6. Mai 1969: Bald Schiffe in Sicht

6.5.2019, 07:00 Uhr

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Die Rhein-Main-Donau AG als Gastgeber spielte mit offenen Karten. Freimütig nannten Vorstandsmitglied Dr. Fuchs und Oberregierungsbaudirektor Hugel von der Bayerischen Landeshafenverwaltung die Milliarden, die der Europa-Kanal mit seinen Häfen und Anlegestellen kostet, führten an die wichtigsten Bauwerke in Kriegenbrunn, Weikershof bei Fürth und im Hafengelände und nährten die schöne Hoffnung, daß auf der Strecke Bamberg-Nürnberg jährlich 2,5 bis drei Millionen, von Nürnberg nach Regensburg 13 bis 15 Millionen Tonnen Fracht befördert werden.

Die Zweifler aber, und es waren seit dem ersten Spatenstich nicht wenige, hörten klipp und klar: der Staatshafen wird 1971 „trocken“, im Sommer 1972 „naß“ in Betrieb genommen. Vorstandsmitglied Dr. Fuchs, Direktor Hugel und Diplom-Ingenieur Rolf Wiesner von der Hafenbauverwaltung in Nürnberg konnten den Pressevertretern und damit auch den Bürgern nicht mit brandneuen Sensationen dienen, aber sie bewiesen, daß der sogenannte Duisburger Vertrag vom 16. September 1966, der die Schließung der Lücke im Europa-Kanal durch den Main-Donau-Kanal bis 1981 bestimmt, nicht nur ein Machwerk ist.

Im Gegenteil: der Fortschritt der Arbeiten ist selbst für den Laien klar erkennbar. Da ist die Schleuse Kriegenbrunn bei Erlangen, die mit 18 Metern den bisher höchsten Hub in der Kanalstrecke ab Bamberg hat. Bei einer lichten Breite von zwölf Meter und einer Länge von 190 Meter kann sie einen 170 Meter langen Schubzug, bestehend aus dem zwanzig Meter langen Schubboot und zwei Europakähnen mit einem Fassungsvermögen von je 1.500 Tonnen auf einmal bewältigen. Daß ein solches Bauwerk mit seinen gewaltigen Ausmaßen 30 Millionen verschlingt, leuchtet ein.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß zwischen Kriegenbrunn und Nürnberg nicht weniger als 25 Überquerungen verschiedenster Art erforderlich sind. Das wohl monumentalste Bauwerk überhaupt entsteht in Weikershof im Landkreis Fürth. Mißtrauisch äugten die Presseleute aus Franken und München nach oben, als erklärt wurde: „Der riesige Brückentrog kann sich sozusagen frei bewegen; die Stahlmasse ist nicht auf sogenannte Gleitschienen gelagert, damit sie sich bei Temperaturschwankungen ausdehnen und zusammenziehen kann.“

Brückentrog? Nun, die wasserrechtlichen Auflagen führten dazu, daß der Kanal über die Rednitz hinweggeführt werden muß. Künftig sicher ein ungewöhnliches Bild, wenn der Fischer unten seine Angelschnur auswirft, und über seinem Kopf die Schiffe ihre Bahn ziehen. 13 Millionen kostet die teure Konstruktion, und die Rhein-Main-Donau-AG glaubt, sie für die „Ewigkeit“ investiert zu haben.

Bleibt noch zu erwähnen, daß der Bau der Reststrecke Nürnberg-Kelheim-Regensburg mit dem Erwerb zahlreicher Grundstücke, dem Planfeststellungsverfahren für die Stufe Eibach und mit der Vergabe von Stahlwasserteilen sowie neuen Straßenbrücken eingeleitet wird.

1981 soll der Europa-Kanal 13 wichtige Länder unseres Kontinents zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer miteinander verbinden. Nürnberg wird dann wieder wie schon im Mittelalter zu einem Knotenpunkt europäischer Handelswege.

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