Ärger in Gostenhof: Hat Polizei vor linker Szene kapituliert?

Alexander Brock

Lokales

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30.6.2019, 16:46 Uhr
Als die Polizei gerade die Personalien der lärmenden Personen feststellen wollte, kamen plötzlich 60 Autonome zu der Szenerie und beschimpften die Beamten.

© Roland Fengler Als die Polizei gerade die Personalien der lärmenden Personen feststellen wollte, kamen plötzlich 60 Autonome zu der Szenerie und beschimpften die Beamten.

Parks und Plätze in der Stadt sind gerade bei sommerlichen Temperaturen auch spät am Abend oft gut besucht. Doch was sich nahezu täglich auf dem Jamnitzerplatz im Stadtteil Gostenhof teils bis in die frühen Morgenstunden abspielt, ist für manche Anwohner mittlerweile unerträglich geworden: laute Musik, Partys und Trinkgelage. "Seit langem hegen wir, das sind ungefähr 30 Anwohner des Jamnitzerplatzes, den Verdacht, dass die Polizei jegliche soziale Kontrolle hier aufgegeben hat und wir mehr und mehr zum Magnet für die in der Königstorpassage vertriebene Trinkergilde werden. Was hier schon abends ab 17 Uhr abgeht ist unbeschreiblich und wir sind dem hilflos ausgeliefert", schreibt ein Bewohner den Nürnberger Nachrichten.

Freitagnacht hat der Lärm wieder einmal einen Höhepunkt in der Mitte des Platzes erreicht, die Feiernden grölten und hörten laut Musik. Wegen dieser Ruhestörung riefen Anwohner die Polizei. Drei Streifenwagen kamen und forderten die Personen auf, die Musik abzustellen, berichtet Robert Sandmann von der Polizeipressestelle. Das sei dann auch geschehen. "Das ging alles noch in Ruhe über die Bühne", erzählt eine weitere Zeugin den NN.

Aggressive Haltung und Stimmungsmache

Die Einsatzkräfte haben dann auch Personalien feststellen wollen. Plötzlich aber kamen nach Angaben der Pressestelle bis zu 60 Personen aus einem nahe gelegenen Treff der linken Szene ("Schwarze Katze") auf die Beamten zu. "Diese nahmen auch sofort eine aggressive Haltung ein und skandierten lauthals: 'Ganz Nürnberg hasst die Polizei' oder 'Bullen raus aus Gostenhof'", berichtet der Anwohner.

Weitere Einsatzfahrzeuge tauchten auf. Doch die schreiende Masse ließ sich davon nicht beeindrucken, auch nicht als die bedrohten Beamten vorsorglich ihre Schlagstöcke zogen. Sie drängte die Beamten erfolgreich in die Mittlere Kanalstraße, Richtung Obere Seitenstraße ab. "Nach kurzer Zeit zogen sich dann die Polizeikräfte unverrichteter Dinge und unter lautem Gejubel und Gegröle der Autonomen zurück." Den "Sieg über die Polizei" schien die Gruppe dann zu feiern, auch im Park sei es zu weiteren Lärmbelästigung gekommen.

Sache der "Abwägung"

Die Polizeipressestelle bestätigt die Ereignisse, so wie sie die Anwohner schildern - die drei Streifen haben sich zurückgezogen. "Wir haben die Szene im Anschluss aus der Ferne weiter beobachtet", sagt Sprecher Robert Sandmann. Es sei eine Sache der "Abwägung" gewesen.

"Das Kräfteverhältnis änderte sich, plötzlich sahen sich die Beamten einer aggressiven Menge von 60 Personen gegenüber, bei der vor allem ein Anführer besonders auffiel." In so einem Moment die Personalien feststellen zu wollen, hätte ziemlich sicher zu einer weiteren Eskalation und möglicherweise Verletzten geführt. Sandmann: "Ruhestörung ist ja auch kein Verbrechen, die Musik wurde abgestellt. Wenn Autos zerlegt und Reifen angezündet worden wären, hätte die Einsatzleitung das allerdings neu bewerten und handeln müssen."