Projekt Schwarzes Pellerhaus

Angrenzender Neubau würde das Pellerhaus deutlich überragen

21.7.2021, 17:11 Uhr
Der Plan des städtischen Baureferats zeigt, dass das  (grau schraffierte) Dach des geplanten Schwarzen Pellerhauses (links) das bestehende Pellerhaus deutlich überragen würde.

Der Plan des städtischen Baureferats zeigt, dass das (grau schraffierte) Dach des geplanten Schwarzen Pellerhauses (links) das bestehende Pellerhaus deutlich überragen würde. © Stadt Nürnberg Baureferat

Soll unmittelbar neben dem Pellerhaus am Egidienberg ein drei Meter höheres Haus errichtet werden, um die nördliche Ansicht des Platzes abzuschließen? Seit Kriegsende gähnt hier eine Lücke: Das sogenannte Schwarze Pellerhaus wurde nicht wieder aufgebaut.

Historisierende Fassade

Die Altstadtfreunde hatten in Gesprächen mit der Stadtverwaltung ihre Bereitschaft für einem Neubau mit historisierender Fassade des zerstörten Schwarzen Pellerhauses signalisiert. Gegen diesen Plan gibt es erhebliche Widerstände von Architekten und der Initiative Pro Pellerhaus (wie berichtet).

Im gestrigen Ältestenrat des Stadtrats lobte CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Krieglstein die Altstadtfreunde, die bereits beim Wiederaufbau des Pellerhofes in Renaissance-Manier mehrere Millionen Euro investiert hatten. "Es ist eine Win-Win-Situation", meint der CSU-Politiker, "es gibt privates Geld für ein Projekt, das die Stadt aus Finanzmangel nicht umsetzen könnte. Wir sind dankbar für private Investoren."

Grüne sorgen sich um Pocket Park

Grünen-Fraktionschef Achim Mletzko merkte an, dass in dieser Angelegenheit wohl zahlreiche Gespräche geführt wurden, "aber nicht mit uns". Er legt daher Wert auf ein öffentliches Hearing: "Wir brauchen Zeit, um das Vorhaben zu bewerten." Er befürchtet, dass der mögliche Neubau dem im Aufbau befindlichen Pocket Park zu viel Platz wegnehmen könnte.

Auf dem Grundstück des einstigen Peststadels beim Pellerhaus soll ein

Auf dem Grundstück des einstigen Peststadels beim Pellerhaus soll ein "Pocket Park" entstehen. Wird die Grünfläche stark von den Neubauplänen für das Schwarze Pellerhaus tangiert? © Stadt Nürnberg

Andere Bedenken äußerte Elisabeth Most, Vorsitzende des Bürgervereins Altstadt: "Das geplante Schwarze Pellerhaus würde das eigentliche Pellerhaus um drei Meter überragen und in den Schatten stellen. Die Leistung des erfolgreichen Wiederaufbaus würde herabgewürdigt." Sie sieht auch keine Notwendigkeit, rasch zu entscheiden: "75 Jahre hat sich niemand um das Grundstück geschert. Da ist jetzt keine Eile nötig."

Plädoyer für breite öffentliche Diskussion

Baureferent Daniel Ulrich räumt ein, dass der Neubau höher wäre, aber: Der First auf dem Dach würde das Gebäude seiner Meinung nach nicht so sehr prägen wie die Traufe unten am Dach. Weil das Haus außerdem ganz oben am Egidienberg stünde, würde man den First kaum sehen.

Die Sozialdemokraten plädieren für eine breite öffentliche Diskussion. Ein Hearing ohne Vorfestlegung soll stattfinden, auf dem die Argumente ausgetauscht werden. Dem pflichtete auch die CSU bei. SPD-Fraktionsvorsitzender Thorsten Brehm will sichergestellt wissen, dass es keine Pro-Forma-Veranstaltung wird und die eigentlichen Entscheidungen dann schon gefallen sind.


Pellerhaus: Sensationsfund nach 76 Jahren


Andererseits machte die Verwaltung deutlich, dass es sinnvoll sei, mit den Altstadtfreunden schon jetzt weitere Gespräche zu führen, weil der Bauantrag für das geplante "Haus des Spiels" fertig ist. Für dieses Projekt ist ein Treppenaufgang mit Aufzug als zweitem Rettungsweg notwendig. Den Treppenturm kann man entweder singulär an den Pellerhof andocken oder in das Vorhaben "Schwarzes Pellerhaus" integrieren.

Die Kommunalpolitiker kamen überein, dass es ein Hearing mit allen Beteiligten gibt und man mit den Altstadtfreunden im Gespräch bleibt. Letzteres war Oberbürgermeister Marcus König besonders wichtig, "um ein Zeichen zu setzen, dass Investoren in unserer Stadt willkommen sind." Doch mehrfach hakten Kommunalpolitiker nach, dass keine Gespräche bis zur Vertragsreife geführt werden und dass keine Vorentscheidungen vor der Fachdiskussion im Herbst getroffen werden.

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