60-Millionen-Projekt: Nürnberger Ex-Fabrik weicht Wohnungen

Jo Seuß, Redaktion Lokales Nürnberg & Stadtanzeiger
Jo Seuß

Lokales Nürnberg & Stadtanzeiger

E-Mail

28.4.2019, 05:26 Uhr

Das langgezogene Grundstück an der Kreulstraße ist die letzte große Fläche für Wohnungsbau am früheren Nordbahnhof. Im Gebiet zwischen Nordring, Uhlandschule und Grolandstraße wurden jahrzehntelang vor allem Güter von der Schiene auf die Straße und umgekehrt gebracht. Seit den 1990er Jahren war klar, dass die Bahn das Areal nicht mehr braucht. Nach einem langen Abstimmungsprozess kam der Wandel – von 2011 bis 2015 wurden 122 Eigentumswohnungen und 190 Reihenhäuser errichtet, flankiert von der neuen Dreifachturnhalle der Uhlandschule samt Jugendtreff.

Offen blieb bis 2017 die Bebauung entlang der Kreulstraße, wo in den 1960er Jahren die Fabrikhallen für die Modelleisenbahnfirma Trix entstanden, inklusive einem kunstvollen Fliesen-Fassadenbild aus Lokomotiven und Waggons. Nach diversen Umstrukturierungen wurde Trix schließlich 1996 vom Konkurrenten Märklin übernommen und die Produktion verlagert. In der Trix-Fabrik residierte danach lange Zeit ein Möbellager der Noa.

Nun stehen die Zeichen unübersehbar auf Veränderung: Der Abriss der Gebäude hat begonnen, denn die Niederlassung Nürnberg der BPD Immobilienentwicklung GmbH wird in zwei Abschnitten insgesamt 113 Eigentumswohnungen errichten. Bis September sollen die Abbrucharbeiten fertig sein, danach werden laut Ronny Kriemichen, Pressesprecher bei BPD, in der Kreulstraße 40 die ersten 57 Wohneinheiten des "K40"-Projektes errichtet. Auf der rund 11.000 Quadratmeter großen Fläche entstehen fünf zusammenhängende Gebäude mit Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, die zwischen 53 und 172 Quadratmetern groß sind.

Der Bezog der ersten Gebäude wird für Dezember 2021 angepeilt, wann der zweite Bauabschnitt startet, ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch, dass neben weiteren 56 Wohnungen auch sechs Büroeinheiten und eine Kindertagesstätte vorgesehen sind.

Laut Kriemichen wird es 74 Betreuungsplätze geben – 24 in der Krippe und 50 im Kindergarten. Der Träger steht noch nicht fest. Die familienfreundliche Komponente gehört jedenfalls ebenso zu den Leitlinien des Projekts "K40" wie der autofreie Ansatz im neuen Wohnviertel. Zwei E-Auto-Schnellladestationen sind ebenso Teils des Konzepts wie die Verlagerung der Stellplätze in eine Tiefgarage. Insgesamt investiert BPD rund 60 Millionen Euro in das finale Wohnbauvorhaben am Nordbahnhof, das von zwei Seiten erschlossen wird, um Mehrbelastungen (etwa in der Wilderstraße) zu vermeiden.

Bogen zur Vergangenheit

Mit Blick auf den Standort will BPD auch gezielt den Bogen zur Trix-Vergangenheit spannen. Da das bestehende Fassadenbild auch nach Ansicht eines Gutachters nicht zu erhalten war, wurde es dokumentiert. Es soll nun in die Neubauten integriert werden. Mit der Stadt hat man eine Kompensationsmaßnahme ausgehandelt: Über einen Wettbewerb soll ein neues Kunstwerk realisiert werden, das an einem "prägnanten Standort am Grundstück oder an den Gebäuden" öffentlich gut sichtbar präsentiert wird.

Zusätzlich will BPD das Motiv des alten Wandbilds bei der Kindertagesstätte oder den Besucherparkplätzen zeigen. Man darf schon gespannt sein, mit welchen Tricks die Eisenbahnlegende "Trix" hier zur Aufführung kommen wird.

23 Kommentare