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5. Juni 1971: Sturzflut ärger als 1909

5.6.2021, 07:00 Uhr
Zwei Feuerwehrleute konnten sich mit Mühe aus diesem Wagen retten, der im Hirschbachtal von der Flut mit großer Gewalt an eine Brücke geschwemmt worden war. Das Bild gibt einen Eindruck von den schweren Zerstörungen in dem beliebten Ausflugsgebiet.

Zwei Feuerwehrleute konnten sich mit Mühe aus diesem Wagen retten, der im Hirschbachtal von der Flut mit großer Gewalt an eine Brücke geschwemmt worden war. Das Bild gibt einen Eindruck von den schweren Zerstörungen in dem beliebten Ausflugsgebiet. © Piper

Die Schäden sind nach den Beteuerungen älterer Bewohner schlimmer als im Überschwemmungsjahr 1909. Vor 62 Jahren richtete bekanntlich nicht nur die Pegnitz, sondern auch viele fränkische Flüßchen und Bäche – der damals noch an keiner Stelle regulierte Hirschbach ebenfalls – schwere Verwüstungen an. Nürnberg vergißt dieses Katastrophenjahr nie. Doch im Hirschbachtal war die Flutnacht im Juni 1971 das Schlimmste, was sich dort in diesem Jahrhundert ereignet hat.

Am Donnerstagabend war im oberen Hirschbachtal über die Gemeinden Achtel und Klausen ein Unwetter mit Hagelschlag – wie die Talbewohner später ihre Schreckensbotschaften allesamt begannen – hereingebrochen. Obwohl sich herumsprach, daß dort Häuser brannten und die Hirschbacher Feuerwehr zusammen mit Feuerwehrleuten aus Sulzbach-Rosenberg im Einsatz waren, dachte kaum jemand an etwas ganz Schlimmes. Viele Bewohner des Tales gingen später ruhig schlafen.

In 50 Meter Breite kommt die Flut auf Fischbrunn zugeschossen. Die Leute stehen nachts vor ihren Häusern.

In 50 Meter Breite kommt die Flut auf Fischbrunn zugeschossen. Die Leute stehen nachts vor ihren Häusern. © Piper

Oben im Tal dachte allerdings niemand an Schlaf. Um 20.30 Uhr gab Feuerwehrkommandant Günter Gottschalk aus Sulzbach-Rosenberg von einem Einsatzfahrzeug aus Hochwasseralarm. 95 Minuten später wurde sogar Katastrophenalarm ausgerufen. Inzwischen waren auch im unteren Tal Unruhe und Angst ausgebrochen.

In Fischbrunn eilte Bürgermeister Rudolf Schütz, von der Landpolizei verständigt, zu den Häusern, die am gefährdetsten waren. Bei seinem 50jährigen Nachbarn Konrad Paulus hatte Bürgermeister Schütz die größte Mühe, die Leute im Hause wachzutrommeln. Eile war geboten, denn an Paulus Haus schoß das Wasser schon vorbei und begann in die Räume im Parterre einzudringen.

Die einzelnen Orte im Tal waren von der Flut voneinander getrennt. Erst als nach Mitternacht das Wasser nicht mehr stieg und der Pegel langsam fiel, wurde eine Zugmaschine mit einem Anhänger, bemannt mit Helfern, in Bewegung gesetzt.

Die Straße hinauf nach Hirschbach dampfte vor Feuchtigkeit. Auf dem Asphalt zuckten hier und da Lebewesen: es waren Forellen.

Noch in der Nacht begannen die meisten Bewohner mit den Aufräumungsarbeiten. In den niedrigen Häusern liefen Leute mit Besen, Schaufeln und Eimern herum.

Am Freitagmorgen schien über dem Hirschbachtal wieder die Sonne. Das Unwetter vom Vortag hatte die Schwüle nicht vertrieben. Hier und da tauchten Urlauber in Wanderkleidung auf. Es sah fast so aus, als wenn nichts passiert wäre.

Im schwer betroffenen Gasthaus „Zum Schloß“ war die ganze Familie mit Helfern dabei, kübelweise Schlamm aus dem Haus zu tragen. Vor dem Stall im Hof lag eine Reihe toter Ferkel.

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