Bluepingu-Projekt: Nachhaltiges Leben auf der Straße

20.11.2019, 14:33 Uhr
Das Projekt „Essbare Stadt“ auf dem Egidienplatz und andere „Urban-Gardening“-Projekte sind nur ein Anfang. Jetzt will Bluepingu aufzeigen, wie jeder etwas für eine klimafreundlichere Welt tun kann.

Das Projekt „Essbare Stadt“ auf dem Egidienplatz und andere „Urban-Gardening“-Projekte sind nur ein Anfang. Jetzt will Bluepingu aufzeigen, wie jeder etwas für eine klimafreundlichere Welt tun kann. © Foto: Roland Fengler

"Wir wollen die Welt verändern – mit den Menschen vor Ort." Mit einem einzigen Satz skizzieren Kerstin Seeger und Katrin Schwanke den Rahmen für ein umfassendes Projekt. Die Welt muss sich ändern, daran lässt der Klimawandel keinerlei Zweifel. Genauer gesagt: Unser Handeln auf der Welt muss sich fundamental verändern, wenn wir unsere Erde retten wollen. Und das fängt bei jedem einzelnen Menschen vor Ort an.

Eigentlich wäre vor allem auch die Politik gefragt. Schon 2015 wurde die Agenda 2030 mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen verabschiedet. Vertreter aus 193 Ländern setzten ihre Unterschrift unter die Entwicklungsziele – auch die der Bundesrepublik Deutschland. Doch passiert ist seither kaum Greifbares, sagen Seeger, Vorstandsmitglied bei Bluepingu, und ihre Mitstreiterin Schwanke. Also will der Verein jetzt nachhaltiges Handeln von der Basis aus in die Köpfe der Menschen und in deren Alltag bringen.

Nachhaltigkeit bedeutet dabei keineswegs Verzicht, unterstreichen die beiden Initiatorinnen. Vielmehr geht es um Bewusstwerdung, Umdenken und Handlungsveränderungen. Das beginnt mit der Entscheidung, zum Bäcker zu laufen bzw. zu radeln, statt das Auto auf dieser viel zu kurzen Strecke zu bewegen. Und das endet längst nicht mit der "Rettung" weggeworfener Lebensmittel oder "Urban-Gardening"-Projekten.

Das Gute soll normal werden

Überhaupt die zubetonierte Stadt: Mehr Grün, mehr kulturelle Begegnungsstätten mehr qualitative Aufenthaltsbereiche im städtischen Raum – solche Veränderungen gehören zum Zielekatalog dieses Projekts. Ebenso wie Begegnungsstätten ohne Konsumzwang, in denen Menschen zum Beispiel gemeinsam kochen können. Und vieles mehr, das zu mehr Gemeinschaft sowie zu Entschleunigung führt. Denn das bildet wiederum die Grundlage dafür, weitere Nachhaltigkeitsgedanken vor Ort umzusetzen.

17 fundamentale Nachhaltigkeitsziele stellten Seeger, Schwanke sowie weitere Mitstreiter während der Auftaktveranstaltung zu dem Projekt "SDGs go local" (etwa: Nachhaltigkeitsziele vor Ort umgesetzt) Auf AEG vor. Sauberes Wasser gehört dazu – weltweit für Hunderte von Millionen Menschen unerreichbar. Aber auch im reichen Deutschland gerät das Wasser in Gefahr. Durch Mikroplastik. Oder durch den Gewinnhunger einiger Konzerne, die Wasser am liebsten privatisieren würden.

Kein Hunger, lautet ein anderes Ziel. Rund zwei Milliarden Menschen weltweit sind unterernährt, während in Deutschland 300 Kilo Lebensmittel pro Sekunde (!) im Müll landen.

Die Teilnehmer dieses bundesweit einzigartigen Projekts – allein zur Auftaktveranstaltung kamen etwa 80 Interessierte – sollen in Johannis und in der alten Fürther Südstadt Nachhaltigkeitsideen alltagstauglich umsetzen. Bluepingu moderiert und begleitet die Ideen und deren Umsetzung, die vom Umweltbundesamt gefördert sowie wissenschaftlich begleitet wird. Am Ende des Modellprojekts soll ein Katalog entstehen, mit dessen Hilfe Menschen andernorts entsprechende Projekte umsetzen können – und der eine Handlungsanleitung für die Politik liefern soll. Das Ganze braucht natürlich Zeit.

Nach dem Startschuss müssen sich die "Change Agenten" zunächst vernetzen und dabei Ideen entwickeln bzw. fortentwickeln: zum Konsumverhalten, zum Thema Bildung, zur Entschleunigung, zu kritischem Denken und vielem mehr. Daher ist das Projekt auf zwei Jahre angelegt. Im Idealfall entsteht dabei ein Feuer aus Leidenschaft und Spaß für Nachhaltigkeitsprojekte, wünschen sich Seeger und Schwanke. "Wir wollen, dass das Gute irgendwann normal wird."

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