Auch die Kitas schließen: "Viele Familien sind am Limit"

16.12.2020, 08:25 Uhr
Gerade berufstätige Eltern und Alleinerziehende stehen unter großem Druck. Mit einem oder mehreren kleinen Kindern im Homeoffice zu sein, ist fast unmöglich. 

Gerade berufstätige Eltern und Alleinerziehende stehen unter großem Druck. Mit einem oder mehreren kleinen Kindern im Homeoffice zu sein, ist fast unmöglich.  © Jens Büttner, dpa

"Bei uns sind quasi alle Eltern berufstätig", sagt Charlotte Schönlau, Leiterin der Kinderkrippe "Krachmacherstraße" in Gostenhof. "Entsprechend hoch ist der Betreuungsbedarf." Mit einem Kleinkind im Homeoffice zu arbeiten, das sei nicht möglich. "Deshalb hatte ich schon viele verzweifelte Anfragen wegen einer Notbetreuung." Sie habe für alle Tage vor und nach den Weihnachtsferien schon Anmeldungen, so Schönlau, die hofft, dass die Politik bald verkündet, wie es im Januar weiter gehen wird. Denn verlässliche Antworten auf die Fragen der Familien können auch die Erzieherinnen erst geben, wenn sie die Vorgaben kennen.

"Viele Mütter und Väter sind am Limit", sagt Chistiane Stein von der Soke, dem Dachverband der selbstorganisierten Kindertagesstätten in der Region. Vor allem die Angst, die Notbetreuung könne wie im Frühjahr bestimmten Berufsgruppen vorbehalten sein, habe die Familien umgetrieben, nachdem die Schließung am Sonntag angekündigt worden war. In diesem Punkt immerhin kann Stein Entwarnung geben. Nach einem Gespräch zwischen Trägern und Sozialministerium wurden vier Kriterien für die Aufnahme festgelegt, das Ausüben eines systemrelevanten Berufes gehört nicht dazu.

Unbürokratische Regelung

Entscheidend sei, dass die Eltern berufstätig sind und keine andere Lösung für die Betreuung finden können, sagt Stein. Betreut werden außerdem Kinder mit besonderem Förderbedarf, mit einer Behinderung oder solche aus einem schwierigen sozialen Umfeld. Das Ganze solle unbürokratisch geregelt werden, so Stein. Die Eltern müssten eine entsprechende Erklärung unterzeichnen. "Die Kitas kennen die Familien gut genug, um den Bedarf einschätzen zu können." Umgekehrt sind die Kriterien aber so weit gefasst, dass viele einen Anspruch anmelden könnten. "Manche Einrichtungen fürchten, dass jetzt trotzdem noch die Hälfte der Kinder kommt." Und das, so betont Stein, wirke dann dem Ziel des Lockdowns entgegen, die Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren.


Schulen und Kitas schließen: Notbetreuung gewährleistet


"Wir appellieren an die Eltern, die Betreuung nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn es wirklich nötig ist", sagt auch Kerstin Schröder, die Chefin des Nürnberger Jugendamtes. Wie hoch der Bedarf sein wird, kann sie nicht abschätzen. "So kurzfristig konnten wir das nicht abfragen." In den städtischen Kitas werden die Mitarbeiter deshalb anwesend sein und abwarten, wer kommt. "Unsere Hoffnung ist aber, dass die Zahlen deutlich nach unten gehen." Die Kinder, die gebracht werden, sollen in noch kleineren Gruppen als bisher betreut werden, so Schröder. Das Hygienekonzept habe sich bewährt. Vom 23. Dezember bis einschließlich 6. Januar machen die städtischen Kitas dann ebenso wie viele Einrichtungen anderer Träger ohnehin Ferien.

Konzept für den Januar

Doch spätestens danach brauche es ein überzeugendes Konzept für eine nachhaltige Wiederöffnung, fordert Uwe Kriebel, erster Vorsitzender des Gesamtelternbeirates der Kindertagesstätten in Nürnberg. Viele Familien seien auf eine zuverlässige Betreuung angewiesen, "es kann nicht sein, dass Eltern Angst haben, ihren Job zu verlieren, weil sie ihre Kinder nicht unterbringen können". Dass alle die Notbetreuung nutzen können, die einen entsprechenden Bedarf haben, hält Kriebel für richtig. "Nur hätte man dann Kitas und Grundschulen vielleicht auch gleich offen lassen können."

Der Elternbeirat hätte das für sinnvoll gehalten, "die kleineren Kinder sind aus unserer Sicht nicht die Infektionstreiber". Doch natürlich habe die Politik mit Blick auf die hohen Infektionszahlen handeln müssen. Für den Januar wünscht sich Kriebel jedoch eine Wiedereröffnung in kleinen Gruppen. "Das tut auch den Kindern gut." Die zusätzlichen Urlaubstage, die den Eltern jetzt versprochen werden, könne schließlich nicht jeder in Anspruch nehmen. "Da muss auch der Arbeitgeber mitspielen."