Brennende Akkus bei E-Autos: Feuerwehren bereiten sich vor

5.1.2020, 05:28 Uhr
Französische Feuerwehr-Leute löschen ein Elektro-Auto. Entgegen mancher Gerüchte lässt sich das durchaus ganz gut bewerkstelligen.

© Foto: Matthieu Alexandre/afp Französische Feuerwehr-Leute löschen ein Elektro-Auto. Entgegen mancher Gerüchte lässt sich das durchaus ganz gut bewerkstelligen.

Batterien in E-Autos "spucken kein Feuer", sagt Christian Geib. Solche Fahrzeuge sind "nicht gefährlicher als konventionelle Autos". Natürlich können deren Akkus in Brand geraten. Dann nämlich, wenn starke mechanische Kräfte auf die Batterien wirken, zum Beispiel durch den Aufprall des Fahrzeugs auf ein starres Hindernis mit 120 oder mehr Stundenkilometern. Solche Brände zu löschen, stellt prinzipiell kein Problem dar, so Geib. Allerdings müssen sich die Feuerwehr-Einsatzkräfte mit neuen Techniken der Brandbekämpfung beschäftigen.

Bei Audi hat sich der 35-Jährige jahrelang mit solchen Themen rund um die E-Mobilität auseinandergesetzt. Inzwischen ist er bei der Berufsfeuerwehr Ingolstadt tätig, unter anderem als Experte für mögliche Gefahren von Lithium-Ionen-Akkus im Verkehr. Seine Überzeugung lautet: Brennende Akkus lassen sich sehr gut löschen; allerdings benötigen die Einsatzkräfte dafür erheblich mehr Löschwasser als für einen konventionellen Brand.

Weshalb, das versteht man bei der Betrachtung der Auslöser eines solchen Feuers. Wenn beispielsweise eine Akkuzelle in einer Batterie mechanisch beschädigt wird, kann dies zu einem Kurzschluss führen. Dabei entsteht Wärme, auf die wiederum andere Zell-Bestandteile reagieren. Die Folge: ein massiver Kurzschluss, gepaart mit einer starken Erhitzung der Zelle – ein Feuer.

Für die Einsatzkräfte heißt das: Finger weg von Feuerlöschern, sie bringen keinen Löscherfolg. Stattdessen sollte der Akku gekühlt werden. Falls eine begleitende Verpuffung Löcher in die Karosserie gedrückt hat, wären das ideale Zugänge für das Löschwasser. Mit einem Sicherheitsabstand von drei bis fünf Metern sind Einsatzkräfte vor Verpuffungen sicher, so Geib.

Jenseits eines Crashs sind die Akkuzellen sehr sicher, betont der Experte. Selbst wenn ein Auto in nächster Nähe brennen würde, sei es "eher unwahrscheinlich", dass Akkuzellen des eigenen Fahrzeugs "durchgehen". Und gegen eine Überladung von Zellen, die zu explosionsartigen Bränden führen könnte, müssen E-Autos mit fünf verschiedenen Systemen abgesichert sein.

Unfall stellt Fahrzeug automatisch stromlos

Die Stromspannungen moderner Kfz-Akkus sind enorm. 400 Volt sind mittlerweile die Regel, der aktuelle Porsche hat sogar 800 Volt. Die Leistung großer Akkumulatoren vom Typ BEV (Battery Electric Vehicle), die in reinen E-Autos zum Einsatz kommen, erreicht leicht 280 Kilowatt. Zum Vergleich: Für eine durchschnittliche Wohnung geht man von einem Anschlusswert von 15 Kilowatt aus, von 35 Kilowatt, wenn es in der Wohnung eine elektrische Warmwasserbereitung gibt.

Aus Feuerwehr-Sicht sind Spannungen bis 1000 Volt unkritisch, sagt Experte Geib. Wichtig sei es aber auch hier, einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Stromschläge über die Karosserie sind ausgeschlossen, da das Hochvolt-System ohne Berührungspunkte zur Autohülle ausgelegt ist. Das gilt selbst für den Fall, dass eine Hochvolt-Stromleitung durch einen Unfall abreißen sollte. Diese leuchtend orangefarbenen Leitungen werden Geib zufolge bei allen europäischen Autobauern im Bodenbereich der Fahrzeuge verlegt, so dass selbst beim Aufschneiden der Karosserie zur Patientenrettung keine Gefahren entstehen.

"Keine nennenswerte Gefahr"

Ohnehin wird ein E-Auto nach einem Unfall automatisch stromlos geschaltet. Mit der Auslösung von Airbag und Gurtstraffer geht ein entsprechendes Signal an das System. Drei weitere Einheiten – ein Berührungsschutz, eine Isolationsüberwachung und ein Kurzschluss-Erkenner – schalten bei Bedarf ebenfalls die Hochvolt-Leitungen binnen 20 Sekunden stromlos.

So bleibt noch das Thema austretende Chemikalien. Flusssäure, die beim Löschen von Akkus mit Wasser entsteht, wird dabei so stark verdünnt, dass sie für Einsatzkräfte "keine nennenswerte Gefahr" bedeutet, sagt Experte Geib. Freigesetzte Elektrolyte verflüchtigen sich in der Luft sehr schnell. Sie riechen wie Uhu-Dämpfe – und verraten den Einsatzkräften damit, dass Batteriezellen offen liegen. Bei brennenden Anoden wird Graphitstaub frei. Schwerer Atemschutz ist für die Löschtrupps daher Pflicht.

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