Bedrohtes Idyll

10.10.2013, 19:00 Uhr
Die wichtigsten Goho-Aktivisten:  Edmund Taubert, Bernd de Payrebrune und Ingo Brodbeck (von links). Das Wand-Mosaik im Hintergrund stammt von de Payrebrune.

Die wichtigsten Goho-Aktivisten: Edmund Taubert, Bernd de Payrebrune und Ingo Brodbeck (von links). Das Wand-Mosaik im Hintergrund stammt von de Payrebrune. © Michael Matejka

Die Künstler, deren Ansiedlung seit den 80er Jahren erheblich zur Auf-wertung Gostenhofs beigetragen hat, fühlen sich heute zunehmend verdrängt durch die allmähliche Veränderung ihres Viertels zum schicken Wohnquartier. „Ohne Angabe von Gründen hat mir jetzt mein Vermieter mitgeteilt, dass ich mein Atelier zum nächstmöglichen Termin räumen muss”, klagt die Bildhauerin Eva Hermann. Gleich nebenan wird in Kürze die Atelier-Galerie des Malers Fran-cesco Ferrante geschlossen. Nicht wenig andere Gostenhofer Kunstschaffende blicken ebenfalls sorgenvoll in die Zukunft.

Die Malerin Frauke Mück wird dies im Rahmen der Atelier- und Werk-statttage mit der Performance „Das wandelnde Atelier“ thematisieren. „Ich lebe noch in Gostenhof, doch wie lange werde ich mir die ständig steigenden Mieten noch leisten können?“, fragt sich die Künstlerin. Zusammen mit ihrer Kollegin Christiane Weber, die ihre Werkstatt bereits aus Kostengründen wegverlegen musste, will Mück daher schon mal das obdachlose Herumirren im Stadtteil üben.

In dieser aktuellen Situation war es auch nicht einfach, einen geeigneten (und möglichst kostenfrei nutzbaren) Ort für die Gemeinschaftsausstellung aller an der GOHO beteiligten Künstlerinnen und Künstler zu finden. Während der ersten sieben Gostenhofer Ateliertage konnten die Gemeinschaftsschauen noch in der Galerie Kulturdach des Nachbarschaftshauses Gostenhof gezeigt werden. Dann wurde dort die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen untersagt. In diesem Jahr sah es erstmals so aus, als müsste auf eine Gemeinschaftsausstellung gänzlich verzichtet werden. Doch quasi in letzter Minute erklärte sich die Evangelische Familien-Bildungsstätte bereit, der Kunst kurzzeitig Asyl zu gewähren.

So gibt es trotz aller Widrigkeiten auch während der diesjährigen GOHO-Tage wieder vielfältige Möglichkeiten zum Dialog mit zeitgenössischen Künstlern und mit deren Hervorbringungen. „Bei der GOHO geht es vor allem darum, ein Stück der normalerweise nur Insidern zugänglichen Stadtteilrealität öffentlich zu machen. Es wäre daher schade, wenn die Besucher die Ateliertage nur als eine weitere Reihe von Ausstellungen wahrnehmen würden“, meint die Designerin Inge Klier.

Nicht nur mehrere Gostenhofer Galerien, sondern auch Läden, Szene-Lokale, die Musikzentrale, der bedeutendste Handwerksbetrieb im Viertel sowie die evangelische Dreieinig-keitskirche präsentieren, was die Kreativen vor Ort machen. Die an zwei Sonntagen vom Vormittag bis zum Abend geöffneten Ateliers sollen zumindest andeutungsweise zeigen, wie jene Kunst gemacht wird.

Insgesamt kann der Besucher an 30 Ausstellungsorten und in 72 offenen Ateliers im Viertel den Arbeiten von 81 Malern, Grafikern, Bildhauern, Foto- und Objektkünstlern, Designern und Kunsthandwerkern begegnen. Als zusätzliche Attraktionen stehen an beiden Wochenenden 45 Workshops und andere Begleitveranstaltungen auf dem Programm. So etwa eine „Wodka-Lesung“, die „eine feuchtfröhliche Reise durch die russische Saufliteratur“ verspricht, oder ein Konzert der Schwabacher Kantorei mit dem Titel „Way of Passion, Kunst und Musik“.

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