Bikepark im Reichswald: Stadt beschließt Finanzspritze

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21.7.2020, 05:58 Uhr
Johannes Wurm, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg, hat im Reichswald am Schmausenbuck zahlreiche Schanzen von Mountainbikern entdeckt. Nach dem Abriss soll hier ein offizieller Bikepark entstehen.

© Hartmut Voigt Johannes Wurm, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg, hat im Reichswald am Schmausenbuck zahlreiche Schanzen von Mountainbikern entdeckt. Nach dem Abriss soll hier ein offizieller Bikepark entstehen.

Die Szene in und um Nürnberg ist groß und gut vernetzt, viele Biker kamen auch in die jüngste Sitzung der Sportkommission, um der Diskussion über einen geplanten Bikepark zu folgen. SPD-Stadtrat Nasser Ahmed will die Sorge in der Szene gespürt haben, "die Aufregung war groß", sagte er in der Sitzung. Sie habe sich erst gelegt, seit klar sei, dass es einen Runden Tisch geben soll, an dem sich Biker und Vertreter der Stadt abstimmen, was so ein neuer Bikepark bieten muss.


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Die Fakten sind soweit klar: Der Park am Schmausenbuck, unterhalb der Hochspannungsleitung, kostet rund 400.000 Euro, die sich Stadt Nürnberg und die Bayerischen Staatsforsten teilen. Den jährlichen Unterhalt von rund 60.000 Euro soll die Stadt schultern. Die Strecke ist öffentlich und soll Strecken mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad bieten.

Reichswald: "Bikepark nur ein Baustein"

Die Staatsforsten planen einen Beteiligungsworkshop mit Bikern, doch vor allem die SPD drängte darauf, dass die Szene von Anfang an in den Gestaltungsprozess eingebunden wird. Ähnlich wie die Surfer, die eine stehende Welle in der Pegnitz bekommen sollen, seien die Biker eine Gruppe, die bei Sportplanungen gerne mal durchs Raster falle. Ahmed warnte davor davon auszugehen, dass "wir einen Park bauen und dann fahren die Biker gar nicht mehr durch das restliche Gebiet des Staatswaldes". Der gehöre schließlich allen, "der Bikepark ist nur ein Baustein".

Man könne nicht alle Trails abreißen und dann alle in den neuen Park schicken, "die Staatsforsten müssen auch in das Trailnetz investieren". Dazu gehöre auch eine gute Beschilderung. CSU-Stadtrat Max Müller ist es wichtig, dass möglichst viele Biker mit unterschiedlichem Können den Park nutzen können und sich von dem Angebot angesprochen fühlen. Investitionskosten von 200.000 Euro seien schließlich nicht wenig. Da müsse die Zielgruppe entsprechend groß sein.

"Die Szene soll sich dort wohl fühlen und sich gefordert fühlen." Ein Vorbild, dass Stadt und Staatsforsten einfach kopieren könnten, gebe es nicht. Das mache die Herausforderung umso größer. "Ich bin skeptisch, ob die Szene durch den Park kanalisiert werden kann", schränkte ödp-Stadtrat Jan Gehrke die Begeisterung ein. Es gebe Anwohner, die sich von den Bikern im Reichswald gestört fühlten. Gehrke forderte, dass auch Bürger- und Vorstadtvereine an dem Runden Tisch sitzen.

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Dort müsse auch geklärt werden, wo die Biker, die mit Autos kommen, parken sollen. Und wie die Zufahrten zum Bikepark geregelt werden. Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU), der die Sitzung der Sportkommission leitete, lehnte das ab. Grundsätzlich sehe er klar einen Bedarf für einen Bikepark. "Wir haben in der Stadt dafür aber keinen Platz, weshalb wir die Chance nutzen sollten, ihn mit den Bayerischen Staatsforsten zu realisieren." Jetzt gehe es darum, sich der Umsetzung schrittweise anzunähern, dafür sei der Runde Tisch gedacht. "Dort geht es um das konkrete Konzept", welche Auswirkungen dieses auf Anwohner und Spaziergänger habe, werde im Anschluss geklärt. Außerdem würden diese Themen im Laufe des Verfahrens auch durch die Baudienststellen geklärt.

Gehrke war mit dieser Antwort nicht zufrieden und stimmte als einziger gegen den Beschluss der Kommission. "Aber nicht, weil ich gegen den Park bin, sondern weil ich mehr über die Gestaltung wissen möchte." Die übrigen Stadträtinnen und Stadträte sprachen sich dafür aus, am Schmausenbuck einen Bikepark sowie ein Netz aus Trails auf Basis der vorhandenen Wege und Strecken anzulegen. Die genauen Pläne soll ein Runder Tisch festlegen. Sowohl Anfänger wie Leistungssportler sollen etwas von dem neuen Angebot haben. Die Kosten werden für den Haushalt angemeldet.


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Doch bevor die erste Schanze gebaut wird, sollen Staatsforsten und Stadtverwaltung noch mal in der Kommission das Konzept vorstellen. "Ohne diesen letzten Punkt hätten wir nicht zugestimmt", sagte Ahmed. Denn auch ihm sei es wichtig, dass das Konzept von allen akzeptiert, die den Reichswald nutzen.

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