Anwohner gegen "Wohnkomplex" in Kettelersiedlung

21.6.2016, 06:00 Uhr
Mit besprühten Bettlaken und Plakaten an Zäunen, Carports und Fenstern machen die Anwohner der Schwarzenloher Straße in der Kettelersiedlung ihrem Ärger über ein geplantes Neubauprojekt Luft. Wo heute ein Doppelhaus steht, hätte die Baufirma gerne ein Haus für sechs Parteien gebaut.

Mit besprühten Bettlaken und Plakaten an Zäunen, Carports und Fenstern machen die Anwohner der Schwarzenloher Straße in der Kettelersiedlung ihrem Ärger über ein geplantes Neubauprojekt Luft. Wo heute ein Doppelhaus steht, hätte die Baufirma gerne ein Haus für sechs Parteien gebaut. © Roland Fengler

Es ist momentan so schwer wie nie, in Nürnberg eine (bezahlbare) Wohnung zu finden. Der Immobilienmarkt ist wie leergefegt, Grundstücke sind nur wenige vorhanden. Ständig wird über Nachverdichtung, Hochhäuser und effektive Bebauung freier Flächen gesprochen.

Natürlich, auch den großen Baufirmen ist der Mangel an Wohnungen bekannt, und, natürlich, auf diesen Zug versuchen sie mit Mehrparteien-Häusern aufzuspringen. Auf engem Raum möglichst viele Wohneinheiten unterbringen, lautet oft das Ziel.

So hatte sich das auch die Firma Müller Wohnbau aus Schwabach bei einem Grundstück in der Schwarzenloher Straße gedacht. Auf einer von ihr erworbenen Fläche sollte das dort momentan noch stehende Doppelhaus abgerissen, ein Wohnkomplex für sechs Parteien gebaut werden.

Zunächst war der Bauträger optimistisch. "Die bauliche Art des Gebäudes gliedert sich in die Umgebung ein", sagt Geschäftsführer Roland Müller auf Anfrage des Stadtanzeigers. Zweigeschossig, mit ausgebautem Dach, so sollte das neue Objekt aussehen — nicht das einzige Haus in der Siedlung, das diese Maße hat.

Sorge um Grünflächen

Das Projekt sprach sich bei den Anwohnern schnell herum. Und es dauerte gar nicht lange, schon hingen an zahlreichen Garagentoren, Zäunen und Fenstern besprühte Bettlaken und bedruckte Banner. "Nürnberg sucht Grünflächen, hier werden sie zerstört", "Siedlerhäuser statt Luxuswohnungen" oder "Wie hoch denn noch?" ist darauf zu lesen. "Die Anwohner wollen, dass der Siedlungscharakter der Straße erhalten bleib", sagt der Vorstand der historischen Siemens-Siedlung, Harald Gottschalk.

Nicht wegen der Banner, aber weil die darauf geäußerten Bedenken der Anwohner auch aus Sicht der Stadt nicht unbegründet sind, erteilte das Baureferat dem Bauvorhaben bereits eine Absage. "Der Neubau ist nach allen Seiten 30 Prozent zu groß, zu breit, zu hoch", erklärt Baureferent Daniel Ulrich die Entscheidung.

Müller hingegen war überzeugt, dass man keine Grenzen überschreite und sich an den Bebauungsplan für die Siedlung halte. Vor allem aber, betont der Geschäftsführer, habe man im Vorfeld mit den Nachbarn gesprochen und bei weitem keine so große Ablehnung erfahren.

Diese Ablehnung aber wird trotz des sowieso nicht genehmigten Bauantrages in Form von Plakaten und Bettlaken weiter die Straße säumen. Denn auch ein Haus für nur vier oder fünf Parteien, auf das die Schwabacher Baufirma wohl nun reduzieren muss, ist den Bewohnern der Schwarzenloher Straße noch zu groß.

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