ein Buch über das Nürnberger Bürgerhaus, in dem er die Entwicklung vom fränkischen Bauernhof zum Kaufmannshof und zum Bürgerhaus darlegen wird.

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