Samstag, 23.01.2021

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Ärger in Nürnberg: Nägeleinsplatz wird vorerst nicht erneuert

Bürgerverein wundert sich über Entscheidung - Geld fehlt wohl - 01.12.2020 18:40 Uhr

So wird es am Nägeleinsplatz noch länger aussehen.

15.11.2019 © Foto: Michael Matejka


Es ist eine kleine Notiz auf den hinteren Seiten des Amtsblatts der Stadt Nürnberg. "Verfahrensaufhebung" steht dort in großen Buchstaben. Es geht um die Sanierung des Nägeleinsplatzes. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum hat nach einer Firma gesucht, die in einem ersten Bauabschnitt die Bereiche rund um Kettensteg und Hallertorhof umgestaltet. Doch die Landschaftsbauer müssen sich vorerst nicht mehr bei Sör melden. Denn: "Die Finanzierungslage ist nicht gesichert."

Warten auf Obstmarkt und Hauptmarkt

Der Grund ist Corona. Dass sich die Pandemie auf die Bauprojekte in der Altstadt auswirkt, ist nicht neu. Der Umbau des Obstmarktes verschiebt sich um zwei Jahre, der Hauptmarkt muss sogar vier Jahre warten. Und doch hatten die Altstadtbewohner beim Nägeleinsplatz nicht damit gerechnet - aus mehreren Gründen.


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Zum einen die lange Vorgeschichte. 20 Monate hat der kräftezehrende Abstimmungsmarathon zwischen Stadt, Anwohnern und anderen Bürgern gedauert. 2021 sollte das 3,8 Millionen Projekt starten, bei dem nicht nur der Nägeleinsplatz, sondern eben auch der Abschnitt zwischen Hallertor und Weinstadel erneuert wird. Insgesamt 10.000 Quadratmeter will die Stadt hier neu gestalten. Bis 2024 soll es hier einen Zugang zur Pegnitz geben und viel Grün.

In drei Abschnitten soll das Gebiet rund um den Nägeleinsplatz zwischen Hallertor, Maxbrücke und Weinstadel von 2021 bis 2024 umgestaltet werden. Eigentlich.

28.01.2020 © Skizze: Stadt Nürnberg/Bearbeitung: NN-Infografik


Doch daraus wird vorerst nichts. Für Elisabeth Most ist das nicht nachvollziehbar. "Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Kostenfrage geklärt ist", sagt die Vorsitzende des Bürgervereins Altstadt. Schließlich sei das Projekt Teil des Aktionsplans zum Leitbild "Kompaktes Grünes Nürnberg 2030“. Dafür habe der Nürnberger Stadtrat bereits mehrere Millionen im Masterplan Freiraum bereitgestellt, kritisiert der Bürgerverein.

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Christian Vogel aber widerspricht. Zwar stehen dank des Masterplans Mittel zur Verfügung, "aber das Geld ist trotzdem nicht da, sondern muss durch den Haushalt bereitgestellt werden", sagt der Bürgermeister und Erste Werkleiter von Sör. Zudem werden mit dem Masterplan auch im kommenden Jahr viele Maßnahmen finanziert, die bereits begonnen haben.

Baumaßnahme ist leicht zu stoppen

Genau das ist der Knackpunkt: Noch hat die Stadt mit der Baumaßnahme nicht begonnen. Und "verschieben macht nur Sinn, wenn die Maßnahme noch nicht begonnen wurde", sagt Vogel. Der Nägeleinsplatz ist ein solcher Fall. Somit konnte die Umgestaltung ohne einen möglichen Schadensersatzanspruch von Planern oder Baufirmen aus der Liste für 2021 gestrichen werden.

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Es sei nie schön, eine Baumaßnahme zu verschieben, sagt Christian Vogel. Gerade wenn sie gedanklich schon sehr weit war. "Auch ich hätte mich gefreut, wenn wir im nächsten Jahr losgelegt hätten." Aber weder könne man - coronabedingt - einfach weiter machen wie bisher, noch alles gleichzeitig starten.

"Eine Bewältigung der Corona-Pandemie ohne gleichzeitige Bekämpfung des Klimawandels ist nicht mehr zeitgerecht", findet dagegen Elisabeth Most. Schließlich vergehe wieder ein Sommer, ohne diese "klimatischen Ausgleichraum innerhalb der Altstadt". Dabei liege der Nägeleinsplatz innerhalb des Stadterneuerungsgebiets Nördliche Altstadt und werde vom Freistaat mit 60 Prozent gefördert. Der Anteil der Stadt beträgt also "nur" zwei Millionen Euro.

OB-Runde mit Bürgervereinen virtuell

Vogel verweist dennoch auf die "erheblichen Engpässe in der Finanzierung" im Moment. Die viel wichtigere Botschaft sei, dass "die Sache zwar verschoben, aber nicht gestrichen" ist. Die Altstadt müsse hier nun ein Jahr länger warten, bekomme aber viele andere Maßnahmen - wie den Weinmarkt.

Wann genau es mit dem Nägeleinsplatz weitergeht, kann die Stadt dem Bürgerverein Altstadt schon am Donnerstag erklären. Dann findet die Oberbürgermeisterrunde mit den Bürgervereinen statt. Allerdings aufgrund der neusten Entwicklungen nur virtuell.

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