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Außen klein, innen von großer Vielfalt

Turm der Sinne ist eine Keimzelle - 12.08.2011 16:19 Uhr

Manchmal sind die Wahrnehmungen etwas verschwommen, doch genau auf die Diskrepanz zwischen Sehen und Erkennen baut der „Turm der Sinne“, ein kleines, aber feines Wissenschaftsmuseum seine Präsentation auf.

12.08.2011 © Karin Becker


Von außen nimmt man den historischen Turm am Spittlertorgraben als eher kleinen Bau wahr. Wenn man das Museum betritt und durch die sechs Geschosse geht, dann erscheint das Haus viel größer. Rainer Rosenzweig, einer der Initiatoren des kleinen Science Centers „Turm der Sinne“, das sogar bei Wikipedia unter diesem Begriff gelistet ist, freuen solche Eindrücke. Denn das Museum, für das er schon seit langer Zeit tätig ist, hat sich auf das Thema Wahrnehmung spezialisiert. Etliche Experimente zeigen den Besuchern, dass längst nicht alles so ist wie es scheint.

Diese Erkenntnis lässt sich zwar auf viele Bereiche des Lebens übertragen, aber in dem Museum geht es vorwiegend um physikalische Vorgänge und psychologische Aspekte. „Es ist unser ureigenstes Thema“, sagt Rosenzweig, der selber promovierter Wahrnehmungspsychologe ist. Inzwischen werden die Botschaften, die der „Turm der Sinne“ aussendet, auch im wissenschaftlichen Bereich empfangen und geschätzt, berichtet er. Diese Wahrnehmung ist übrigens nachzuweisen und führt unter anderem dazu, dass die Macher der Einrichtung auf „bei diesem Fokus bleiben“.

Rainer Rosenzweig und seine Frau konnten sich nicht einigen, wer nun der größere von beiden ist. Also hat die Nplus-Redaktion beschlossen, beide Fotos abzudrucken, um den ehelichen Frieden zu erhalten. Die Darstellung beruht ohnehin auf einer Täuschung, wie Besucher des Ames-Raums schnell feststellen können.

12.08.2011


Das gelte auch, wenn die Überlegungen, ein Wissenschaftszentrum in der Metropolregion einzurichten, konkreter werden. „Im Prinzip würden wir ein Bayerisches Science Center unterstützen“, bekräftigt Rosenzweig. Denn „auf der Landkarte in ganz Bayern gibt es nichts, was man als ein solches bezeichnen könnte“. Er definiert einen solchen Ort nach dem Vorreiter in San Franzisco, dem Exploratorium. Dieses sei in einer riesigen Lagerhalle untergebracht und bietet viele Experimente zum Ausprobieren. Als der Wissenschaftler diese Einrichtung 1990 das erste Mal besuchte, war er tief beeindruckt. „Hier finden sich naturwissenschaftliche Phänomene zum Anfassen und Selberbauen“, schwärmt er.

Gleichwohl sei ein Science Center kein klassisches Museum. Deswegen würden manche Museumsexperten über diese Form von Wissensvermittlung die Nase rümpfen. Zudem werde in der Science Center-Szene die Frage diskutiert, auf welche Weise die Grundlagen von naturwissenschaftlichen Vorgängen den Besuchern nahegebracht werden. Konkret diskutierten die Experten die Frage, wie ausführlich die textliche Begleitung sein soll und welche Rolle die im Science Center gemachten Erfahrungen spielen?

Im Turm der Sinne ist dieser Aspekt so gelöst, dass es dem Besucher überlassen bleibt, wie tief er in die Materie einsteigen möchte. Er kann sich ganz auf seine eigenen Eindrücke verlassen oder aber die Erklärungen zu den einzelnen Stationen lesen. Für vertiefende Erkenntnisse bieten sich die Symposien an, die das Projekt regelmäßig organisiert und neueste Erkenntnisse aus der Wahrnehmungsforschung präsentiert. In den letzten Jahren wuchs der Zuspruch ständig.

Maximal 30 Leute dürfen sich gleichzeitig im Turm aufhalten. Mehr sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Insgesamt umfasst die Ausstellungsfläche 120 Quadratmeter. Die Räume sind auch nicht durch Anbauten in unmittelbarer Nähe erweiterbar. Deswegen schuf das Teams eine mobile Einheit. So gehen Mitarbeiter mit einer Wanderausstellung in Schulen und präsentieren Objekte in Foyers von Firmen.

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Rosenzweig würde gerne mit einem Science Center kooperieren und „findet es belebend“, wenn eine weitere Einrichtung in Nürnberg Fuß fassen würde. Eine Kooperation wäre seiner Meinung nach sehr sinnvoll. Sicherlich würde er auch gerne einige der Erfahrungen beisteuern, die das drei Personen umfassende Gründungsteam, das immer noch mit Überzeugung bei der Sache ist, gesammelt hat.

Denn den Turm zu etablieren, war eine Herkulesaufgabe. So wurde die Initiative vom früheren Bund für Geistesfreiheit, heute Humanistischer Verband Deutschland von Anfang an unterstützt. Dieser ist bis heute der Träger der Einrichtung.

Nach einer mehrjährigen Planungsphase wurde die Anschubfinanzierung durch die Sparkassenstiftung bereitgestellt. Die Betriebskosten müssen zum großen Teil selber erwirtschaftet werden. Seit der Eröffnung 2003 ist viel passiert. Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich hier niemand beschweren und die Besucherzahlen können sich sehen lassen.

Turm der Sinne, Spittlertorgraben in Nürnberg, Infos im Internet unter http://www.turmdersinne.de und Tel. 9 44 32 81. Das nächste Symposium beschäftigt sich vom 14. bis 16. Oktober unter dem Titel „Verantwortung als Illusion?“ mit Moral, Schuld, Strafe und das Menschenbild der Hirnforschung.


 

Petra Nossek-Bock E-Mail

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